31.05.2011

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China: Goldenes Jahr für Kunststoffmaschinen

Markt legt 2010 um knapp zwei Drittel zu / Deutsche Lieferungen explodieren im 1. Quartal 2011 um 142% / Von Bernd Schaaf

Chinesische Kunststoffmaschinen haben ein goldenes Jahr hinter sich und starten robust ins Jahr 2011. Nach ersten Berechnungen erhöhte sich das Marktvolumen 2010 im Vergleich zum Vorjahr um mehr als 64% auf knapp 7,3 Mrd. $. Allein die Binnenproduktion stieg um 62,9%. Die Aussichten für 2011 bleiben günstig, und mit etwas Glück dürfte ein weiteres Plus von 20% auf 9,0 Mrd. $ drin sein. Die Lieferungen aus Deutschland haben sich im 1. Quartal mehr als verdoppelt.

Der chinesische Markt für Kunststoffmaschinen ist 2010 nahezu explodiert. Die Zuwachsraten waren derart dynamisch, dass sämtliche Prognosen über den Haufen geworfen wurden. Produktion und Außenhandel wiesen überaus hohe Steigerungen auf, und die aktuelle Entwicklung deutet darauf hin, dass auch 2011 neue Rekorde erzielt werden dürften. Für ausländische Lieferanten von Kunststoffmaschinen ist das Reich der Mitte unterdessen zum Eldorado geworden, worüber sich insbesondere deutsche Hersteller freuen dürfen.

Getragen wird die günstige konjunkturelle Entwicklung von weiter stark expansiven Nachfragemärkten von Kunststofferzeugnissen im In- und Ausland. So steigerten sich die chinesischen Investitionen in Transportausrüstungen 2010 im Vergleich zum Vorjahr nach Angaben des National Bureau of Statistics (NBS) um 31,7% auf 655 Mrd. Renminbi (RMB; rund 73 Mrd. Euro; 1 Euro = 8,97 RMB - Jahresdurchschnitt 2010), und im ersten Quartal 2011 wird das Wachstum mit 37,2% auf 122 Mrd. RMB angegeben. Der Bausektor hatte 2010 sogar noch ein dynamischeres Wachstum vorgelegt. Die Investitionen in der stark überhitzten Branche erhöhten sich um 33,5% auf 5.756 Mrd. RMB. Die Steigerungsrate ging allerdings im 1. Quartal 2011 auf ein Plus von 31,0% auf 1.047 Mrd. RMB leicht zurück.

Produktion von Kunststofferzeugnissen (in Tsd. t; Veränderung im Vergleich zum Vorjahr in %)
[2;z]Quelle: NBS

Sehr starke Nachfrageimpulse für die chinesische Kunststoffproduktion kamen auch aus dem Export. Insgesamt erhöhten sich 2010 die Kunststofflieferungen ins Ausland um 37,3% auf 34,7 Mrd. US$, und auch im 1. Quartal 2011 wurden mit einem Plus von mehr als einem Viertel hohe Zuwachsraten erzielt.

Der Bedarf an Kunststoffprodukten im In- und Ausland führten zu einer noch nie dagewesenen Nachfrage nach Kunststoffmaschinen in China. Nach Angaben des Verbandes "China Plastics Machinery Industries Association" (CPMIA) erhöhte sich die Produktion der 564 Branchenunternehmen 2010 im Vergleich zum Vorjahr um 62,9% auf 42,1 Mrd. RMB - umgerechnet etwa 6,2 Mrd. US$. Der gesamte Markt für Kunststoffmaschinen (Produktion minus Export plus Import) war zwar 2009 um 10,7% zurückgegangen, explodierte dann aber 2010 im Vergleich zum Vorjahr um 64,1% auf knapp 7,3 Mrd. $. Dies ist das mit Abstand beste Jahr für den chinesischen Kunststoffmaschinenbau.

Die Aussichten für 2011 bleiben insgesamt günstig, da wichtige Kennziffern - Kunststoffnachfrage sowie Außenhandel - weiterhin im grünen Bereich sind. Der Verband erwartet für die kommenden Jahre ein durchschnittliches Marktwachstum von jährlich 12% bis 2015, ein Wert, der zumindest 2011 an der unteren Grenze dessen liegt, was Marktbeobachter für wahrscheinlich halten. Auch wenn die hohen Zuwachsraten des 1. Quartals im Jahresverlauf nachgeben dürften, könnte eine Steigerung von etwas mehr als 20% auf 9,0 Mrd. $ drin sein.

Export von Kunststoffen (in Mio. US$; Veränderung im Vergleich zur jeweiligen Vorjahresperiode in %)
[3;z]*) HSPos. 3918, 3922-3926;
Quelle: Chinesische Zollstatistik; Berechnungen von Germany Trade & Invest

Die stark gestiegene Eigenerzeugung darf allerdings nicht über die Probleme der Branche hinwegtäuschen. Die Maschinen verfügen in der Regel über eine geringe Effizienz, haben Mängel bei der Präzision und haben einen geringen Automatisierungsgrad. In der Folge sei der Ausschuss zu groß, und man hinke der ausländischen Konkurrenz um Jahre hinterher, heißt es selbstkritisch in der jüngsten CMPIA-Analyse des Sektors.

