14.07.2011

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BARLOG plastics: 15. EKTT mit 300 Besuchern und über 40 Ausstellern

Im nunmehr 15. Jahr in Folge hat BARLOG plastics die Kunststoffbranche am 01. Juli 2011 zum Engelskirchener Technologie-Tag (EKTT) eingeladen. Wissenstransfer aus der Praxis für die Praxis, der Dialog sowie vielfältige Möglichkeiten für die Entwicklung von Kooperationen stehen bei der jährlichen Veranstaltung traditionell im Vordergrund. Beim Wissenstransfer lag der Fokus der 20 Beiträge diesmal auf zukunftsträchtigen Technologiethemen wie der LED-Beleuchtungstechnik, den Verfahren und Materialien für den Leichtbau, der Energieeffizienz, neuen Konzepte für den Werkzeugbau und natürlich dem Dauerbrenner Metallersatz.

Die schon im letzten Jahr als neuer Tagungsort bewährte Lang Academy in der Nachbarstadt Lindlar war mit knapp 300 Teilnehmern wieder fast bis zum Anschlag ausgelastet. Auch die ausgewiesenen 43 Standplätze für Aussteller waren bereits lange im Voraus ausgebucht. Bei der Veranstaltung wurde ebenso der diesjährige Träger des traditionellen Preises für innovative Entwicklungen zur Substitution von Metallen durch polymere Werkstoffe, des Metallersatz-Awards (s.u.), bekannt gegeben.

Viele Themenbereiche in mehreren Tagungsräumen
Nach der Begrüßung und einem Exkurs über die Entwicklung der weltweiten Produktionskapazitäten in der Kunststoffherstellung ging es alsbald mit 17 Fachvorträgen in drei parallelen Sessions in medias res:
Einen besonderen Schwerpunkt bildete das Themengebiet "Lighting und LED-Technik” mit Vorträgen von Osram Opto Semiconductors, EMS Grivory und Barlog plastics selbst zu Themen der Beleuchtungstechnik, die auf neue Möglichkeiten, Anforderungen, Werkstoffe und Anwendungen in diesem Technologiebereich eingingen, der immer wichtiger zu werden scheint. Der Veranstalter selbst bezeichnet die LED schon als Licht der Zukunft und sieht die Beleuchtungstechnik in einem revolutionären Wandel. Osram erläuterte aktuelle Trends in der LED-Technik, bei deren Einsatz fast nichts ohne Kunststoffe zu gehen scheint, und EMS zeigte dazu gleich eine Reihe neuer Anwendungsbeispiele, z.B. für Gehäuse, Reflektoren oder Optiken.

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Ebenso im Fokus standen Werkstoff-Themen, dabei insbesondere der Vortrag von Barlog plastics über Strategien zur Materialauswahl für technische Kunststoffe, in welchem erklärt wurde, wie man als Entwickler, Verarbeiter oder eben als beratender Entwicklungspartner methodisch am besten für jedes Teil den richtigen Kunststoff findet, unter konstruktions- wie produktionstechnischen Kriterien und natürlich auch unter Kosten- und Verfügbarkeitsaspekten.
Im Bereich der werkstofftechnischen Themen stießen auch der Vortrag der Schwesterfirma BaHsys über die Bestimmung und Beurteilung der Wärmeleitfähigkeit von Kunststoffen bei besonderen Aufgabenstellungen sowie der Beitrag "Leichtbau ohne Kompromisse" von EMS Grivory über den Einsatz langfaserverstärkte Kunststoffe mit geringeren Verstärkungsanteilen, die zu noch leichteren Bauteilen führen sollen, auf großes Interesse.
Ebenfalls um Leichtbau und Gewichts- bzw. Materialersparnis ging es bei den Vorträgen von MuCell und Wittmann Battenfeld zu physikalischem bzw. chemischem Schäumen sowie über das gas- bzw. wasserinjektionsunterstützte Spritzgießen sowie die Kombination mehrerer solcher Verfahren für komplexe, größere technische Teile.

