27.04.2012

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BASF: Solider Jahresauftakt - Plastics mit schwächerem Absatz und niedrigeren Margen

Die BASF hat zum Jahresauftakt solide Zahlen präsentiert. Der Umsatz des ersten Quartals 2012 übertraf die sehr guten Werte des Vorjahreszeitraums und stieg um 6 % auf 20,6 Milliarden Euro. Das Ergebnis der Betriebstätigkeit (EBIT) vor Sondereinflüssen nahm erwartungsgemäß ab und liegt mit 2,5 Milliarden Euro (minus 7 %) leicht unter dem Vorjahresquartal. "Gestiegene Rohstoffkosten konnten wir nicht in allen Arbeitsgebieten vollständig weitergeben, was unsere Margen belastete. Deutliche Ergebnissteigerungen erzielten wir im Segment Oil & Gas sowie bei Agricultural Solutions", sagte der BASF-Vorstandsvorsitzende Dr. Kurt Bock während der Hauptversammlung des Unternehmens im Congress Center Rosengarten in Mannheim.

Das EBIT wuchs im Vergleich zum Vorjahresquartal um 22 % auf 3,1 Milliarden Euro. Sondereinflüsse im EBIT ergaben sich insbesondere durch das Abgangsergebnis des Düngemittelgeschäfts in Höhe von 645 Millionen Euro. Das EBITDA erhöhte sich um 525 Millionen Euro auf 3,9 Milliarden Euro.

Das Finanzergebnis lag mit minus 73 Millionen Euro um 903 Millionen Euro unter dem Wert des Vorjahresquartals. Im Vorjahr war im Finanzergebnis ein positiver Sondereinfluss in Höhe von 887 Millionen Euro aus dem Verkauf der Anteile an der K+S Aktiengesellschaft enthalten.

Das Ergebnis vor Ertragsteuern sank im ersten Quartal 2012 um 333 Millionen Euro auf 3,0 Milliarden Euro. Die Steuerquote lag mit 39,6 % weit über dem Wert des ersten Quartals 2011. Gründe für diesen Anstieg waren der überwiegend steuerfreie Ertrag aus dem Verkauf der Anteile an der K+S Aktiengesellschaft im Vorjahr sowie der höhere Ergebnisbeitrag des Segments Oil & Gas im Jahr 2012.

Das Ergebnis nach Steuern und Anteilen anderer Gesellschafter sank um 687 Millionen Euro auf 1,7 Milliarden Euro. Das Ergebnis je Aktie betrug im ersten Quartal 2012 1,88 Euro nach 2,62 Euro im Vorjahreszeitraum. Das um Sondereinflüsse und Abschreibungen auf immaterielle Werte bereinigte Ergebnis je Aktie lag bei 1,57 Euro (Vorjahresquartal: 1,94 Euro).

Mit einem Cashflow aus betrieblicher Tätigkeit von knapp 1,6 Milliarden Euro konnte die Nettoverschuldung seit Jahresbeginn um 1,5 Milliarden Euro auf 9,4 Milliarden Euro weiter reduziert werden.

Die BASF-Aktie notierte Ende des ersten Quartals 2012 mit 65,59 Euro um 21,7 % über dem Schlusskurs des Jahres 2011. Mit dieser Performance entwickelte sich die BASF-Aktie besser als der deutsche Aktienindex DAX 30, der europäische Leitindex DJ EURO STOXX 50sowie die weltweiten Branchenindizes DJ Chemicals und MSCI World Chemicals.

Vorstand und Aufsichtsrat haben der Hauptversammlung vorgeschlagen, eine Dividende von 2,50 Euro je Aktie für das Geschäftsjahr 2011 auszuschütten. Bock: "Wir bleiben damit unserer anspruchsvollen Dividendenpolitik treu, die Dividende jedes Jahr zu erhöhen oder zumindest auf dem Niveau des jeweiligen Vorjahres zu halten."