Daher tummeln sich die chinesischen Anbieter bislang schwerpunktmäßig im technisch unteren Bereich, und die Erlöse bleiben überwiegend schwach. Dies zeigt sich deutlich an den Preisen im Maschinenaußenhandel. Während importierte Kunststoffmaschinen etwa 200.000 $ pro Einheit kosteten, erlösen chinesische Exporteure nur 20.000 $ pro ausgelieferte Maschine, berichtet die Generalsekretärin des Verbandes, Su Dongping.

So konnten die chinesischen Exporteure 2010 im Ausland zwar Erfolge feiern. Ihre Lieferungen zogen im Vergleich zum Vorjahr um 45,1% auf knapp 1.966 Mio. $ an. Unter den zehn wichtigsten Abnehmerländern waren aber allein neun Entwicklungs- und Schwellländer mit Indien, Brasilien und Indonesien an der Spitze. Mit Japan ist nur eine Industrienation unter den ersten zehn. Allerdings sind es vorwiegend Kunststoffmaschinen aus japanischen Tochterunternehmen, die in China produzieren und die Erzeugnisse dann nach Nippon liefern.

Außenhandel mit Kunststoffmaschinen *) (HSPos. 8477; in Mio. US$; Veränderung im Vergleich zur Vorjahresperiode in %)
[4;z]*) einschließlich Teile;
Quelle: Chinesische Zoll; Berechnungen von Germany Trade & Invest

Die Einfuhren erreichten 2010 einen neuen Rekord. Mit einem Zuwachs von 50,1% auf 3.037 Mrd. $ bewies China nachdrücklich seinen Vorsprung vor den zweitplatzierten USA, deren Importe von Kunststoffmaschinen "nur" um 30,2% auf 1.749 Mio. $ zulegen konnten. Japan blieb 2010 wichtigster Lieferant vor Deutschland und Taiwan mit Anteilen am chinesischen Import von Kunststoffmaschinen von jeweils 32,6%, 27,0% sowie 11,4%.

Waren schon 2010 die Zuwachsraten bei der Einfuhr in hohem Maße erstaunlich, geht die Dynamik in 2011 unvermindert weiter. Nach Zollangaben zogen die Auslandsbezüge im 1. Quartal im Vergleich zur Vorperiode um 50,5% auf 958 Mio. $ an - dem höchsten jemals erzielten Quartalswert und mehr, als Deutschland im Gesamtjahr 2010 (840 Mio. $) einführte. Die Lieferungen deutscher Maschinenhersteller stiegen um exorbitante 142,2% auf 376 Mio. $. Dies ist dem Wert nach nahezu so viel, wie die USA im Gesamtjahr 2010 aus Deutschland an Kunststoffmaschinen importiert haben (402 Mio. $).

Diese Entwicklungen sind Balsam für die deutschen Kunststoffmaschinen-Exporteure, die 2009 krisenbedingt einen herben Rückgang ihrer Auslandslieferungen von -38,2% auf 3.627 Mio. $ hinnehmen mussten. 2010 gingen ihre Ausfuhren zwar um 20,7% auf 4.378 Mio. $ nach oben, aber das Vorkrisenniveau von 2008 (5.868 Mio. $) war damit noch lange nicht erreicht.

Lieferanten von Kunststoffmaschinen (in Mio. US$; Veränderung im Vergleich zur jeweiligen Vorjahresperiode in %)
[5;z]Quelle: Chinesische Zollstatistik

Gefragt waren im 1. Quartal 2011 insbesondere deutsche Extruder (+393,7% auf 105 Mio. $), Vakuumformmaschinen (+326,7% auf 36 Mio. $) sowie "Andere Kunststoffmaschinen (+165,0% auf 121 Mio. $). Blasformmaschinen (+17,6% auf 57 Mio. $) sowie Spritzgießmaschinen (+29,6% auf 26 Mio. $) wuchsen hingegen nur unterdurchschnittlich.

Mit diesen Ergebnissen schlossen deutsche Hersteller im ersten Quartal 2011 hervorragend ab und stellten 39,2% der gesamten chinesischen Kunststoffmaschineneinfuhren. Weit abgeschlagen folgte Japan, dessen Lieferungen nur um 25,9% auf 249 Mio. $ anstiegen und die damit nur noch 26,0% der Importe stellten. Auch Taiwan konnte mit einem Plus von 60,5% auf 102 Mio. $ nicht mithalten und folgte auf Rang drei (Anteil: 6,5%).

Struktur der Einfuhr von Kunststoffmaschinen (in Mio. US$; Veränderung im Vergleich zur Vorjahresperiode in %)
[6;z]Quelle: Chinesische Zollstatistik; Berechnungen von Germany Trade & Invest


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