Auch der Bereich Werkzeugtechnik sollte nicht zu kurz kommen und bot vielfältige aktuelle Informationen aus dem Formenbau und der Heißkanaltechnik. So stellte das Konstruktionsbüro Hein neue Konzepte für Anguss und Entlüftung vor und Günther Heißkanaltechnik erläuterte die Funktionsweise und die Vorteile seiner neu entwickelten Düsenheizung "BlueFlow" (höhere Produktivität, weniger Energiebedarf).

Nach der Mittagspause und noch vor der Preisverleihung sorgte der Forumsbeitrag eines "Professors" für Kommunikationswissenschaft und Sozialforschung für große Aufmerksamkeit, denn schließlich war sein Thema - "Innovationsprozesse in der Kunststoffbranche" - etwas, das uns alle angeht. Zwar klang das Credo des Referenten zum Thema Kommunikation "Da wo Menschen sind, da menschelt's!" wenig akademisch und auch die Zitate und Zoten wurden im Verlaufe des Vortrags immer unprofessoraler, doch Heiterkeit und Neugier stiegen. Und natürlich war die Botschaft, dass mehr Kommunikation und Kooperation der Branche nützten, die die Veranstalter den Schauspieler überbringen ließen, so falsch nicht. So gab es hier am Ende großen Applaus.
Neben den Vorträgen sorgten natürlich auch die 43 Aussteller an ihren Ständen für Gesprächsstoff bis in den späten Nachmittag. Der Freiraum für Gespräche im Außengelände des Tagungszentrums wurde nicht nur wegen des sonnigen Julitages gerne genutzt, sondern auch, um die Präsentation der Billion Kunststofftechnik auf dem Parkgelände zu besuchen, wo Billion in seinem Road Show Truck eine vollelektrischen Spritzgießmaschine in Betrieb zeigte.

6. Award für intelligenten Metallersatz an EJOT verliehen
Bei der inzwischen sechsten Preisverleihung für intelligenten Metallersatz wurde die Firma EJOT GmbH & Co. KG, Bad Berleburg, für die Umsetzung der bewährten DELTA PT Schraube in Kunststoff ausgezeichnet. Der Verbindungstechnik-Spezialist EJOT stellt die Delta PT Schraubenfamilie bereits seit langem in vielen verschiedenen Größen aus Stahl und aus Aluminium her.

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Dieser Schraubentyp dient zur Direktverschraubung von Bauteilen aus thermoplastischen Kunststoffen und wurde zur K 2010 erstmals in einer Version aus Kunststoff selbst vorgestellt (s. plasticker vom 20.10.2010).
Die Verbindungselemente aus dem thermoplastischen Konstruktionswerkstoff Grivory HTV-5H1 mit 50% Glasfaseranteil versprechen im Vergleich zu Schrauben aus Metall dieselbe verbindungstechnische Sicherheit, jedoch mit viel weiter reichenden Potenzialen für die Gewichtseinsparung. So sei eine in ihren Abmessungen vergleichbare Kunststoff-Schraube bis zu 85% leichter als ihr Pendant aus Stahl!

Die Verbindungstechnik-Spezialisten von EJOT sahen den Einsatz von Kunststoff für die Delta PT Schraube dabei als letzte "Evolutionsstufe" innovativer Materialverwendung. Eine Einschätzung, der sich die Jury von Barlog plastics offenbar anschließen konnte.
Bei der Entscheidung über die Vergabe des jährlichen Metallersatz-Award, der ja ein Innovationspreis sein soll, werden in fünf Bewertungskategorien jeweils bis zu 100 Punkte vergeben:Innovationsgrad (echte Marktneuheit, innovative Umsetzung in Kunststoff oder nur wesentliche Produktoptimierung).
Entwicklungs- und Prüfaufwand (ein Jahr, mehr als zwei oder mehr als drei Jahre).
Risikobetrachtung der Umsetzung (Mögliche Schäden bei technischem Versagen, Haftungs- und/oder Imagerisiken).
Benötigte Durchsetzungskraft (Marktumfeld konservativ oder aufgeschlossen).
Erzielte Kostensenkung.

