30.11.2010

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BASF + INEOS: JV für Styrolkunststoff-Aktivitäten namens Styrolution geplant - Absichtserklärung unterzeichnet

Die BASF SE, Ludwigshafen, Deutschland, und INEOS Industries Holdings Limited, Lyndhurst, Großbritannien, wollen ihre weltweiten Geschäftsaktivitäten in den Arbeitsgebieten Styrol-Monomere (SM), Polystyrol (PS), Acrylnitrilbutadienstyrol (ABS), Styrolbutadiencopolymere (SBC) und weitere Styrol-basierte Copolymere (SAN, AMSAN, ASA, MABS) sowie Copolymerblends in einem gemeinsamen Joint Venture mit dem Namen Styrolution zusammenführen. Eine entsprechende Absichtserklärung wurde am 29. November 2010 von den beiden Unternehmen unterzeichnet. Die Gründung des Joint Ventures steht noch unter dem Vorbehalt der Zustimmung der zuständigen Wettbewerbsbehörden.

BASF hatte vor kurzem angekündigt, ihre Styrolkunststoff-Aktivitäten bis Ende 2010 auszugliedern (Carve-out) und in separate Gesellschaften einzubringen. Die Ausgliederung soll wie geplant fortgeführt werden. Ab dem 1. Januar 2011 werden die BASF Styrolkunststoff-Aktivitäten als eigenständiges Unternehmen mit dem Namen Styrolution geführt. INEOS hatte ebenfalls kürzlich angekündigt, alle Anteile am 50/50 Styrenics Joint Venture INEOS NOVA von NOVA Chemicals zu übernehmen. Bei Gründung des Joint Ventures mit BASF wird INEOS diese Geschäfte in das neue Unternehmen Styrolution überführen.

Das Geschäft mit Polystyrol-Schäumen ist nicht Teil der Transaktion und verbleibt innerhalb der BASF bzw. bei INEOS. Das gilt auch für die zu ihrer Herstellung notwendigen SM- und PS-Kapazitäten der BASF in Ludwigshafen sowie die des SM- und PS-Geschäftes der BASF-YPC Co. Ltd. in Nanjing, China.

Styrolution wird eine weltweite Präsenz haben und soll seinen Kunden aus der Styrolkunststoff-Industrie entscheidende Vorteile durch verbesserte Effizienz, geringere Kosten und exzellenten Service bieten.

Umsatz von über 5 Milliarden € geplant
Auf Basis der Geschäftszahlen von 2010 will Styrolution einen jährlichen Umsatz von über 5 Milliarden € erzielen. Sitz des Unternehmens wird Frankfurt am Main, Deutschland, sein. Die Anteile am Joint Venture werden jeweils zu 50 % von BASF und INEOS gehalten. BASF wird nach Abschluss der Transaktion eine Ausgleichszahlung erhalten. Weitere finanzielle Einzelheiten werden nicht genannt.

Vorstandsvorsitzender von Styrolution wird Roberto Gualdoni (54), der 1987 seine Karriere bei der BASF begann. Seit April 2010 leitet Gualdoni den BASF-Unternehmensbereich Styrenics. Finanzvorstand wird Christoph de la Camp (47), der seine Karriere 1994 bei BP p.l.c. begann und seit 2005 für INEOS arbeitet. Er ist gegenwärtig Finanzvorstand des Styrolkunststoff-Unternehmens INEOS NOVA.

Dr. Martin Brudermüller, für das Kunststoffgeschäft zuständiger BASF-Vorstand sagte: "Die Gründung von Styrolution gemeinsam mit INEOS ist ein weiterer wichtiger Schritt in unserem aktiven Portfolio-Management. Styrolution soll der führende Anbieter für Styrolkunststoffe im globalen Markt werden. Das gilt besonders für Effizienz, Sicherheit, Kundenservice, Produktqualität und Wettbewerbsfähigkeit. Das neue Joint Venture mit einem international gut aufgestellten Partner wie INEOS ist deshalb die beste Option das Geschäft zu stärken. Beide Partner ergänzen einander mit Blick auf ihre Technologie, das Produktportfolio und die globale Aufstellung."

