6. Deutscher Kunststoff-Tag am 3. Mai in Bad Homburg

11.05.2012

Rund 120 Teilnehmer aus allen Bereichen der Kunststoffindustrie nahmen am 3. Mai 2012 am 6. Deutschen Kunststoff-Tag in Bad Homburg teil. Unter bewährter Moderation von Dr.-Ing. Reinhard Proske, Past-Präsident des Gesamtverbandes Kunststoffverarbeitende Industrie e.V. (GKV, Bad Homburg), wurden wieder entscheidende Aspekte der weltweiten Entwicklungen aufgezeigt und Anregungen gegeben, wie Unternehmen im globalen Wettbewerb bestehen können. Sowohl Veranstalter – neben GKV die Kunststoff Information Verlagsgesellschaft mbH (KI, Bad Homburg) und Das Kunststoff-Zentrum (SKZ, Würzburg) – als auch Teilnehmer zeigten sich sehr zufrieden mit der rundum gelungenen Veranstaltung. Themenauswahl und Informationsgehalt der hochkarätigen Vorträge trafen ebenso auf hohe Anerkennung wie das Ambiente und die Gelegenheit zur Pflege der persönli-chen Netzwerke.

Zur Einleitung sprach Prof. Dr. Christoph M. Schmidt, als Präsident des RWI Essen einer der „Wirtschaftsweisen", zur Position Deutschlands in der Weltwirtschaft. Besonderes Augenmerk schenkte Prof. Schmidt den Vorgängen rund um die Eurokrise. Ein Scheitern der Währungsunion wäre ein „absolutes Desaster", stellte er unmissverständlich klar. Ein – sehr starker – „deutscher" Euro wäre für die exportorientierte hiesige Wirtschaft eine kaum zu verkraftende Herausforderung, so Schmidt.

Über eine erstaunliche Wiederbelebung der Geschäfte nach dem großen Einbruch der Krise 2008/2009 berichtete Ulrich Reifenhäuser, Geschäftsführender Gesellschafter der Reifenhäuser GmbH & Co KG (Troisdorf). Mehr oder minder aus dem Stand übertrafen die Geschäfte des Extrusionstechnikspezialisten bereits im Folgejahr sämtliche Vorkrisenrekorde deutlich. Reifenhäuser hob hervor, dass die vorwiegend im Export erzielten Erfolge wesentlich auf den Stärken des deutschen Standortes der Kunststoffmaschinenbauer beruhen. Die hochqualifizierten Mitarbeiter reagieren in enger Gemeinsamkeit – Sprache, Mentalität, räumliche Nähe – auf die Herausforderungen der deutschen Kunststoffverarbeitung, was letztlich in einmaliger Weise Innovationen hervorbringt. Dies sei das nicht zu ersetzende Rückgrat des Erfolges der deutschen Kunststoffbranche, so Reifenhäuser.

Innovation stand auch im Mittelpunkt des Vortrages von Gerd Löbbert, Executive Vice President Polyolefins der Borealis AG (Wien), der über die Perspektiven der europäischen Kunststoffproduktion berichtete. Mit dieser sei ein Überleben im knallharten weltweiten Wettbewerb möglich. Nur damit könne den Kostenvorteilen anderer Regionen bei der Kunststoffproduktion wirksam begegnet werden. Besonderes Augenmerk legte Löbbert dabei auf die Orientierung auf Nachhaltigkeit, die den europäischen Produzenten durchaus Vorteile bringen könnte.

Analog zu den Erfolgsrezepten des Maschinenbauers Reifenhäuser erklärte Erwin Doll, CEO der Röchling Automotive AG & Co KG (Mannheim), die erfolgreiche Globalisierung von Produktion und Absatz des Automobilzulie-ferers. Basierend auf einer zentralen, auf Innovation ausgerichteten FuE-Strategie und einer klaren, einheitlichen Unternehmensphilosophie sei es gelungen, die Röchling-Kultur trotz aller Mentalitätsunterschiede in etlichen Regionen zu etablieren. Bei Neuaufbauten von Standorten haben sich etwa „Patenschaften" etablierter Standorte bewährt, die eine rege Kommunikation und Bindung der Gruppenunternehmen garantieren. Das trage Früchte für die gesamte Unternehmensentwicklung.

Die „Shale gas“-Revolution und die Folgen für die Kunststoffmärkte standen im Mittelpunkt des Vortrags von KI-Chefredakteur Daniel Stricker. Ins-besondere die weltweiten Polyolefin-Märkte stehen durch die rasanten Entwicklungen vor allem in den USA in einem bislang völlig ungeahnten Wandel. Sowohl die regionalen Gewichtungen als auch die strukturellen Gefüge von PE und PP werden aller Voraussicht nach erhebliche Änderungen erfahren, so ein erstes Fazit der neuen Entwicklungen.

Auch darauf könnte die Universalantwort „Innovation" lauten. Erneut stellte mit Gerhard Laubmann, Geschäftsführer der Gealan Formteile GmbH (Oberkotzau), ein mittelständischer deutscher Kunststoffverarbeiter die international Erfolg bringende Kraft dieses kleinen Wortes vor – wenn es denn tatsächlich gelebt und konsequent verwirklicht wird.

Dafür steht glaubwürdig wie kaum ein anderer Prof. Dr.-Ing. Christian Hopmann, Leiter des Instituts für Kunststoffverarbeitung (IKV, Aachen) an der RWTH Aachen. Hopmann zeigte, dass die in Deutschland traditionell vielfältigen Verflechtungen zwischen Industrie und universitärer Forschung mittlerweile selbst in den USA als entscheidender Wettbewerbsvorteil begriffen werden. Mühselig wird dort daher versucht, Strukturen wie die des IKV mit Einbettung in Industrie und gleichzeitiger staatlicher Rahmenlenkung aufzubauen. Hopmanns Vortrag machte deutlich, welche Möglichkeiten die deutsche Forschungslandschaft allen Industriebeteiligten bietet, und wie viel Erfolg letztlich von der Aufrechterhaltung und Verbesserung dieser Strukturen abhängt.

Das alles aber wäre wohl nichts ohne die persönliche Leidenschaft und den Willen der in der Kunststoffindustrie tätigen Menschen. Dass diese im wahrsten Sinne grundlegende Eigenschaften für Erfolg überhaupt sind, stellte der Extremsportler Joey Kelly im abendlichen Vortrag dar. Es gibt nahezu nichts, was sich damit nicht erreichen lässt – das führte der wirklich sehr extreme Extremsportler, einst dazu Geschäftsführer und Mitglied der überaus erfolgreichen singenden „Kelly Family", den Zuhörern eindrucksvoll vor Augen.

Quelle:
gkv Gesamtverband Kunststoffverarbeitende Industrie e.V.


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