In den ersten drei Kategorien Innovationsgrad, Entwicklungsaufwand und Risikobetrachtung erhielt Ejot die vollen 100 Punkte, bei der Durchsetzungskraft gab es nur 50 von 100 Punkten, da die Juroren das Marktumfeld (u.a. Automotive) als aufgeschlossen für Neuerungen ansieht. Bei der Kostensenkung konnten allerdings leider keine Punkte vergeben werden, da das Grivory HTV-5H1 teurer als Stahl oder Aluminium sei, wie Barlog plastics - zugleich Lieferant des Materials - unumwunden zugab.
Dieser Kostennachteil wird aber durch wesentliche Eigenschaftsverbesserungen gegenüber dem Stahl wieder wettgemacht, wofür es zusätzlich noch 100 Bonuspunkte gab. Diese Verbesserungen sind die Korrosionsbeständigkeit, die elektrischen Isoliereigenschaften, welche z.B. den Einsatz für die Verschraubung von Leiterplatten erleichtern und die Gewichtsersparnis.
Dadurch erreichte Ejot mit der Delta PT Schraube aus Kunststoff 450 von 500 möglichen Punkten!

Jürgen Behle, Leiter Key Customer Management in der Sparte Verbindungstechnik von EJOT, nahm die Auszeichnung hoch erfreut entgegen und bedankte sich mit einer launigen Ansprache beim Veranstalter und beim Publikum: "Dass er als alter Schraubenmann mal einen Preis für Metallersatz bekäme, wo doch Schrauben klassischerweise immer aus Metallen waren, hätte er sich nie träumen lassen."

Anschließend berichtete er, wie Werner Barlog, Geschäftsführer von Barlog plastics, selbst mit einer Anfrage den Anstoß für diese Entwicklung gab, als er sich nach richtigen Auslegungen von Schraubengewinden erkundigte; Barlog plastics wollte seinerzeit nur für ein Messegimmick einige Schrauben selbst aus Kunststoff herstellen.
Da für Ejot das branchenübergreifende Trendthema "Leichtbau" eines der zentralen Ansatzpunkte in allen Forschungs- und Entwicklungstätigkeiten ist, wurde man - so Behle - gleich hellhörig und fragte nach, denn:
Für viele Unternehmen, z.B. im Automotive-Bereich, werden intelligente Leichtbaukonzepte bald von entscheidender Bedeutung für die Einhaltung künftiger CO2-Grenzwerte sein. Daher ist bei zukünftigen Einsatzgebieten für Kunststoff-Direktverschraubungen auch die Leichtbaueignung der verwendeten Verbindungselemente von entscheidender Bedeutung, da sich das Gewicht vieler Schrauben häufig signifikant summiert.

Und so kam es, dass man rasch in die Entwicklung einer Kunststoff-Version der Delta PT Schraube einstieg, welche laut Ejot schon seit vielen Jahren der Maßstab für die sichere und problemlose Direktverschraubung in Kunststoffe ist, und die neue Schraubenversion erfolgreich so für die Umsetzung in der Serienproduktion entwickelte, dass sie dieselben verbindunbgstechnischen Anforderungen erfüllt wie ihre Vorfahren aus Metall.
Für diese Leistungen und die damit verbundenen Anstrengungen erhielt Jürgen Behle, stellvertretend für das gesamte Entwicklungsteam bei Ejot, auch noch das klassische "Schweißtuch" nach getaner Arbeit.

Zufriedene Teilnehmer und Aussteller
Angesichts durch die Bank guter Stimmung unter den Teilnehmern welche fast alle bis zum späten Nachmittag vor Ort blieben, und zufriedener Aussteller, zog Werner Barlog ein positives Fazit der 15. Ausgabe seines Technologietages, der sich, wie es am Vortag beim "Abend der offenen Türen" berichtet wurde, im Laufe der Zeit von einer Service-Veranstaltung für Kunden kontinuierlich zu einer überregionalen Fachtagung mit Ausstellung entwickelt hat. Noch (viel) größer als jetzt solle der EKTT (der Name bleibt trotz Umzug) aber nicht werden, so Werner Barlog weiter, künftig wolle man nur noch "qualitativ wachsen". Das macht den Anspruch dieses Technologietages deutlich.