18.10.2010

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Bayer MaterialScience: Verstärkte Nachfrage nach Polyurethan-Hartschaum zur Gebäudedämmung

Wegen des Klimawandels und steigender Energiekosten verschärfen viele Länder ihre Vorschriften zur Energieeinsparung bei Gebäuden. Zum Beispiel dürfen Neubauten ab 2021 nach der überarbeiteten EU-Richtlinie zur Verbesserung der Energieeffizienz von Gebäuden nur noch als "Fast-Null-Energie-Häuser" errichtet werden. Bayer MaterialScience beobachtet daher aktuell in immer mehr Ländern eine stark steigende Nachfrage nach Polyurethan (PUR)-Hartschaum für die Wärmedämmung. Hintergrund ist, dass dieser verglichen mit expandiertem Polystyrol und Mineralwolle - den beiden anderen gängigsten Wärmedämmwerkstoffen - schon bei viel geringeren Materialdicken die erforderliche hohe Dämmleistung zeigt. "Bayer MaterialScience reagiert auf die wachsende Nachfrage mit maßgeschneiderten PUR-Rohstoffen und -Systemen, mit optimierten Verfahrenstechniken zur Herstellung von PUR-Dämmstoffen und im Rahmen unseres EcoCommercial Building Program mit integrierten Energie- und Materialkonzepten für Gebäude", erklärt Frank Grunert, Marketingleiter für die Regionen EMEA und LATAM im Bereich Polyurethane bei Bayer MaterialScience.

Gebäude sind heute für rund 30 Prozent der globalen Treibhausgasemissionen und über 40 Prozent des globalen Energieverbrauchs verantwortlich. Über Dach, Fassade und Keller gehen bei einem ungedämmten Haus rund 70 Prozent der Heizenergie verloren. Die Fenster steuern weitere 15 Prozent bei. Was eine leistungsfähige Wärmedämmung zu leisten vermag, verdeutlichen folgende Zahlen: Ein ungedämmtes Gebäude aus dem Jahr 1960 verbraucht jährlich pro 100 Quadratmeter Wohnfläche rund 3.700 Liter Heizöl und emittiert etwa 9.100 Kilogramm CO2. Der entsprechende Heizölbedarf eines nach neuer Energieeinsparverordnung gedämmten Hauses liegt dagegen unter 350 Litern und der CO2-Ausstoß nur noch bei etwa 800 Kilogramm.

Wohnflächengewinn durch PUR-Wärmedämmung
PUR-Dämmstoffe erreichen dank ihrer deutlich niedrigeren Wärmeleitfähigkeit im Vergleich zu konventionellen Dämmstoffen eine Wärmeleitfähigkeitsstufe (WLS) von nur 024 bis 026. Sie bieten teilweise einen mehr als doppelt so guten Wärmeschutz. Dadurch kann mit ihnen eine bis zu 40 Prozent geringere Dicke der Dämmschicht umgesetzt werden. Bei vorgegebenen Außenmaßen eines Neubaus fällt daher die verfügbare Innenraumfläche größer aus als bei einer Dämmung mit Mineralwolle oder Polystyrol-Hartschaum. Um zum Beispiel die Dämmleistung einer 21 Zentimeter dicken PUR-Dämmung mit WLS 026 zu erreichen, muss eine Mineralwolle-Dämmung (WLS 040) 32 Zentimeter dick sein. Bei vorgegebener Dicke des Mauerwerks und Grenze der Außenwand wäre eine entsprechend PUR-gedämmte Wand daher 11 Zentimeter dünner und die Innenraumfläche deutlich größer. "Gerade in Großstädten mit hohen Quadratmeterpreisen führt der Wohnflächengewinn durch eine PUR-Dämmung zu einer Wertsteigerung, die die Mehrkosten für die bessere PUR-Dämmung direkt kompensiert", so Dr. Lutz Brassat, technischer Experte für Polyurethan-Rohstoffe für Dämmplatten und Blockschaum.

Bei einem Altbau kann eine Wärmedämmung mit PUR-Hartschaum mehr als 50 Prozent Energie einsparen. Sogar ein Niedrigenergiehaus- oder Passivhausstandard ist laut Bayer umsetzbar. Außerdem lassen sich Zusatzkosten einsparen, weil wegen der geringen Dämmdicken zum Beispiel Fensterbänke dünner auslegbar sind und bei einer Dachdämmung meist keine Dachverlängerung notwendig ist. Die "schlanke" PUR-Dämmung verändert den architektonischen Charakter des Altbaus so gut wie nicht.

