01.12.2010

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COMPAMED 2010: Kunststoffe in der Medizintechnik

Die international führende Fachmesse für den Zuliefermarkt der medizintechnischen Fertigung, die COMPAMED in Düsseldorf, setzt aus Sicht der Messe Düsseldorf ihre Erfolgsgeschichte in Parallelität zur weltgrößten Medizinmesse MEDICA weiter fort. Von den insgesamt 137.200 Fachbesuchern, die zur MEDICA 2010 + COMPAMED 2010 (17. bis 20.11.2010/ COMPAMED: 17. bis 19.11.2010) kamen und die mit ihrem Messeticket beide Veranstaltungen besuchen konnten, interessierten sich mehr als 16.000 Besucher speziell für die COMPAMED.

Ein Implantat aus Biokunststoff, das ausgeatmet wird
Ein zentrales Feld der COMPAMED bleiben innovative Materialien mit maßgeschneiderten Fertigungs- und Fügeverfahren. So bietet die DS Degradable Solutions AG (Schlieren bei Zürich) Implantatmaterialien an, die sich definiert im Körper auflösen. "Unser Werkstoff ist ein Polylactid (PLA), das letztlich als Kohlendioxid und Wasser ausgeatmet bzw. ausgeschieden wird", sagt Dr. Kurt Ruffieux, CEO und Gründer der DS. Die Haltbarkeit im Körper reicht von sechs Wochen bis sechs Jahre und lässt sich auf die jeweilige Aufgabe anpassen. Ganz neu ist eine Applikation, die es Ärzten erlaubt, Knochenmaterial wie eine Füllmasse direkt dort einzuspritzen, wo es gebraucht wird, also z. B. im Bereich des Kiefers oder der Wirbelsäule. "Für das Einsetzen von Stiftzähnen aus Titan muss häufig erst einmal eine Basis geschaffen werden, dafür ist unsere Materialkomposition aus Calciumphosphat und Polylactid exzellent geeignet", so Ruffieux. Als Spezialist zur Verarbeitung von bioabbaubaren Kunststoffen hat sich auch die Spang & Brands GmbH (Friedrichsdorf) etabliert. "Wir setzen spezielle Polymere von Boehringer mit einem Kilopreis von 2.200 Euro ein, um Kundenprodukte wie Nägel herzustellen. Dabei übernehmen wir die komplette Kette Entwicklung, Werkzeugbau und Spritzguss", erklärt Friedrich Echterdiek, Geschäftsführer von Spang & Brands.

Wichtig bei derartigen Materialien und Implantaten sind aber auch die richtigen Verarbeitungsverfahren. Das Fraunhofer-Institut für Lasertechnik (ILT, Aachen) nutzt für den Aufbau von komplex geformten Schädelteilen aus bioresorbierbaren Keramikmaterialien (Tricalciumphosphat und PLA) das Selective Laser Melting (SLM). Auf der Grundlage von CAD-Daten können derartige Implantate in kürzester Zeit hergestellt werden. "Für die Versorgung von Knochen, die durch Unfälle, Tumore oder angeborene Defekte geschädigt sind, ist in vielen Fällen der Einsatz eines resorbierenden Materials vorteilhafter gegenüber einem metallischen Implantat", erläutert Lucas Jauer, der das Projekt am ILT leitet. Ausgangsmaterial für das SLM, mit dem erstmals patientenspezifische und passgenaue bioresorbierbare Implantate mit großer Geometriefreiheit gefertigt werden können, sind pulverförmige Ausgangsstoffe, die schichtweise mit einem fokussierten Laserstrahl aufgeschmolzen werden.

Hygiene in Kliniken und Kunststoffeinsatz
Ein großes Thema der COMPAMED bleibt auch die Hygiene in Kliniken. Die Gefahren durch multiresistente Keime wie MRSA sind bekannt - jedes Jahr fallen mehr Patienten diesen Bakterien zum Opfer als der Immunschwäche AIDS. Immer mehr an Bedeutung gewinnen deshalb neue Lösungen zur Verbesserung der Hygiene durch den Einsatz von Silber. Erstmals präsentierte sich in diesem Bereich die BASF Future Business GmbH im Rahmen der COMPAMED. "Wir bieten individuell formulierte Materiallösungen an, die in erster Linie auf der Verwendung von Silberionen beruhen, die als Beschichtung oder als integraler Bestandteil vor allem von Kunststoffen zum Einsatz kommen. Vom Wettbewerb unterscheiden wir uns insbesondere dadurch, dass wir exakt auf die Kundenanforderungen hin formulieren", berichtet Edgar Eichholz, New Business Development Manager EU Medical Device Materials. Antibakterielle Oberflächen, die durch Spritzguss oder Lackierung entstehen, stellt auch die WAREMA Kunststofftechnik und Maschinenbau GmbH (Dillberg) her, wobei sie die Silberwirkstoffe der schweizerischen Sanitized AG (Burgdorf) nutzt. "Unsere Flächen haben eine nachgewiesene Haltbarkeit von 30 Monaten, was mit Unterwassertests nachgewiesen wurde", sagt Steffen Grün, Leiter Business Unit Medizintechnik Vertrieb bei WAREMA.