07.06.2011

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China: Exportprovinz Guangdong benötigt weniger Kunststoffmaschinen

Brancheneinfuhren lagen 2010 unterm Vorkrisenniveau / Industrielle Umstrukturierung belastet das Geschäft / Von Roland Rohde

Die südchinesischen Hersteller von Kunststoffartikeln und Spielzeug stöhnen unter den steigenden Fertigungskosten. Immer mehr Betriebe wandern in andere Provinzen oder gar Länder ab. Auch andere wichtige Nachfragebranchen von Kunststoffmaschinen packen ihre Koffer. Die Aussichten für die Maschinenbauer sind daher nicht besonders rosig. Immerhin müssen diejenigen Firmen, die sich zum Bleiben entschlossen haben, in ihre Fertigung investieren. Die Nachfrage nach Kunststoffmaschinen geht seit Jahren zurück. Den überlebenden Firmen fehlen derweil die finanzielle Mittel, um in ihre Fertigung zu investieren. Die Kunststoffmaschinenimporte via Hongkong sind daher nahezu implodiert.

Während in vielen Landesteilen der Volksrepublik China die Nachfrage nach Kunststoffmaschinen boomt, herrscht in der Exportprovinz Guangdong Flaute. Das bekommen vor allem Hongkongs Händler zu spüren. Sie versorgen weite Teile der südchinesischen Industrie mit Fertigungstechnologie. Nach dem Ende der Finanzkrise vermeldeten sie in nahezu allen Sparten des Maschinenbaus Rekordergebnisse. Doch bei Kunststoffmaschinen wurden ihre Hoffnungen enttäuscht.

Zwar stiegen die entsprechenden Importe 2010 um über zwei Drittel im Vergleich zum Vorjahr. Die Branchenreexporte in die VR China legten sogar um mehr als drei Viertel zu. Doch damit wurde das Niveau von 2007 immer noch um jeweils rund ein Viertel verfehlt. Ob jemals wieder Vorkrisenwerte erreicht werden, bleibt zweifelhaft. So geht die Nachfrage nach Kunststoffmaschinen schon seit einigen Jahren zurück. Der Grund liegt vor allem in der raschen industriellen Umstrukturierung Südchinas.

Hongkongs Handel mit Kunststoffmaschinen (in Mio. US$) *)
[2;z]*) SITC 728.42, 728.52;

Quelle: Census and Statistics Department

Lange Zeit wurden in der Provinz Guangdong massenhaft Plastikspielzeug und andere einfache Konsumgüter aus Kunststoffen für den Export produziert. Dabei setzten die Unternehmen, die sich vielfach in der Hand von Hongkonger Investoren befanden, auf reine Handarbeit beziehungsweise einfache Technik. Doch seit 2003/04 steigen die Löhne. Die Stadt Dongguan - 100 km von Hongkong entfernt - beherbergte einst das Zentrum der chinesischen Spielzeugindustrie. Doch zwischen 2005 und 2010 dürften nach Einschätzung der Hong Kong Toy Manufacturer´s Association zahlreiche Firmen in Konkurs gegangen oder abgewandert sein. Wie viele, weiß letztendlich niemand. Und in den Medien werden die Zahlen laut Einschätzung eines Verbandssprechers auch gerne übertrieben.

Tatsache sei, dass Guangdong auch in den nächsten zehn Jahren ein wichtiges Fertigungszentrum für Spielzeug bleibe. Jene Unternehmen, die die Krise überlebt hätten, müssten dringend in die Automatisierung ihrer Fertigung investieren. Insofern werde das durch Abwanderung und Konkurse wegfallende Geschäft der Kunststoffmaschinenhersteller zumindest teilweise kompensiert.

Im Krisenjahr 2009 beschäftigte die südchinesische Kunststoffindustrie laut offiziellen Angaben immer noch mehr als 1 Mio. Mitarbeiter. Zudem wurden von der Statistik nur solche Unternehmen erfasst, die einen Jahresumsatz von mindestens 5 Mio. Renminbi Yuan (RMB; etwa 0,53 Mio. Euro; 1 Euro = 9,53 RMB) erzielten. Doch in der Branche gibt es zahlreiche kleine und Kleinstbetriebe, so dass die Gesamtzahl der Angestellten deutlich jenseits der Millionen-Grenze liegen dürfte.

Kunststoffindustrie in Guangdong (2009)
[3;z]Quelle: Guangdong Statistical Yearbook 2010

Auf die Wanderschaft machen sich derweil auch die Hersteller von Unterhaltungselektronik und deren Zulieferer, eine ebenfalls wichtige Nachfragegruppe für Kunststoffmaschinen. Als Beispiel führen Branchenkenner gerne Foxconn an. Das taiwanische Unternehmen produziert unter anderem das iPhone und den iPad für Apple in Shenzhen. Von den 400.000 dortigen Mitarbeiter will es jedoch drei Viertel freisetzen. Die Fertigung - es handelt sich im Prinzip um reine Montage - wird in billigere Provinzen und Länder verlagert.

Positive Signale kommen derweil aus zwei anderen Nachfragebranchen: Die Hersteller von Haushaltselektrogeräten, die für die Produktion ihrer Gehäuse moderne Kunststoffmaschinen benötigen, befinden sich im Aufwind. Zwischen 2005 und 2010 ist der Ausstoß von Mikrowellen in Guangdong laut Statistikamt um fast 90% angestiegen. Bei Kühlschränken gab es sogar eine Steigerung um das Zweieinhalbfache.

Auch der Kfz-Sektor boomt. Liefen 2000 in Guangdong gerade einmal 30.000 Pkw von den Bändern, waren es 2010 bereits 1,3 Mio. Einheiten. Japanische Konzerne haben in den letzten Jahren riesige Kapazitäten aufgebaut und werden auch in Zukunft weiter investieren. Auch zwei europäische Konzerne haben sich bereits angekündigt. Spätestens 2015 soll die 2 Mio.-Grenze überschritten werden.

Japan ist Südchinas wichtigster Lieferant von Kunststoffmaschinen. So stammte 2010 rund die Hälfte der Hongkonger Branchenimporte aus Japan. Deutschland lag mit einem Lieferanteil von 12% auf Rang zwei. Danach spielte im Prinzip nur noch Taiwan (8%) eine gewisse Rolle.

Hongkongs Kunststoffmaschinenimporte, nach Herkunftsländern (in Mio. US$, Lieferanteil 2010 in %)
[4;z]*) SITC 728.42, 728.52, ohne Lieferungen aus der VR China

Quelle: Census and Statistics Department


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