28/03/2014

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Arburg: JVA Heimsheim bildet Häftlinge an Spritzgießmaschine aus - Lohnfertigung von Kunststoffteilen

Als erste Justizvollzugsanstalt (JVA) des Landes Baden-Württemberg bietet Heimsheim eine zweijährige Ausbildung zum Anlagenführer Metall- und Kunststofftechnik an. Seit September 2013 nehmen vier Azubis aus der Haftanstalt daran teil. Für den Part Kunststofftechnik wurde eine Allrounder-Spritzgießmaschine von Arburg angeschafft, die auch für Lohnaufträge zum Einsatz kommt. Mit ihren neu erworbenen Kenntnissen im Umgang mit Spritzgieß- und Metallbearbeitungsmaschinen sowie einem von der IHK zertifizierten Berufsabschluss in der Tasche, haben die Häftlinge nach ihrer Entlassung bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt.

"Unser oberstes Ziel lautet Resozialisierung", erklärt Lars Klapper, Geschäftsführer des Vollzuglichen Arbeitswesens (VAW) in der Justizvollzugsanstalt Heimsheim. "Wir haben hier rund 460 Insassen; möglichst viele davon wollen wir als potenzielle neue Mitarbeiter entlassen." Ein Problem sei jedoch, dass viele Häftlinge keine Berufsausbildung abgeschlossen haben.

JVA bildet zum Maschinen- und Anlagenführer aus
Deshalb wird in Heimsheim neben der Möglichkeit, Deutsch zu lernen und den Hauptschulabschluss nachzuholen, z.B. auch eine Teilausbildung zum Gabelstaplerfahrer, ein Schweiß- oder einen Tischler-Schreiner-Maschinenkurs angeboten. "Wir sind stolz darauf, die erste Niederlassung des Landesbetriebs Vollzugliches Arbeitswesen zu sein, die seit September 2013 eine zweijährige Ausbildung zum Maschinen- und Anlagenführer Metall- und Kunststofftechnik anbietet", ergänzt VAW Werkdienstleister Wolfgang Wenzelburger. Für den Theorieunterricht kommen mehrmals wöchentlich Berufsschullehrer in die Haftanstalt. Der Praxisteil wird von eigenen Mitarbeitern mit Techniker- oder Meisterausbildung übernommen.

Neue Maschinentechnik im Einsatz
Der Maschinenpark in Heimsheim ist gut bestückt. Denn als Dienstleister und Lohnfertiger nimmt der nach ISO 9001 zertifizierte Betrieb auch zahlreiche Aufträge von regionalen Industrieunternehmen und Privatleuten entgegen. Auf rund 7.300 Quadratmetern Produktionsfläche sind z.B. eine Schlosserei, Schreinerei, Druckerei und ein Montagebereich untergebracht. In der Metallausbildung steht u.a. ein modernes CNC-Bearbeitungszentrum zur Verfügung. Für die Fertigung von Kunststoffteilen wurde im vergangenen Jahr eine neue Spritzgießmaschine von Arburg angeschafft. "Wir haben uns für einen kompakten Allrounder 320 C der Baureihe Golden Edition entschieden, mit dem wir Teile bis zu einem Schussgewicht von 50 Gramm fertigen können", führt Johannes Schmidt aus, der viele Jahre eine eigene Spritzerei betrieb. Ein Plus sei die räumliche Nähe von Arburg im Nordschwarzwald. "Für Inbetriebnahme, Service und Wartung kommen kompetente Techniker in unseren Ausbildungsbetrieb. In dieser Hinsicht unterscheiden wir uns von keinem anderen Unternehmen", betont Johannes Schmidt.

Die vier Auszubildenden im Alter zwischen 25 und 30 Jahren lernen nun Schritt für Schritt das Rüsten und Einstellen der Spritzgießmaschine. Zwei weitere Häftlinge, die in Kürze entlassen werden, nutzen ebenfalls die Gelegenheit, sich am Allrounder ausbilden zu lassen.

Kunststoffteile: Eigenproduktion und Lohnfertigung
Der Allrounder wird z.B. eingesetzt, um Briefklammern und Schlüsselanhänger für Marketingmaßnahmen der Haftanstalt zu produzieren, aber auch verschiedene Kunststoffbehälter und ein Zahnarztinstrument für regionale Auftraggeber zählen zum Produktportfolio. Als ein Auftrag für eine Notizzettelbox erteilt wurde, haben sich die Ausbilder etwas Besonders einfallen lassen: "Um die Bereiche Metall und Kunststoff sinnvoll zu verzahnen, stellen wir das passende Werkzeug für die Spritzgießmaschine weitgehend selbst her", erklärt Götz Heinrich.

Ende März steht für die vier Auszubildenden die erste Zwischenprüfung an. Im September 2015 erhalten die Häftlinge, wenn alles klappt, ihren von der Industrie- und Handelskammer (IHK) zertifizierten Gesellenbrief. Damit haben sie später auf dem freien Markt einen beruflichen Vorsprung vor ungelernten Hilfskräften und die Option, sich zum Industriemechaniker weiterzubilden.

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