16.09.2015

Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden

„Prüfen. Rufen. Drücken!“ – so wird jeder zum Lebensretter

Am Sonnabend, dem 19. September, beginnt die bisher größte in der Landeshauptstadt veranstaltete Schulungskampagne zu Erste-Hilfe-Maßnahmen. Hinter der Aktion stehen das Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden, die Dresdner Stadtverwaltung, sowie Rettungsdienste, Unternehmen und weitere Institutionen. Bei allen 24 Veranstaltungen, die im Rahmen der „Woche der Wiederbelebung“ bis zum 25. September stattfinden, soll medizinischen Laien die für sie praktikabelste Form der Herzdruckmassage nahegebracht werden.

Denn im Ernstfall beherzt zu handeln, tut in Deutschland Not: Während in nordeuropäischen Ländern etwa 70 Prozent aller Erwachsenen bei Herzstillstand zu Lebensrettern werden, sind es hierzulande nur 30 Prozent. Deshalb erklären rund 50 ehrenamtliche Helfer – vor allem Medizinstudierende, Angehörige der Rettungsdienste und Ärzte des Uniklinikums – täglich auf der Prager Straße, in Museen, Schulen und Kinos nicht nur die Herzdruckmassage und weitere Erste-Hilfe-Maßnahmen, sondern üben diese an Reanimationspuppen. Dank Spenden der Stiftung Hochschulmedizin Dresden sowie eines Herstellers konnten für die Aktionswoche zusätzlich 50 neue Simulatoren und zwei Defibrillatoren gekauft werden.

Der Startschuss für die „Woche der Wiederbelebung“ fällt am Sonnabend (19. September) im Rahmen des „Präventionstags 50+ – Gesundheit und Fitness“ des StadtSportBund Dresden e.V., der von 9 bis 14 Uhr im Kinder- und Frauenzentrum (Haus 21) des Universitätsklinikums Dresden stattfindet. Zu jeder vollen Stunde wird das Seminar „Ein Leben retten – Prüfen, Rufen, Drücken“ angeboten. Des Weiteren finden interessante Fachvorträge, Bewegungsseminare und Gesundheits-Checks statt. Bei den Seminaren vom Sonnabend und allen Veranstaltungen der kommenden Woche geht es um eine einfache Botschaft: Im Kampf gegen den plötzlichen Herztod können auch medizinische Laien zu Lebensrettern werden. Um einer großen Öffentlichkeit zu zeigen, wie einfach es sein kann, bei einem Herzstillstand dafür zu sorgen, dass Menschen überleben und das Risiko eines schweren gesundheitlichen Schadens sinkt, gehen die ehrenamtlichen Unterstützer der Initiative „Dresden rettet Leben“ mit Reanimationspuppen sowie Informationsmaterialien an 20 Orte im gesamten Stadtgebiet. Darunter sind sieben Schulen, sechs Museen, ein Sportverein und das Universitätsklinikum.

Plötzlich bricht ein Mensch zusammen – Passanten bleiben erschreckt stehen. Einige von Ihnen wissen zwar noch ungefähr was zu tun ist. Aber die Angst, etwas falsch zu machen und auch der Ekel vor einer möglichen Mund-zu-Mund-Beatmung lässt sie zaudern. Wertvolle Minuten vergehen. Selbst die kurze Zeit, die professionelle Ersthelfer brauchen, um an den Ort des Geschehens zu kommen, ist zu lang: Bereits drei Minuten nach einem Herzstillstand treten aufgrund des Sauerstoffmangels unwiderrufliche Schäden im Gehirn auf.

„Mit einer einfachen Herzdruckmassage kann der Restsauerstoff aus der Lunge im Blut zirkulieren und so bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes die Überlebenswahrscheinlichkeit entscheidend erhöhen“, erklärt der stellvertretende Direktor der Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin des Dresdner Uniklinikums, Prof. Axel Heller. Dazu müssen lediglich drei simple Regeln beherzigt werden: „Prüfen. Rufen. Drücken!“: Prüfen, ob die bewusstlose Person noch atmet. Dann unter der europaweit gültigen Notrufnummer 112 den Rettungsdienst rufen. Und schließlich fest und mindestens 100 Mal pro Minute in der Mitte des Brustkorbs drücken und nicht aufhören, bis Hilfe eintrifft. „Mit der Erhöhung der Wiederbelebungsrate durch Laienhelfer könnten in Deutschland jährlich rund 5.000 Menschenleben gerettet werden“, berichtet Prof. Heller, der als Notfallmediziner regelmäßig in Rettungswagen und im Hubschrauber zur Erstversorgung von Patienten unterwegs ist.

Auf den Weg gebracht wurden die zahlriechen Veranstaltungen der „Woche der Wiederbelebung“ durch den hohen persönlichen Einsatz und das organisatorische Geschick der Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin des Dresdner Uniklinikums. Doch ohne das Engagement der rund 50 Instruktoren, die den Menschen auf der Straße, in den Schulen, Museen, Kinos und weiteren Einrichtungen das Wissen um das schnelle und richtige Erkennen eines Herzstillstands sowie den darauf folgenden Maßnahmen nahebringen, würde die Aktionswoche wirkungslos bleiben. Partner der Aktion sind das Deutsche Rote Kreuz, der Arbeitersamariter-Bund, die Sanitätsschule Medicus, die Deutsche Lebensrettungsgesellschaft, der Malteser Hilfsdienst, die Arbeitsgemeinschaft Erste-Hilfe und Notfallkunde für Medizinstudierende sowie der Fachschaftsrat Medizin/Zahnmedizin der TU Dresden.

Stellvertretend für die im Rettungswesen und in der Schulung von medizinischen Laien in der Ersten Hilfe tätigen Institutionen begründet Dörthe Ludwig, Leiterin Aus- und Fortbildung beim DRK-Kreisverband Dresden, das Engagement Ihrer Institution für die Veranstaltungen der „Woche der Wiederbelebung“: „Es ist ganz wichtig, dass möglichst viele Menschen die Herzdruckmassage kennen und damit bei einem Herzstillstand auch sofort handeln können. Ich finde es schön, dass sich bei dieser Aktion alle Einrichtungen unter einem Dach zusammengefunden haben, die in der Ausbildung von Ersthelfern aktiv sind.“

„Das Wohlergehen und die Gesundheit einer jeden Bürgerin und eines jeden Bürgers sind die wichtigsten Anliegen der Stadt. Die Dresdner sollen die Gewissheit haben, dass ihnen auch in gesundheitlichen Notsituationen geholfen wird. Das Brand- und Katastrophenschutzamt steht hier mit all seinen Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen täglich in vollstem Einsatz. Außerdem setzen wir uns aktiv für die Aufklärung der Bevölkerung ein. Die Laienreanimation und die Handhabung des automatischen Defibrillators sollten Grundkenntnisse eines jeden Dresdners ab dem Schulalter sein“, begründet Eike Schulze, Koordinatorin Reha-Sport im Gesundheitsamt der Landeshauptstadt Dresden die tatkräftige Unterstützung der Kommune bei der „Woche der Wiederbelebung“.
Weitere Informationen

Öffentliche Veranstaltungsorte
Albertinum, Deutsches Hygiene Museum, Militärhistorisches Museum, Residenzschloss (Lichthof), Stadtmuseum, Technische Sammlungen der Dresdner Museen, Fußgängerzone Prager Straße, Universitätsklinikum Carl Gustav Carus, Programmkino Ost sowie der Ufa Kristallpalast Dresden.

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