18.03.2011

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Balda: Operative Verluste bei hohem Vorsteuergewinn 2010

Die im SDAX der Frankfurter Wertpapierbörse notierte Balda AG erwirtschaftete im Geschäftsjahr 2010 in den fortgeführten Geschäftsbereichen Umsatzerlöse in Höhe von 141,4 Millionen Euro. Damit liegt das Umsatzvolumen über dem Niveau des Vorjahres von 134,1 Millionen Euro, teilt das Unternehmen mit und erläutert nachfolgende Details.

Sondereinflüsse von 28,6 Millionen Euro belasten das operative Ergebnis
Die Balda-Unternehmensgruppe erzielte im Berichtszeitraum ein Ergebnis vor Sondereinflüssen von minus 8,7 Millionen Euro (Vorjahr: plus 4,5 Millionen Euro). Besonders die unter Plan ausgefallenen Umsatzerlöse, der deutlich gestiegene Materialaufwand sowie Restrukturierungsaufwendungen beeinflussten das Ergebnis vor Sondereinflüssen negativ. Margenschwächere Aussichten führten in den Segmenten MobileCom und Electronic Products im Rahmen von Werthaltigkeitstests zu Abwertungen von Sachanlagen und von Geschäfts- oder Firmenwerten (goodwill) in Höhe von 28,6 Millionen Euro.

Das operative Ergebnis (EBIT) beträgt somit minus 37,4 Millionen Euro.

TPK: Ergebniseffekt von 124,6 Millionen Euro
Nach dem Börsengang am 29. Oktober 2010 hält Balda nun noch 16,1 Prozent der Anteile am Touchscreen-Hersteller TPK. Nach dem Börsengang wird die bis zu diesem Zeitpunkt zu Buchwerten nach der "at equity-Methode" bilanzierte Beteiligung an TPK als Finanzinstrument zu Marktwerten erfasst. Aus dieser Umbewertung der TPK-Anteile entstand 2010 ein einmaliger Ergebniseffekt in Höhe von 124,6 Millionen Euro.

Das Bad Oeynhausener Unternehmen verzeichnete im Geschäftsjahr 2010 im Gesamtkonzern in den fortgeführten Geschäftsbereichen mit 93,3 Millionen Euro ein deutlich positives Vorsteuerergebnis (EBT). Im Vorjahr verbuchte der Konzern ein Plus von 47,3 Millionen Euro.

Der Gesamtkonzern (fortgeführte- und aufgegebene Bereiche) verbuchte beim Jahresergebnis einen Überschuss in Höhe von 94,4 Millionen Euro. Im Vorjahr erreichte der Überschuss im Gesamtkonzern 48,9 Millionen Euro.

Das Ergebnis je Aktie belief sich zum 31. Dezember 2010 bei einem dividendenberechtigten Aktienbestand von 58.890.636 Aktien auf 1,606 Euro (Vorjahr: 0,90 Euro).

Der Finanzmittelbestand hat sich zum Jahresschluss 2010 um 4,7 Millionen Euro gegenüber der Vorjahresperiode auf 48,9 Millionen Euro verbessert. Der negative Cash-Flow aus laufender Geschäftstätigkeit konnte durch positive Cash-Flows aus Investitions- und Finanzierungstätigkeit kompensiert werden.

Die Bilanzsumme des Balda-Konzerns nahm zum 31. Dezember 2010 auf 810,5 Millionen Euro gegenüber dem Referenzwert vom 31. Dezember 2009 mit 249,3 Millionen Euro um 561,2 Millionen Euro zu. Das Bilanzbild des Balda-Konzerns ist zum Abschluss des Geschäftsjahres 2010 sehr stark durch die Umbewertung der Beteiligung an dem Touchscreen-Hersteller TPK geprägt.

Solide Finanzausstattung
Die Eigenkapitalausstattung nahm deutlich auf 749,7 Millionen Euro (31.Dezember 2009: 159,2 Millionen Euro) zu. Die Eigenkapitalquote im Konzern stieg im Berichtszeitraum aufgrund des hohen Jahresüberschusses und der Umbewertung der TPK-Anteile auf 92,5 Prozent nach 63,9 Prozent zum Jahresende 2009.

2010 ein Jahr der Neuausrichtung und Diversifizierung
Balda setzte im Geschäftsjahr 2010 die Neuausrichtung des Konzerns konsequent fort. Die Neuordnung des Segments MobileCom wird ihren Abschluss im Laufe des ersten Halbjahres 2011 finden. Es konnte die Erwartungen weder bei den Umsatzerlösen noch im Ergebnis erfüllen. Der Wettbewerb im Segment verschärft sich bei nach wie vor anhaltendem Preisdruck.