Bock bedankte sich bei Dr. Stefan Marcinowski, der nach 15 erfolgreichen Jahren im BASF-Vorstand in den Ruhestand tritt. Vor 33 Jahren begann Marcinowski als Chemiker im Hauptlaboratorium der BASF, seine weitere Karriere umfasste unter anderem die Leitung der Öffentlichkeitsarbeit und eine dreijährige Auslandsstation in Brasilien. Neues Vorstandsmitglied ist mit Ablauf der Hauptversammlung Wayne T. Smith, dem Bock viel Erfolg wünschte.

Ausblick Gesamtjahr 2012
Nach einem schwächeren vierten Quartal 2011 hat sich das BASF-Geschäft im ersten Quartal 2012 belebt. Gestiegene Rohstoffkosten konnten allerdings nur teilweise weitergegeben werden. Das Unternehmen rechnet damit, dass sich das weltweite Wirtschaftswachstum im weiteren Verlauf des Jahres 2012 fortsetzen wird. Unsicherheiten auf den Finanzmärkten dämpfen allerdings die Wachstumsaussichten. Positive Impulse für die Chemieindustrie werden vor allem aus den Schwellenländern kommen. Die Erwartungen bezüglich der weltweiten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für 2012 sind unverändert:

• Wachstum des Bruttoinlandsprodukts: 2,7 %
• Wachstum der Industrieproduktion: 4,1 %
• Wachstum der Chemieproduktion: 4,1 %
• US-Dollar-Wechselkurs von durchschnittlich 1,30 US$ pro Euro
• Ölpreis von 110 US$/Barrel im Jahresdurchschnitt

Ohne Berücksichtigung von Akquisitionen und Devestitionen will die BASF den Absatz steigern. Bock: "Wir streben an, bei Umsatz und Ergebnis der Betriebstätigkeit die Spitzenwerte des Jahres 2011 zu übertreffen. Unsere Prognose wird dabei vor allem durch die Wiederaufnahme unserer Erdölproduktion in Libyen sowie durch steigende Mengen im Chemiegeschäft gestützt. Im ersten Halbjahr 2012 werden wir voraussichtlich die außerordentlich guten Werte des Vorjahreszeitraums nicht erreichen." Für die zweite Hälfte des Jahres erwartet die BASF dagegen eine Steigerung von Umsatz und Ergebnis verglichen mit dem zweiten Halbjahr 2011. Das Unternehmen will auch 2012 eine hohe Prämie auf die Kapitalkosten verdienen.

Umsatzanstieg in nahezu allen Segmenten
Im Segment Chemicals stieg der Umsatz an. Maßgeblich hierfür waren positive Währungseffekte und der Umsatz mit Gesellschaften der Styrolution-Gruppe. Der Absatz sank infolge der im dritten Quartal 2011 vorgenommenen Optimierung der Lieferkette bei Crackerprodukten. Auf vergleichbarer Basis stiegen die Mengen leicht. Das Ergebnis verfehlte den sehr guten Wert des Vorjahresquartals auf Grund rohstoffkostenbedingt rückläufiger Margen deutlich.

Bei Plastics verringerte sich der Umsatz im Vergleich zum ersten Quartal 2011 leicht. Höhere Preise und Währungseffekte trugen positiv zur Umsatzentwicklung bei; der Absatz war schwächer. Niedrigere Margen führten zu einem signifikanten Ergebnisrückgang. Bei Polyurethanes belastete außerdem die planmäßige Revision der MDI- und TDI-Anlagen in Geismar/Louisiana das Ergebnis.

Der Umsatz im Segment Performance Products lag auf dem Niveau des sehr guten Vorjahresquartals. Die Nachfrage nahm leicht ab. Höhere Verkaufspreise und positive Währungseffekte konnten den Mengenrückgang ausgleichen. Stark gestiegene Rohstoffkosten belasteten die Margen; infolgedessen sank das Ergebnis.

Bei Functional Solutions wurde der Umsatz infolge einer höheren Nachfrage aus der Automobil- und Bauindustrie leicht gesteigert. Der Umsatzbeitrag des Edelmetallhandels war rückläufig. Neben Portfoliomaßnahmen trugen Währungseffekte positiv zur Umsatzentwicklung bei. Das Ergebnis stieg vor allem dank des Beitrags von Catalysts.

