01.12.2011

Carl von Ossietzky-Universität Oldenburg

„Faulen Hunden“ Beine machen

„Faule Hunde“ nennen die Chemiker der Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Thomas Müller an der Universität Oldenburg extrem reaktionsträge Moleküle wie zum Beispiel molekularen Wasserstoff, aber auch klimarelevante Stoffe wie Kohlenstoffdioxid oder Fluorkohlenwasserstoffe. André Schäfer, Matti Reißmann und Dr. Annemarie Schäfer konnten in einer Reihe von Experimenten nachweisen, dass bestimmte Siliciumverbindungen die Stoffe sind, um diesen Molekülen „Beine zu machen“ und sie zur Reaktion zu bringen.Eine Entdeckung, die ein Gremium internationaler Gutachter als „besonders wichtig“ wertete und die das international angesehene Fachblatt „Angewandte Chemie“ in seiner aktuellen Ausgabe vorstellt.

Der Oldenburger Arbeitsgruppe geht es um die Herstellung und Anwendung außergewöhnlich reaktiver siliciumhaltiger Verbindungen. In einer Reihe von Experimenten konnten die Oldenburger Chemiker nachweisen, dass sich molekularer Wasserstoff in Gegenwart dieser Siliciumverbindungen ohne jede weitere Energiezufuhr – das bedeutet unter Normaldruck und bei Raumtemperatur – aktivieren lässt. Eine Fähigkeit, zu der nach dem aktuellem Wissenstand bislang fast ausschließlich schwermetallhaltige – und somit toxische – Verbindungen in der Lage schienen. „Die Aktivierung von molekularem Wasserstoff ist ein zentraler Schritt in die richtige Richtung“, erläutert Müller. Denke man beispielsweise an die viel diskutierte Umstellung auf eine umweltschonende Wasserstoffwirtschaft, dann könnten die jetzt vorgestellten Erkenntnisse hinsichtlich der sicheren Lagerung und Wiederbereitstellung von Wasserstoff von großem Nutzen sein. Aber auch viele chemisch industrielle Prozesse bei denen Wasserstoff, zumeist in Verbindung mit Schwermetallen, zum Einsatz komme, könnten auf lange Sicht einschneidende Veränderungen erfahren.

Die Oldenburger WissenschaftlerInnen haben schon neue Objekte für ihre siliciumhaltigen Moleküle ins Auge gefasst. Nachdem sie erst kürzlich zeigten, dass sie mit den Molekülen Fluorkohlenwasserstoffe abbauen können, steht nun das klimarelevante Kohlenstoffdioxid und seine Umwandlung in Grundchemikalien oder Treibstoffen ganz oben auf ihrer Agenda.

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