23.04.2012

www.plasticker.de

Bayer MaterialScience: Polyolherstellung mit Kohlendioxid - Vielversprechende Einsatzmöglichkeiten in Weichschäumen

Polyetherpolyole werden bisher vorwiegend aus Erdölderivaten hergestellt. In Zusammenarbeit mit Partnern aus Wirtschaft und Wissenschaft hat Bayer MaterialScience ein Verfahren entwickelt, um Kohlendioxid für die Synthese zu nutzen und in das Polymer-Rückgrat einzubauen. Dabei entstehen Polyether-Polycarbonat-Polyole, die das Unternehmen jetzt für die Anwendung in Weichschaumprodukten wie zum Beispiel Matratzen weiterentwickelt hat. Auf diese Weise kann das im Überfluss vorhandene Treibhausgas als Rohstoff genutzt werden. Damit eröffnen sich Perspektiven zur Schonung der knappen Erdölressourcen.

"Die bisherigen Ergebnisse für den Einsatz in Blockweichschaum sind vielversprechend", sagt Dr. Hans-Georg Pirkl, Experte für Polyurethan-Weichschaum bei Bayer MaterialScience. "Die von uns untersuchten Schäume erreichen das hohe Niveau konventioneller Typen." Die Viskosität der Polyole sei etwas höher als bei Standardprodukten; eine Verarbeitung auf existierenden Schäumanlagen sei möglich.

Die Polyole mit Kohlenstoff aus CO2 als Synthesebaustein werden in einer Pilotanlage hergestellt, die Bayer MaterialScience seit Anfang 2011 im Chempark Leverkusen betreibt. Das Kohlendioxid stammt aus einem Kraftwerk des Projektpartners RWE. Weitere Partner sind die RWTH Aachen University und das gemeinsam von der Hochschule und Bayer betriebene Katalyseforschungszentrum CAT Catalytic Center. "Diese Kooperation hat uns sehr geholfen, den ursprünglich bei Bayer entwickelten Katalysator zu optimieren. Damit können wir jetzt das chemisch träge Kohlendioxidmolekül zur Reaktion befähigen", erläutert Dr. Christoph Gürtler, Leiter mehrerer Projekte zur nachhaltigen Nutzung von Kohlendioxid. "Bei anhaltend positivem Verlauf könnten wir ab 2015 erste CO2-basierte Typen auf den Markt bringen. Außerdem arbeiten wir bereits an Entwicklungen für weitere Polyurethan-Produkte."

Forscher an der RWTH Aachen University untersuchen das neue Verfahren derzeit in einer Ökoeffizienzanalyse darauf, ob am Ende wirklich CO2 eingespart wird. Erste Ergebnisse sind vielversprechend und dürften diese Hypothese erhärten, heißt es abschließend.