27.02.2012

Steinbeis-Europa-Zentrum

Chancengleichheit von Frauen und Männern in der Forschung

Europäisches Projekt GENDERA dokumentiert 64 erfolgreiche Maßnahmen zur Unterstützung von Forscherinnen in Europa.Das Steinbeis-Europa-Zentrum und seine Projektpartner im EU-Projekt GENDERA haben sich in den letzten beiden Jahren mit der Chancengleichheit von Frauen und Männern im Europäischen Forschungsraum beschäftigt.

Der Anteil der Frauen in der Forschung liegt europaweit bei rund 30 Prozent, in Deutschland liegt der Anteil der Wissenschaftlerinnen nur bei 21 Prozent. Sind bis zum Studienabschluss Frauen noch mit 51 Prozent in der Forschung vertreten, so geht die Schere danach zwischen Männern und Frauen immer weiter auf. So sind beispielsweise nur noch rund 12 Prozent der hochdotierten Professorenstellen mit Frauen besetzt.

„Die Situation von Frauen in Forschung und Entwicklung wird heute als
“zugelassen, aber nicht in vollem Umfang an der Wissenschaft teilhabend” (in Etzkowitz, H.; Fuchs, S., Gupta, N., Kemelgor, C., Ranga, M., 2008 ‘The coming gender revolution in science’ in E. J. Hackett, O. Amsterdamska, M. Lynch and J. Wajcman (eds), The handbook of science and technologystudies, Cambridge, MIT Press, pp. 405) beschrieben. Der Aufstieg von Frauen in der Wissenschaft geht langsam vonstatten; nicht annähernd so viele Frauen wie Männer erreichen Spitzenpositionen, so heißt es im „Leitfaden zur Chancengleichheit in Wissenschaft und Technologie“, der im Rahmen des EU-Projekts GENDERA veröffentlicht wurde.

Besonders besorgniserregend ist die Situation im Bereich Naturwissenschaften und Technik, wo sowohl Studentinnen als auch Wissenschaftlerinnen noch immer eine Minderheit bilden. Wissenschaftliche Studien zeigen, dass viele exzellente Frauen, die sich in der Wissenschaft, in der Forschung und Industrie einbringen könnten, von einer wissenschaftlichen Laufbahn absehen. Andere starten zwar Karrieren in diesen Bereichen, verlassen sie aber zu einem späteren Zeitpunkt, der häufig mit einer Familiengründung zusammenfällt. Dieser Vorgang wird als „leaky pipeline“ bezeichnet. Der Verlust von erfahrenen, gut ausgebildeten Personen wirkt sich nachteilig für alle aus.“

Das Steinbeis-Europa-Zentrum und seine Projektpartner im EU-Projekt GENDERA haben sich in den letzten beiden Jahren mit der Chancengleichheit von Frauen und Männern im Europäischen Forschungsraum beschäftigt. GENDERA wird im 7. Forschungsrahmenprogramm von der Europäischen Kommission von November 2009 bis April 2012 mit 798.666 Euro gefördert. Daran wirken neun Partner aus Deutschland, Griechenland, Israel, Italien, Österreich, Slowakei, Slowenien, Spanien und Ungarn mit.

Im Austausch mit den Forschungsorganisationen aus den Partnerländern wurden Maßnahmen und gute Praktiken zur Erhöhung des Frauenanteils in der Wissenschaft ermittelt und bewertet. Einige Unternehmen, Forschungsinstitute und Universitäten haben bereits erfolgreiche Maßnahmen zur Förderung von Chancengleichheit in Wissenschaft und Forschung entwickelt und umgesetzt. 64 gute Beispiele und erfolgreiche Maßnahmen sind in der Datenbank von GENDERA dokumentiert. Unter den Maßnahmen finden sich 16 aus Deutschland, die überwiegend an Universitäten und Forschungsorganisationen stattfinden. Beispielhaft zu nennen sind hier das MINERVA FemmeNet Programm der Max Planck Gesellschaft, das LaKoG Netzwerk an der Universität Stuttgart und das Programm „Science goes family“ an der Universität Konstanz.

Die Analysen zeigen auch, dass Organisationen, die Strategien für mehr Chancengleichheit aktiv umsetzen, ihre Attraktivität erhöhen und damit die Chance haben, zwischen mehr und besseren BewerberInnen auszuwählen. Eine erkennbare Umsetzung von Chancengleichheit in einer Einrichtung führt außerdem zu einer stärkeren Bindung der MitarbeiterInnen.

Wie können Forschungseinrichtungen Veränderungen aktiv gestalten? In welchen Bereichen ist es sinnvoll Forscherinnen zu unterstützen? Das Steinbeis-Europa-Zentrum lädt ein zur Debatte darüber auf der internationalen Konferenz „Maximising Innovation Potential Through Diversity in Research Organisations“ am 19. und 20. März im Stuttgarter Haus der Wirtschaft.

Einige der guten Praktiken werden hier vorgestellt und diskutiert. Die Konferenz zeigt insbesondere jene Maßnahmen, die zu signifikanten Ergebnissen geführt haben, zum Beispiel zur Erhöhung des Frauenanteils in leitenden Forschungstätigkeiten. Im Zentrum steht auch die Frage, ob unsere Arbeitskultur und unsere Arbeitsstrukturen sich verändern müssen, damit mehr Frauen in Leitungspositionen Karriere machen können.

Während der beiden Konferenztage präsentieren und diskutieren internationale Experten und Vertreter von europäischen Organisationen. Das Steinbeis-Europa-Zentrum lädt alle Interessensgruppen ein, sich an der Debatte zu beteiligen.

Quelle: