30.08.2011

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Adval Tech: Währungseffekte setzen der Gruppe stark zu

Die Adval Tech Gruppe hat die angestrebte Ergebnisverbesserung nach eigenen Angaben im ersten Halbjahr 2011 nicht erreicht. Der Höhenflug des Schweizer Frankens insbesondere im Vergleich mit den Währungen der wichtigsten Absatzmärkte (Euro und US-Dollar) hat der Gruppe demnach stark zugesetzt. Darüber hinaus haben auch die Währungen der Adval Tech Produktionsstandorte in China (Yuan), Mexiko (Peso) und Brasilien (Real) gegenüber Euro und Dollar deutlich zugelegt. Diese ungünstige Währungsentwicklung habe die beachtlichen operativen Verbesserungen der Adval Tech Gruppe im ersten Halbjahr 2011 zunichtegemacht. Aufgrund der schwierigen Situation und der entsprechend getrübten Aussichten für die zweite Jahreshälfte prüfen Verwaltungsrat und Konzernleitung der Adval Tech Gruppe verschiedene Szenarien und Massnahmen zur Entschärfung der Standortnachteile. In den Schweizer Gesellschaften wollen sie zudem Lohnreduktionen beim Kader vornehmen und eine Arbeitszeiterhöhung um zweieinhalb Stunden pro Woche einführen. Diese beiden Massnahmen sollen bis Ende des Jahres befristet sein.

Die Gesamtleistung der Adval Tech Gruppe liegt mit 143,4 Mio. CHF 11 Prozent unter dem Wert des ersten Halbjahres 2010 (160,6 Mio. CHF). Dabei gilt es zu berücksichtigen, dass in der Schweiz ein Gesamtleistungsvolumen von 13,6 Mio. CHF weggefallen ist, und zwar mit dem Verkauf der Lohnfertigung für CD- und DVD-Verpackungen in Muri AG, der Schliessung des Standortes Merenschwand sowie dem Verkauf des Werks Bodenweid in Bern-Bümpliz, heißt es weiter. Korrigiert man die Gesamtleistung der Vorjahresperiode zusätzlich um die Währungseffekte von 17,3 Mio. CHF, ergibt sich für die weitergeführten Geschäftsbereiche ein Wachstum von rund 10 Prozent. Dieses hat Adval Tech den weiteren Angaben zufolge vorwiegend in der Automobilindustrie erzielt.

Der Betriebsgewinn vor Abschreibungen, Zinsen und Steuern EBITDA der Adval Tech Gruppe ist im ersten Halbjahr 2011 mit 7,9 Mio. CHF um 3,8 Mio. CHF tiefer ausgefallen als in der entsprechenden Vorjahresperiode (11,7 Mio. CHF). Mit -1,7 Mio. CHF liegt das Betriebsergebnis EBIT um 2,0 Mio. CHF hinter dem entsprechenden Vorjahresresultat zurück. Währungsbereinigt und korrigiert um die aufgegebenen Aktivitäten in Muri, Merenschwand und Bern ergibt sich auch bei EBITDA und EBIT ein positiveres Bild: EBITDA und EBIT hätten sich gegenüber dem Vorjahr um 1,5 bzw. 2,6 Mio. CHF verbessert. Die Währungseffekte machten beim EBITDA rund 5,5 Mio. CHF aus. Entsprechend sei auch das Unternehmensergebnis der ersten Jahreshälfte 2011 mit -7,1 Mio. CHF negativ.

Segment Automotive
Die Halbjahresgesamtleistung des Segments Automotive liegt mit 71,3 Mio. CHF 10 Prozent unter dem Vorjahreswert von 79,4 Mio. CHF. Bereinigt um die Währungseffekte und unter Berücksichtigung der in diesem Segment aufgegebenen Geschäftsaktivitäten ergibt sich ein Wachstum von 19 Prozent für die weitergeführten Geschäftsfelder. Alle Standorte des Segments Automotive in der Schweiz, in Brasilien, in Ungarn und in den USA haben zur Volumenerhöhung beigetragen. Sowohl bei den Applikationen für Airbags, ABS-Bremssysteme und Autolampen als auch bei den Baugruppen für Lenksysteme hat sich der Umsatz erfreulich entwickelt. Nicht erfreulich ist der Betriebsgewinn EBITDA des Segments Automotive ausgefallen. Mit 3,0 Mio. CHF liegt er 1,8 Mio. CHF unter dem Vorjahresergebnis von 4,8 Mio. CHF. Währungsbereinigt hätte sich der EBITDA aber um 1,5 Mio. CHF verbessert.

Segment Medical & Consumer Goods
Die Gesamtleistung des Segments Medical & Consumer Goods im ersten Halbjahr 2011 liegt mit 76,2 Mio. CHF 7 Prozent hinter dem Vorjahreswert von 82,0 Mio. CHF zurück. Bereinigt um die Währungseffekte und um die in diesem Segment aufgegebenen Geschäftsaktivitäten mit einem Volumen von insgesamt 11,6 Mio. CHF ergibt sich für die weitergeführten Geschäftsfelder ein Wachstum von 8 Prozent. Dabei haben sich die verschiedenen Bereiche des Segments unterschiedlich entwickelt: Während das Komponentenbusiness währungsbereinigt stagnierte, konnte Adval Tech beim Geschäft mit Spritzgiesswerkzeugen zulegen. Der Betriebsgewinn EBITDA des Segments Medical & Consumer Goods ist von 6,0 Mio. CHF im ersten Halbjahr 2010 auf 2,8 Mio. CHF gesunken. Auch währungsbereinigt ergibt sich eine Verschlechterung, und zwar um 1,2 Mio. CHF.

Ausblick
Für das zweite Semester 2011 erwartet Adval Tech ein höheres Volumen als im ersten Halbjahr. Dies nicht zuletzt dank verschiedenen neu anlaufenden Projekten. Entscheidend soll der Start der strategischen Projekte in der Automobil- und Medizinaltechnikindustrie sein. Sie würden den mittelfristigen Erfolg der Adval Tech Gruppe massgeblich beeinflussen. Ausschlaggebend für das Ergebnis 2011 werde letztlich jedoch auch die weitere Währungsentwicklung sein. Bleiben die relevanten Fremdwährungen auf dem aktuellen Niveau, dürfte das Unternehmensergebnis im zweiten Semester 2011 - trotz der erwarteten Volumensteigerung - negativer ausfallen als im ersten, sodass für das gesamte Geschäftsjahr 2011 mit einem deutlichen Verlust zu rechnen wäre. Mit einer abgestuften Lohnreduktion beim Kader (minus 6 Prozent auf Stufe Konzernleitung, minus 4 bzw. minus 2 Prozent bei weiteren Kaderstufen) und einer Arbeitszeiterhöhung um zweieinhalb Stunden pro Woche - beide Massnahmen betreffen die Schweizer Gesellschaften und sind befristet bis Ende Jahr - wollen Verwaltungsrat und Konzernleitung die Position der Adval Tech Gruppe in dieser schwierigen Phase kurzfristig stärken. Zudem verzichtet der Verwaltungsrat auf 10 Prozent des Jahreshonorars für 2011.