23/10/2014

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AVK: Europäischer GFK-Markt auf anhaltendem Wachstumskurs

Die AVK Industrievereinigung Verstärkte Kunststoffe e.V. hat den europäischen Markt für glasfaserverstärkte Kunststoffe (GFK) untersucht. Die europäische Herstellungsmenge wächst demnach im Jahr 2014 um über 2 Prozent. Damit hat sich in diesem mit Abstand größten Segment der Faserverbundkunststoff- bzw. Composites-Industrie das Wachstum verstetigt. Der Composites-Markt gilt als extrem heterogen, sowohl was die Größe der Unternehmen angeht als auch die eingesetzten Verarbeitungsverfahren sowie die hergestellten Bauteile und Produkte. Die Marktdynamik ist je nach Anwendungsindustrie, in der die Bauteile eingesetzt werden, sehr unterschiedlich. Auch regional gibt es große Unterschiede.

Der betrachtete Markt
Wie in den Vorjahren beinhaltet dieser GFK-Marktbericht 2014 die Länder in Europa, deren Produktionsmengen sich valide erfassen lassen. Die Menge in der Türkei wird ergänzend mitbetrachtet, mangels langjähriger Vergleichbarkeit aber weiterhin separat ausgewiesen. Als GFK werden alle glasfaserverstärkten Kunststoffe mit einer duroplastischen Matrix sowie glasmattenverstärkte Thermoplaste (GMT) und langfaserverstärkte Thermoplaste (LFT) bezeichnet. Die europäische Herstellungsmenge für kurzfaserverstärkte Thermoplaste liegt nur als Gesamtmenge vor und wird separat ausgewiesen. Die Marktgröße für weitere Verstärkungsfasern (Natur- und Basaltfasern) wird hier ebenfalls erwähnt. Auf kohlenstofffaserverstärkte Kunststoffe (CFK) wird im zweiten Teil des Marktberichtes separat eingegangen.

Die Produktion von GFK 2014: Gesamtentwicklung
Die Entwicklung der GFK-Produktionsmenge in Europa hat einen sehr guten Start im Jahr 2014 gehabt. Das erste Halbjahr hat die Erwartungen der meisten Marktteilnehmer übererfüllt. Bei zu erwartender leichter Abschwächung des Wachstums im zweiten Halbjahr lässt sich den Angaben zufolge insgesamt ein kontinuierliches Wachstum feststellen. Der europäische Gesamtmarkt steigt demnach um über 2% Prozent auf geschätzte 1,04 Millionen Tonnen (s. Abb. 1).

Bei Betrachtung der langfristigen Entwicklung ist laut AVK erkennbar, dass die Herstellung von GFK tendenziell der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung folgt. Das sei nicht weiter verwunderlich, da die volkswirtschaftlich relevanten Industriebereiche Transport und Bau Hauptabnehmer für GFK-Bauteile sind. Korrespondierend mit dem sinkenden Anteil Europas am globalen Bruttoinlandsprodukt (BIP), nimmt auch der Anteil Europas an der weltweiten GFK-Herstellungsmenge immer weiter ab. Hier gibt es weltweit festzustellende Verschiebungen insbesondere zu Gunsten der BRIC-Staaten (Brasilien, Russland, Indien, China), deren BIP-Anteil am Weltmarkt kontinuierlich wächst. Die GFK-Menge in Europa ist auf Wachstumskurs, bleibt aber hinter der weltweiten Entwicklung zurück. Die Marktentwicklung ist aber, je nach Verarbeitungsverfahren, den Anforderungen der jeweiligen Anwendungsindustrien und auch nach den einzelnen europäischen Ländern betrachtet, teilweise sehr unterschiedlich.

Tendenzielle Entwicklungen von Verfahren/Teilen

Duroplastische Materialien
SMC/BMC
Nach dem für die Automobilindustrie schwierigen Vorjahr gibt es im Jahr 2014 etliche Impulse, die sich positiv auch auf die Zulieferer und auf die GFK-Hersteller auswirken. Auch wenn der größte Wachstumsmarkt China ist, gibt es in Europa und insbesondere im Leitmarkt Deutschland positive Entwicklungen im Pkw- wie auch im Nutzfahrzeugbereich. Davon partizipieren auch die Hersteller von SMC- (Sheet Moulding Compound) und BMC- (Bulk Moulding Compound) Teilen. Die SMC-/BMC-Menge wächst gesamt in 2014 um über 3 Prozent.

Open mould / Offene Verfahren
Die Herstellung von GFK mit den sogenannten offenen Verfahren stagniert im Jahr 2014. Die Menge der im Handlaminieren produzierten Bauteile sinkt weiter, wohingegen beim Faserspritzen ein gutes Wachstum festzustellen ist. Vor allem die vielen kleinen Unternehmen in diesen Märkten konkurrieren mit geschlossenen Verfahren (z.B. RTM) und insbesondere auch mit nichteuropäischen Wettbewerbern.

RTM
Wie im Vorjahr wächst die Produktion von RTM- (Resin Transfer Moulding) Bauteilen überdurchschnittlich stark um fast 5 Prozent. In dieser Menge sind alle zum Teil sehr unterschiedlichen (Infusions- und Injektions-) Verfahren, in der eine geschlossene Form zur Anwendung kommt, zusammengefasst. Vor allem in der Automobilindustrie wird derzeit sehr stark an der Weiterentwicklung der Verfahren gearbeitet.

Continuous Processing / Kontinuierliche Verfahren
Nach dem relativ starken Wachstum im Vorjahr stagniert die europäische GFK-Produktion mit den sogenannten kontinuierlichen Verfahren in 2014. Platten werden vor allem für Fahrzeuge hergestellt. Die wesentlichen Anwendungen für pultrudierte GFK-Profile finden sich im Baubereich. Die Marktsegmente der kontinuierlichen Verfahren sind durch eine relativ hohe Automatisierung gekennzeichnet.