Jim Ratcliffe, Chairman INEOS Capital: "Das Joint Venture wird neue Möglichkeiten für Innovation und Wachstum und dadurch bedeutende Vorteile für unsere Kunden bieten. Mit Anlagen im Weltmaßstab werden wir ein dauerhaftes und wettbewerbsfähiges Geschäft sicherstellen, das in der Lage ist, die langfristigen Bedürfnisse eines sich schnell wandelnden Marktes zu erfüllen. Die heutige Ankündigung steht im Einklang mit unserer langfristigen Strategie für das Styrolkunststoff-Geschäft."

Weltweit hervorragende Position
BASF beabsichtigt ihr Geschäft mit SM, PS, ABS und SBC und das Styrol-basierte Copolymergeschäft an Standorten in Deutschland (Ludwigshafen, Schwarzheide), in Belgien (Antwerpen), in Korea (Ulsan), in Indien (Dahej) und in Mexiko (Altamira) in das Joint Venture einzubringen. Insgesamt beschäftigt BASF rund 1.460 Mitarbeiter in ihrem Styrolkunststoff-Geschäft und erwartet 2010 einen Umsatz von mehr als 3 Milliarden €.

INEOS beabsichtigt ABS-Produktionsanlagen in Deutschland (Köln), in Spanien (Tarragona), in Indien (Vadodara) sowie in Thailand (Map Ta Phut) in das Joint Venture einzubringen. Darüber hinaus wird INEOS auch sein Geschäft mit SM und PS einbringen. Dieses umfasst Standorte von INEOS und INEOS NOVA in Canada (Sarnia), den USA (Indian Orchard, Joliet, Decatur, Texas City, Bayport), in Deutschland (Marl), in Frankreich (Wingles) und in Schweden (Trelleborg). Insgesamt beschäftigt INEOS weltweit rund 2.200 Mitarbeiter in seinem Styrolkunststoff-Geschäft und erwartet 2010 einen Umsatz von rund 2 Milliarden €.

BASF und INEOS werden bis zum Abschluss der Transaktion, die noch der Zustimmung der zuständigen Kartellbehörden bedarf, weiterhin als eigenständige Unternehmen am Markt auftreten. Dieser wird im Laufe des Jahres 2011 erwartet.

Produktportfolio
Styrol (SM) ist ein farbloses flüssiges Zwischenprodukt, das sich leicht polymerisieren lässt.

Polystyrol (PS) ist ein thermoplastischer Kunststoff, er findet Verwendung in der Einwegverpackung, in der Büro- und Informationstechnik, in Küchen- und Großgeräten z.B. als Innenauskleidung von Kühlschränken.

SBS (Styrol-Butadien-Blockcopolymer) ist ebenfalls ein thermoplastischer Kunststoff, transparent und schlagzäh. Der Werkstoff ermöglicht optisch anspruchsvolle Anwendungen und wird meist für Lebensmittel- und Display-Verpackungen verwendet.

ABS (Acrylnitril-Butadien-Styrol) ist ein thermoplastischer Kunststoff. Eingesetzt wird er für optisch anspruchsvolle farbige Teile, die wärmebeständig und schlagfest sein müssen, wie Staubsauger und Elektrowerkzeuge. Weitere Anwendungen findet man im Automobilbau, in Mobiltelefongehäusen und im Sport- und Freizeitbereich.

Styrol-basierte Copolymere (SAN, AMSAN, ASA, MABS) und Copolymerblends (ABS/PA, ASA/PA, ASA/PC) sind thermoplastische Harze, die hauptsächlich für technische Anwendungen verarbeitet werden, beispielsweise in Autoteilen, Gartengeräten, Werkzeugen, Haushalts-, Elektro- und Kommunikationsgeräten sowie in Computern.