PIR-Metallverbundelemente - jetzt auch mit B-s1, d0-Klassifizierung
Ein Beispiel für die Innovationskompetenz von BaySystems bei PUR-Dämmstoffen sind laut Bayer die neuen, maßgeschneiderten Polyisocyanurat (PIR)-Schaumsysteme. BaySystems® ist die weltweite Dachmarke für das PUR-Systemgeschäft von Bayer MaterialScience. Sie zeigen eine stark verbesserte Brandwidrigkeit und entwickeln deutlich weniger Rauchgase als etablierte PIR-Systeme. Daraus gefertigte Metallverbundelemente erreichen im so genannten Single-Burning-Item-Test (SBI-Test, DIN EN 13823) bei angepasster Fugenkonstruktion sogar eine B-s1, d0-Klassifizierung mit der Klasse s1 für die geringste Rauchentwicklung. "d0" bedeutet, dass kein brennendes Material abtropft. "Dadurch bieten sich diese Elemente als Alternative zu anorganischen Kernmaterialien auf Basis von Mineralwolle an, die bisher bevorzugt zum Einsatz kamen, wenn bei Bauprojekten die Anforderungen der Rauchklasse s1 erfüllt werden mussten", erklärt Dr. Rolf Roers, Spezialist für PUR-Metallverbundelemente bei Bayer MaterialScience. Mit PIR-Verbundelementen werden vor allem Industriegebäude wie Lager-, Fertigungshallen und Kühlhäuser errichtet.

Neues Konzept für Fensterprofile - Wärmeverluste halbiert
PUR-Systeme von BaySystems spielen eine wichtige Rolle bei der Entwicklung von Top Therm 90. Dieses integrale Konzept für schlanke, hoch dämmende Fensterprofile und Fassaden betrachtet Fenster und Rahmen wärmetechnisch und statisch als Einheit. Die Warm- und Kaltseiten der nur 90 Millimeter tiefen Rahmenprofile bestehen aus einer dünnen, wetterfesten Hülle aus dem Polyurethan-Gießsystem Baydur® und sind mittels einer durchgängigen Dämmung aus dem PUR-Isolierschaum Baytherm® weitestgehend voneinander entkoppelt. Dieser Aufbau soll die Wärmeverluste gegenüber dem Stand der Technik um etwa die Hälfte reduzieren. Der Uf-Wert - die Wärmemenge, die pro Stunde durch einen Quadratmeter Rahmenfläche tritt - liege bei nur 0,8 W/m2•K. Dadurch lassen sich passivhaustaugliche Anforderungen bei gleichzeitiger schmaler Ansichtsbreite erfüllen. Top Therm 90 wurde von einem Konsortium aus Industriepartnern und wissenschaftlichen Instituten erarbeitet.

PUR-Sprühschäume - Wärmedämmung und zugleich Luft- und Dampfsperre
Neben PUR-Materialien für vorgefertigte Dämmelemente bietet BaySystems auch PUR-Sprühschaumsysteme für eine "Vor-Ort-Applikation". Diese bilden etwa bei der Dämmung von Gebäuden in Holzständerbauweise gleichzeitig eine durchgängige Luftsperre, die Wärmeverluste durch das Entweichen erwärmter oder klimatisierter Luft über Undichtigkeiten verhindert. Auf diese Weise lasse sich der Energieverbrauch von Heizungs-, Ventilations- und Klimaanlagen deutlich verringern. Ein weiteres Anwendungsfeld sind Industrie- und Flachdächer. Die PUR-Sprühsysteme können auf bereits bestehende Flachdächer zur Verbesserung der Wärmedämmung und Abdichtung aufgebracht werden, so dass keine kostspieligen Abrissarbeiten an den Altdächern anfallen und somit auch keine Entsorgung auf einer Deponie erforderlich ist. Die Installationskosten werden laut Bayer in der Regel durch die Energieeinsparung infolge der verbesserten Dämmung ausgeglichen. In den USA hat Bayer MaterialScience die Energiesparlösung des Bayer High Performance Residential Program eingeführt. Das Programm hilft Bauherren, indem für das jeweilige Gebäude zum Beispiel Energieverbrauchsanalysen durchgeführt werden, um die Wärmedämmung passend auszulegen und dann den Betrieb der Heizungs-Klimatisierungsanlage richtig zu dimensionieren.

EcoCommercial Building Program - für Entscheidungsträger der Bauindustrie
Die exzellente Wärmedämmleistung von PUR-Hartschaum ist auch zentraler Bestandteil des EcoCommercial Building Program von Bayer MaterialScience. Dahinter verbirgt sich ein Geschäftsmodell, das Entscheidungsträgern der Bauindustrie energieoptimierte und nachhaltige Gebäudelösungen sowie maßgeschneiderte Produkte für Neubauprojekte anbietet. Diese werden mit ausgesuchten Entwicklungspartnern erarbeitet und reichen von integrierten Energie- und Materialkonzepten bis hin zu Nullemissionsgebäuden. Das Programm zielt unter anderem auf öffentliche Gebäude wie Kindergärten, Schulen und Hochschulen sowie auf Bürogebäude. Zum Beispiel wurde nach dem EcoCommercial-Building-Ansatz die betriebliche Kindertagesstätte Monheim von Bayer CropScience errichtet. Ihr Betrieb soll dank einer optimalen Wärmedämmung mit Polyurethan emissionsfrei möglich sein.