26.10.2012

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BASF + TenCate: Strategische Allianz zu thermoplastischen Verbundwerkstoffen für den Automobilbau vereinbart

TenCate Advanced Composites (NL) und BASF sind eine strategische Allianz eingegangen und wollen gemeinsam thermoplastische Verbundwerkstoffe (engl. composites) für die automobile Großserienproduktion entwickeln, produzieren und vermarkten, heißt es in einer gemeinsamen Pressemitteilung der beiden Unternehmen.

Hohes Marktpotenzial für endlosfaserverstärkte Thermoplaste
Ziel dieser Partnerschaft sei es, den Fahrzeugherstellern maßgeschneiderte Lösungen aus Hochleistungsfaserverbundstrukturen zur Verfügung zu stellen, die es gestatten, das Fahrzeuggewicht und die Kohlendioxid-Emissionen weiter zu reduzieren. Die Nachfrage der Automobilindustrie nach Verbundwerkstoffen für die Großserienfertigung wachse und fordere die zügige Entwicklung von Materialien und Verarbeitungsverfahren.

TenCate Advanced Composites hat den Angaben zufolge eine führende Marktposition bei der Herstellung von endlosfaserverstärkten thermoplastischen Verbundwerkstoffen (TenCate Cetex®), speziell für Flugzeugtragwerk und -Innenraum inne. Hauptanwendungen finden diese Materialien demnach zurzeit in neuen Flugzeugtypen wie Airbus A380, A350 und Boeing 787.

Die BASF verfügt als weltweit führendes Chemieunternehmen über ein umfassendes Netzwerk in der Automobilindustrie. Durch die Bündelung der Kompetenzen beider Unternehmen bei Faserverbundwerkstofflösungen für den Fahrzeugbau sollen die notwendigen Entwicklungen beschleunigt werden.

Strategische Allianz
Dabei will die BASF ihr umfassendes Know-how in der Herstellung und Veredelung (Formulierung) von thermoplastischen Kunststoffen in die strategische Allianz einbringen und entwickelt spezielle Varianten ihres Ultramid®- (PA), Ultradur®- (PBT) und Ultrason®- (PESU) Sortiments. TenCate Advanced Composites trägt mit seiner Expertise in der Herstellung der Faserverbundwerkstoffe zur Allianz bei. Vereint wollen sich beide Unternehmen den auf diesen Kunststoffspezialitäten basierenden Faserverbundwerkstoffen und Halbzeugen für den Automobilbau (UD-Tapes, Prepregs und Laminate) widmen.

Ziel: "Zügige Verfügbarkeit neuer Materialien für die automobile Großserie"
"Der nächste große Sprung im automobilen Leichtbau ist ohne drastische Reduktion der Herstellkosten nicht zu machen. Dieser Sprung wird durch thermoplastische, endlosfaserverstärkte Verbundwerkstoffe möglich. Noch ist diesen Materialien der Durchbruch in die Großserie nicht gelungen. Gemeinsam mit TenCate wollen wir den Durchbruch schaffen”, erläutert Melanie Maas-Brunner, neue Leiterin der Geschäftseinheit Engineering Plastics Europe der BASF und Nachfolgerin von Willy Hoven-Nievelstein.

"TenCate Cetex® Laminate und Prepregs werden bereits seit langem in kommerziellen Flugzeugkonstruktionen eingesetzt und finden inzwischen auch Anwendung in industriellen Herstellprozessen. Nun will TenCate seine Aktivitäten auf die Automobilindustrie ausdehnen. Gemeinsam bemühen wir uns, die neuen Materialien zügig für die Automobil-Großserie verfügbar zu machen", sagt Frank Meurs, Group Director von TenCate Advanced Composites EMEA.

Vorteile thermoplastischer Verbundwerkstoffe
Gegenüber Metallbauteilen sind Kunststoff-Faserverbundbauteile 30 bis 50 Prozent leichter. Speziell thermoplastische Verbundmaterialien helfen den Automobilherstellern, den Kraftstoffverbrauch der Fahrzeuge zu senken und ermöglichen der Industrie Kosten zu sparen. Durch die leichte thermoplastische Verarbeitbarkeit werden diese hochentwickelten Materialien dazu beitragen, die Produktionszeiten deutlich zu reduzieren: Sie sind unbegrenzt lagerfähig und lassen sich rezyklieren, so dass Massenfertigung möglich wird. In den letzten Jahrzehnten ist viel Expertise beim Verschweißen von Compositen zu komplexen Strukturbauteilen und Komponenten sowie deren Integration in Multimaterial-Fertigteile aufgebaut worden. Zielanwendungen sind Semi-Strukturbauteile sowie Primärstrukturen in Karosserie und Chassis.

Thermoplastische Laminate mit Endlosfaserverstärkung sind mit Kunststoff getränkte und zu Laminaten verarbeitete Gewebe oder Gelege, die besonders leicht sind und zusätzlich hohe Leistungsfähigkeit zeigen müssen. UD-Tapes (UD: unidirektional) sind eine andere Produktklasse, die sich der anisotropen Natur von unidirektional orientierten imprägnierten Fasern bedient. In einem zweiten Schritt können diese Halbzeuge zu komplexeren Bauteilen umgeformt und dann im Spritzgießprozess umspritzt werden: So lässt sich im Endbauteil eine möglichst hohe Funktionsintegration kosteneffizient erreichen.