13.04.2012

Johann Heinrich von Thünen-Institut, Bundesforschungsinstitut für Ländliche Räume, Wald und Fischerei

Biodiesel motorentauglicher gemacht

Symposium zur Automobiltechnik in Braunschweig / Nachwuchsforscher setzen neue Impulse

Fachleute kennen das Problem: Würden Autofahrer künftig Dieselkraftstoff mit deutlich höherem Biodiesel-Anteil tanken, könnte in manchen Fahrzeugen der Kraftstoff-Filter verstopfen oder sich Ölschlamm im Motor bilden. Warum dies so ist und wie sich Abhilfe schaffen lässt, hat ein junger Doktorand am Thünen-Institut in Braunschweig erforscht und jetzt auf dem „Wissenschaftssymposium Automobiltechnik 2012 (WISAU)“ der Fachwelt vorgestellt.


In seiner Doktorarbeit analysiert der Chemiker Lasse Schmidt am Thünen-Institut die Alterungserscheinungen von Kraftstoffgemischen mit Biodiesel-Anteil. Er fand heraus, dass es zu Oxidationen kommt, wodurch bestimmte Oligomere (große Moleküle) entstehen, die zu den technischen Problemen führen. Durch die Zugabe von pflanzenbasierten Additiven, zum Beispiel bestimmten Alkoholen, ließen sich die unerwünschten Phänomene aber zuverlässig verhindern.

Schmidt war einer von 14 jungen Forschern aus Deutschland und Österreich, die am 21./22. März 2012 beim dritten Wissenschaftssymposium Automobiltechnik (WISAU) im Altstadtrathaus zu Braunschweig ihre neuesten Ergebnisse aus der Automobilforschung präsentierten. Das Besondere an dieser Veranstaltungsreihe ist ihre Authentizität: Nur diejenigen, die die Untersuchungen selbst durchgeführt haben – also die Doktoranden – dürfen auf der Tagung vortragen. Konzipiert wurde dieses Format vom Thünen-Institut, der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg und dem Technologietransferzentrum Automotive der Hochschule Coburg. Mehr als 50 Teilnehmer aus Industrie und Wissenschaft ließen sich von den Doktoranden über ihre Forschungsarbeiten informieren. Das fachliche Spektrum reichte von der Motorentechnik und der Entwicklung von Brennverfahren über regenerative Kraftstoffe bis zu Gefährdungsanalysen im Straßenverkehr und Fahrerassistenz-Systemen. Durch den direkten Kontakt zu den Industrievertretern werden etliche Ansätze auch in die Fahrzeug- und Motorenentwicklung der Hersteller Einzug halten.

Braunschweigs Bürgermeisterin Annegret Ihbe begrüßte die Teilnehmer als Hausherrin und stellte den Bezug zu den vielfältigen Forschungsaktivitäten in Braunschweig her. Tagungsorganisator Professor Axel Munack vom Thünen-Institut für Agrartechnologie und Biosystemtechnik stellte in seiner Ansprache heraus, dass im dortigen Institut bzw. der Vorgängereinrichtung FAL bereits in den 1970er Jahren über regenerative Kraftstoffe wie Biodiesel und Bio-Ethanol geforscht wurde.

Besonders aufgewertet wurde die Tagung durch die Verleihung der Kamm-Jante-Medaille. Dieser Preis der Wissenschaftlichen Gesellschaft für Kraftfahrzeug- und Motorentechnik (WKM) wurde von Prof. Dr. Dr.h.c. Helmut Tschöke (Universität Magdeburg) und Prof. Dr. Wolfgang Eifler (Ruhr-Universität Bochum) an Dr. Annelies Vandersickel, ETH Zürich, für ihre bahnbrechenden Untersuchungen zur Aufklärung der Verbrennung beim homogenen Brennverfahren und an Dr. David Schröck, Universität Stuttgart, vergeben. Letzterer hatte im Rahmen seiner Dissertation völlig neuartige Windkanal-Untersuchungen zur Seitenwind- und Böempfindlichkeit von Fahrzeugen entwickelt. Die Verleihung der Medaillen war vielen anwesenden Doktoranden Vorbild und Motivation zugleich.

Die Ergebnisse der Tagung, die mit freundlicher Unterstützung der AVL GmbH, der Öffentlichen Versicherung Braunschweig, der UFOP und der IAV mbh durchgeführt wurde, sind in einem Tagungsband mit dem Titel „Innovative Automobiltechnik III“ im Cuvillier-Verlag, Göttingen, erschienen.

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