Die Balda-Unternehmensgruppe hat sich im Berichtszeitraum vor allem auf die Diversifizierung der Kernkompetenzen konzentriert. Insbesondere das Segment Electronic Products hat die strategische Ausrichtung mit der Entwicklung und Produktion innovativer Produkte für die Märkte der Kommunikations- und Unterhaltungselektronik für neue Kunden sowie für bestehende Kunden erfolgreich umgesetzt. Das in Malaysia ansässige Unternehmen hat die Umsatzerlöse gegenüber dem Vorjahr mehr als verdoppelt. Die Ergebnissituation konnte jedoch nicht mit der Entwicklung der Erlöse Schritt halten. Höhere Anlauf- und Materialkosten neuer Produkte drückten stärker als erwartet auf die Margen.

Das Segment Balda Medical hat im Geschäftsjahr 2010 die Strategie der Diversifizierung in neue Produkte für neue Kunden mit Erfolg realisiert. Das Geschäftsfeld hat sich bei erwarteten rückläufigen Umsätzen planmäßig entwickelt. Die Ergebnissituation ist positiv. Das Unternehmen hat erhebliche Vorleistungen für neue Projekte erbracht, die im Laufe des Geschäftsjahres 2011 umsatzwirksam werden.

Ausblick 2011
Die Unternehmensführung des Balda-Konzerns kann für das Geschäftsjahr 2011 keine bezifferte Prognose, sondern aufgrund der unsicheren Auftragsabrufe im MobileCom Segment nur Trendaussagen abgeben.

Die Balda-Unternehmensgruppe rechnet im Geschäftsjahr 2011 auf der Basis des bestehenden Geschäfts mit den drei produktiv tätigen Segmenten MobileCom, Electronic Products und Medical mit einem Umsatzvolumen auf Vorjahresniveau und einem leicht positiven operativen Ergebnis.

Der Vorstand will das operative Geschäft im Segment MobileCom mit seinen zur Verfügung stehenden Mitteln unterstützen. Das Segment muss jedoch bis spätestens zur Jahresmitte die definierte Performance und Perspektive erreichen. Danach wird der Vorstand die Bestandschancen des operativen Geschäfts in Peking abschließend evaluieren. Wenn ein konkreter Turnaround bis zum Halbjahresschluss 2011 nicht absehbar ist, wird der Vorstand eine weiter gehende Entscheidung treffen.

Das im Geschäftsjahr 2010 noch defizitäre Geschäft des Segments Electronic Products hat nach der Umsatzverdoppelung reelle Chancen, 2011 die Gewinnzone im operativen Geschäft zu erreichen. Neue Produkte und im laufenden Geschäftsjahr eintretende Skaleneffekte sprechen für eine positive Prognose 2011.

Das Segment Medical wird 2011 bei Umsatz und Ergebnis deutlich zweistellig wachsen.

Strategisches Wachstum Medical und Dividendenausschüttung
Unabhängig von der vorgenannten Prognose verfolgt die Balda-Unternehmensgruppe weiterhin gezielt strategisches Wachstum rund um das Segment Medical. Eine anvisierte Akquisition soll das Segment und den Balda-Konzern stärken. Hierzu soll bis Mitte des Jahres eine abschließende Entscheidung getroffen werden.

Die Balda AG trifft derzeit alle Vorkehrungen, um im Blick auf einen etwaigen Verkauf von Aktien aus der Beteiligung an TPK für eine Dividende ausschüttungsfähig zu sein. Als erster Schritt wurden bereits im vorliegenden Jahresabschluss die bestehenden Verlustvorträge der Balda AG durch eine entsprechende Auflösung der Kapitalrücklage ausgeglichen.

Über Balda
Der Balda-Konzern entwickelt und produziert komplette Baugruppen aus Kunststoff, Elektronikprodukte und Produkte für die Medizintechnik. Die Kunden von Balda sind Unternehmen aus den Märkten Mobilfunk, Unterhaltungs- und Kommunikationselektronik sowie Pharma- und Medizintechnik. Mit Produktionsstandorten in China, Malaysia und Deutschland ist der Konzern international positioniert. Ein Tochterunternehmen in den USA betreut nordamerikanische Kunden bei Produkt-Design und -entwicklung. Im Rahmen einer Beteiligung an einem führenden Produzenten von Touchscreens in China partizipiert Balda an der dynamischen Marktentwicklung berührungsempfindlicher Displays.