Im Segment Agricultural Solutions verlief der Start in das Jahr 2012 sehr erfolgreich. Für das Umsatzwachstum waren insbesondere gestiegene Absatzmengen und Verkaufspreise maßgeblich. Auch Währungseffekte wirkten sich positiv auf den Umsatz aus. Das Ergebnis stieg deutlich.

Gestiegene Produktions- und Absatzmengen sowie höhere Rohölnotierungen und Gaspreise führten zu einem signifikant verbesserten Umsatz im Segment Oil & Gas. Die Mengen im Erdgashandel nahmen vor allem witterungsbedingt zu. Nach dem Produktionsstopp in Libyen von Februar bis Oktober des Vorjahres konnte die BASF dort im ersten Quartal 2012 durchgängig Erdöl fördern. Das Ergebnis übertraf den Wert des Vorjahreszeitraums deutlich.

Sonstige verzeichnete einen Umsatzrückgang. Grund hierfür war im Wesentlichen die Devestition des Styrolkunststoffgeschäfts, das zum 1. Oktober 2011 in das Joint Venture Styrolution eingebracht wurde. Dadurch sowie durch höhere Belastungen aus dem Long-Term-Incentive-Programm lag auch das Ergebnis von Sonstige unter dem Wert des Vorjahresquartals.

Umsatz- und Ergebnisanstieg in Europa
In Europa lag der Umsatz preis- und mengenbedingt um 12 % über dem Wert des Vorjahreszeitraums. Das Segment Oil & Gas verzeichnete auf Grund gestiegener Produktions- und Absatzmengen sowie höherer Rohölnotierungen und Gaspreise einen deutlichen Umsatzanstieg. Bei Agricultural Solutions verlief der Start in die Saison positiv. Das EBIT vor Sondereinflüssen stieg um 32 Millionen Euro auf 1,9 Milliarden Euro. Hauptgrund hierfür war das gegenüber dem ersten Quartal 2011 deutlich verbesserte Ergebnis bei Oil & Gas.

Der Umsatz in Nordamerika sank in US-Dollar um 4 % und bewegte sich in Euro auf dem Niveau des Vorjahresquartals. Die Mengen gingen infolge der im dritten Quartal 2011 vorgenommenen Optimierung der Lieferkette bei Crackerprodukten zurück. Höhere Verkaufspreise und positive Währungseffekte glichen den Absatz­rückgang aus. Einen signifikanten Umsatzanstieg verzeichnete das Segment Performance Products. Das Ergebnis lag mit 370 Millionen Euro um 23 Millionen Euro unter dem des Vorjahreszeitraums. Gründe hierfür waren die infolge geringerer Margen und der planmäßigen Großabstellung in Geismar/Louisiana niedrigeren Ergebnisbeiträge der Segmente Chemicals und Plastics.

Der Umsatz in Asien-Pazifik sank in lokaler Währung um 8 % und in Euro um 3 %. Neben niedrigeren Verkaufspreisen, insbesondere im Segment Chemicals, war die Einbringung der Styrolkunststoffaktivitäten in das Joint Venture Styrolution für diese Entwicklung maßgeblich. Der vor allem bei Plastics gesunkene Absatz trug ebenfalls zum Umsatzrückgang bei. Währungseffekte wirkten sich dagegen positiv auf den Umsatz aus. Insbesondere auf Grund schwächerer Margen bei Grundprodukten verringerte sich das Ergebnis um 197 Millionen Euro auf 219 Millionen Euro.

In Südamerika, Afrika, Naher Osten übertraf der Umsatz den Wert des Vorjahresquartals sowohl in lokaler Währung als auch in Euro um 4 %. Das Geschäft mit Pflanzenschutzmitteln verlief sehr erfolgreich. Auch bei Oil & Gas stieg der Umsatz dank höherer Verkaufspreise deutlich. Das Ergebnis sank vor allem auf Grund des geringeren Beitrags des Segments Functional Solutions um 12 Millionen Euro auf 79 Millionen Euro.