Pipes and tanks / Rohre und Tanks
Mit Schleuder- bzw. Wickelverfahren gefertigte GFK-Rohre und Tanks werden vor allem in der Öl-/Gas- und Chemie-Industrie eingesetzt. Der europäische Markt, der etwa ein Viertel der weltweiten Produktion ausmacht, stagniert. Nicht zuletzt wegen der relativ großen Materialmengen je Auftrag dominieren wenige große Hersteller den Markt. Große Wachstumschancen werden vor allem bei Projekten für Wasser- und Abwasserrohre gesehen, wobei die größte Dynamik in diesem Geschäft derzeit außerhalb Europas stattfindet.

Thermoplastische Materialien
GMT/LFT
Glasmattenverstärkte Thermoplaste (GMT) und langfaserverstärkte Thermoplaste (LFT) verzeichnen in 2014 weiterhin ein überdurchschnittliches Wachstum von über 6 Prozent. Wie die anderen Verfahren, deren Haupteinsatzgebiet die Automobilindustrie ist, partizipieren die Unternehmen hier von neuen Anwendungen und der allgemeinen Marktdynamik in Europa. Aber auch der Ersatz von Bauteilen, die bislang aus duroplastischen Materialien gefertigt werden (z.B. SMC), ermöglicht weiteres Wachstum.

Kurzfaserverstärkte Thermoplaste
Neben den in den GFK-Zahlen dieses Marktberichtes enthaltenen GMT-/LFT-Mengen gibt es noch das große Marktsegment der kurzfaserverstärkten Thermoplaste. Der europäische Markt für thermoplastische, glasfaserverstärkte Compounds war mit etwa 1.160 Kilotonnen im Jahr 2013 etwas größer als der betrachtete GFK-Markt (duroplastische Materialien plus GMT/LFT). Mit ca. 5 Prozent Mengenanstieg pro Jahr gibt es in diesem Segment wesentlich stärkere Wachstumsimpulse.

Die Anwendungsindustrien im Überblick
Trotz tendenziell unterschiedlicher Entwicklungen in den Märkten der einzelnen Herstellungsverfahren, bleibt der Anteil der großen GFK-Anwendungsindustrien in Europa konstant. Jeweils ein Drittel der gesamten Produktionsmenge wird für den Transportbereich und für den Baubereich hergestellt. Weitere Anwendungsbereiche sind die Elektro-/Elektronikindustrie sowie die Sport- und Freizeitindustrie (s. Abb. 3).

Die GFK-Produktion 2014: Länder-Betrachtung
Die Entwicklung in Europa verläuft nicht einheitlich (siehe Abb. 4). Ausschlaggebend ist vor allem die jeweilige volkswirtschaftliche Entwicklung bzw. die Entwicklung der GFK-Hauptanwendungen. Das kontinuierliche überdurchschnittliche Wachstum von Deutschland, UK/Irland sowie den osteuropäischen Staaten hat sich verstetigt. Vor allem der Automobilbau stützt in Deutschland diese Entwicklung, in UK der Baubereich. In der seit 2011 in die (separate) Betrachtung einbezogenen Türkei gibt es laut Türkischem Composites-Verbandes TCMA erneut ein überdurchschnittliches Wachstum von fast 5 Prozent (Quelle: TCMA).

Weitere Composites-Materialien
GFK sind in der Composites-Industrie die mit Abstand größte Materialgruppe. Die Verstärkungsfasern sind in über 95 Prozent der Gesamtmenge Composites-Glasfasern (Kurz- und Langfasern, Rovings, Gelege etc.). Von den weltweit über 8,5 Millionen Tonnen hergestellten Composites werden 2014 in Europa voraussichtlich 2,2 Millionen Tonnen glasfaserverstärkte Kunststoffe hergestellt werden. Davon macht der hier detailliert betrachtete Markt 1,04 Millionen Tonnen aus und die kurzfaserverstärkten Thermoplaste 1,16 Millionen Tonnen. Der weltweite Bedarf an kohlenstofffaserverstärkten Kunststoffen (CFK) beträgt im Jahr 2014 geschätzte 79.000 Tonnen. Bauteile aus naturfaserverstärkten Kunststoffen mit Haupteinsatzgebiet im Automobilsektor wurden in den Ländern der EU im Jahr 2012 in der Größenordnung von 92.000 Tonnen hergestellt. Die EU-Menge an sogenannten Wood-Plastic-Composites betrug 260.000 Tonnen.

Ausblick
Hinsichtlich des von der Industrie gesehenen Potenzials und des in die Zukunft gerichteten Engagements vieler Unternehmen, haben thermoplastische Werkstoffe derzeit eine höhere Aufmerksamkeit im Markt als duroplastische Materialien. Nicht zuletzt durch die großen "Leuchtturmprojekte" im Transport- und Luftfahrtbereich haben sich insbesondere auch die Maschinenhersteller das Thema Composites als ein Zukunftsthema auf die Fahne geschrieben. Die Kombination unterschiedlicher Werkstoffe bleibt eine große Herausforderung für die Zukunft. Bei den Entwicklern und in der Industrie wird immer stärker nicht nur an Lösungen aus einzelnen Materialien gedacht, sondern an deren geeignetes Zusammenspiel. In den vergangenen Jahren ist es Composites immer wieder gelungen, sich in neuen Anwendungsbereichen zu platzieren. Beispielsweise bietet der Bausektor hier aufgrund seiner spezifischen Anforderungen noch viele Möglichkeiten.

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