06.09.2011

Universität Trier

Bei der Kooperationsbereitschaft ticken Männer und Frauen unterschiedlich

Ob ein Mensch ein kollegialer und kooperativer Typ ist, wird von seinen Genen beeinflusst. Das haben Wissenschaftler der Universität Trier bei einer neuen Studie herausgefunden. Dabei sind sie auf eine weitere überraschende Entdeckung gestoßen: Eine Variante des gleichen Gens steuert das Verhalten von Männern und Frauen gegensätzlich.

Frauen sind demnach eher bereit, einen Beitrag zur Gemeinschaft zu leisten, wenn sie eine weniger aktive Variante des MAOA-Gens aufweisen. Bei Männern ist es genau umgekehrt. Die Forscher folgern daraus: Evolutionäre Mechanismen sind für diese Entwicklung verantwortlich. Über die Hintergründe lässt sich jedoch nur spekulieren. Die Studie wurde in einer Zusammenarbeit von Wissenschaftlern des Instituts für Arbeitsrecht und Arbeitsbeziehungen in der Europäischen Gemeinschaft (IAAEG) sowie der Abteilung für Verhaltensgenetik an der Universität Trier durchgeführt.

In der vom Forschungsfonds der Universität Trier geförderten Studie haben Studierende um echtes Geld gespielt. Einen Teil davon konnten sie in einen Gemeinschaftstopf „investieren“. Die Forscher um Vanessa Mertins und Jobst Meyer berichten in dem Online-Fachmagazin PLoS ONE, dass sich Männer und Frauen in Bezug auf ihre Bereitschaft zur Kooperation in Abhängigkeit von einer Variante des Monoaminoxidase A-Gens (MAOA) unterscheiden. MAOA ist auf dem X-Chromosom lokalisiert und wurde in früheren Studien mit aggressivem Verhalten in Zusammenhang gebracht: Männer und Mäuse, denen dieses Gen fehlt, sind überaus gewalttätig.

Männer mit einer weniger aktiven Variante des Gens zeigen gegenüber ihren Mitspielern starke Skepsis und wenig Kooperationsbereitschaft. Ein aktives MAOA stärkt hingegen die eigene Kooperationsbereitschaft wie auch das Vertrauen in die Mitspieler. Bei Frauen war das Verhalten gegensätzlich: Frauen mit der weniger aktiven Variante des MAOA-Gens verhalten sich kooperativer und optimistischer in der Einschätzung ihrer Mitspieler. Die Forscher schließen daraus, dass evolutionäre Mechanismen das geschlechtsspezifische Verhalten mit Blick auf die Bereitschaft, etwas für die Gemeinschaft beizutragen, geschärft haben. Auch zukünftig will das interdisziplinäre Forscherteam das Zusammenspiel von (Verhaltens-)Ökonomie und (Verhaltens-)Genetik im Rahmen weiterer gemeinsamer Arbeiten untersuchen.

Die Veröffentlichung im Online-Fachmagazin PLoS ONE ist im Internet abrufbar unter: www.plosone.org.

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