Allianz verurteilt drastische Eingriffe in die Wissenschaftsfreiheit türkischer Forscher

Mit größtem Nachdruck verurteilt die Allianz der Wissenschaftsorganisationen die drastischen Eingriffe in die Wissenschaftsfreiheit türkischer Forscherinnen und Forscher, die die unmittelbare Folge verschiedener Maßnahmen der türkischen Regierung seit dem Umsturzversuch in der Nacht zum 16. Juli 2016 sind. Diese Maßnahmen umfassen nicht nur die zumindest zeitweise Einschränkung der Reisefreiheit von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, sondern auch die politisch motivierte Entfernung von Forscherinnen und Forschern sowie von Rektorinnen und Rektoren aus ihren Institutionen bis hin zum veranlassten Rücktritt aller Dekaninnen und Dekane.

Zwar ist die Aufforderung des Obersten Hochschulrats der Türkei an die Angehörigen der Lehrkörper ihrer Universitäten, die gerade im Ausland forschen oder lehren, in ihr Heimatland zurückzukehren, mittlerweile zurückgenommen worden. Doch schon die Tatsache, dass eine solche Anordnung kurzfristig in Kraft gewesen ist, stellt einen nur schwer zu überwindenden Vertrauensverlust in den Schutz der Wissenschaftsfreiheit türkischer Forscherinnen und Forscher dar. Verlässliche Kooperationen über nationale Grenzen hinweg sind eine notwendige Voraussetzung für erfolgreiche wissenschaftliche Arbeit. Uneingeschränkte Reisefreiheit für Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ist unabdingbar damit verknüpft; von diesem Austausch profitieren alle Beteiligten. Die deutschen Hochschulen und Forschungseinrichtungen werden die bei ihnen tätigen türkischen Forscherinnen und Forscher in dieser schwierigen Situation weiterhin individuell unterstützen.

Bereits bestehende Ansätze zur Einschränkung der Wissenschaftsfreiheit in der Türkei haben sich anlässlich der Zuspitzung politischer Umstände in kürzester Zeit dramatisch verschärft. Die positive Gesamtentwicklung der Wissenschaft in der Türkei und die internationale Vernetzung des türkischen Wissenschaftssystems u.a. mit deutschen Wissenschaftseinrichtungen sind akut gefährdet.

Die Allianz der Wissenschaftsorganisationen appelliert an die Regierung der Türkei, die laufenden Untersuchungen hinsichtlich einer Beteiligung in den Universitäten und Forschungseinrichtungen an dem Umsturzversuch strikt im Rahmen legitimer rechtsstaatlicher Verfahren durchzuführen.

Die Allianz der Wissenschaftsorganisationen nimmt regelmäßig zu Fragen der Wissenschaftspolitik, Forschungsförderung und strukturellen Weiterentwicklung des deutschen Wissenschaftssystems Stellung. Mitglieder der Allianz sind die Alexander von Humboldt-Stiftung, der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD), die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG), die Fraunhofer-Gesellschaft, die Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren, die Hochschulrektorenkonferenz, die Leibniz-Gemeinschaft, die Max-Planck-Gesellschaft, die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina und der Wissenschaftsrat. Für das Jahr 2016 hat die Leopoldina die Federführung in der Allianz übernommen.

Quelle
Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina