24.08.2010

pressetext.deutschland

China dominiert Markt mit massiven Importen und restriktivem Export

Sie haben Namen wie Neodym, Europium, Erbium, Iridium oder Germanium - und nicht einmal bei Letzterem sind die Aussichten für die deutschen Firmen rosig. Es handelt sich bei diesen exotischen Elementen um seltene Metalle und Erden, die für viele deutsche Unternehmen überlebenswichtig sind, gleichzeitig aber zu 100 Prozent und immer teurer importiert werden müssen. Der größte bzw. einzige Anbieter ist China. Einen chemischen Ersatzstoff gibt es trotz intensivster Forschung für die meisten dieser Metalle nicht.

Das Land der Mitte dominiert den Markt bei seltenen Metallen, kauft die Stoffe weltweit in großen Mengen ein und hortet sie. "Die Aussichten sind nicht trübe, aber teuer. 97 Prozent der globalen Minenproduktion von seltenen Erden und Metallen fällt auf China", erklärt Daniel Briesemann, Rohstoffexperte der Commerzbank. China verfügt über die weltweit größten Reserven bei vielen dieser Rohstoffe. "Alles steht und fällt mit China. Durch das Quasi-Monopol hat es den Markt in der Hand und kann relativ einfach die Preise steuern. Das macht die Metalle für Großabnehmer - allen voran die USA - teuer", sagt Briesemann.

Der Weltmarkt hat darüber hinaus die Nachfrageeffekte bei den Metallen nicht rechtzeitig erkannt, was zu Fehleinschätzungen an den Rohstoffmärkten führte, heißt es etwa in einem Forschungspapier des Fraunhofer Institut für System- und Innovationsforschung http://www.isi.fraunhofer.de. Dies ließ die Preise sprunghaft steigen und trifft die Industrie in der Produktion in ihrem mit Abstand größten Kostenblock, den Materialkosten.

Viele mehr oder weniger alltägliche Gegenstände benötigen zu ihrer Herstellung seltene Metalle und Erden. Bei Lieferengpässen oder Erschöpfung der Ressourcen können Geräte wie Hochleistungsmagnete, iPods, Touchscreens, Solaranlagen oder Windturbinen nicht mehr produziert werden. Deutschland verfügt zwar über beachtliche Rohstoffe bei Steinen oder Kohle, besitzt bei Energierohstoffen oder bei seltenen Erden quasi keine eigenen Ressourcen. "Wir sind hier ein rohstoffarmes Land und auf Gedeih und Verderb auf Importe angewiesen", sagt Experte Briesemann.

Chinas hortet viel und exportiert wenig. Dies könnte für die deutschen Unternehmen mitunter zum Problem werden, denn China hortet und recyclet diese Stoffe nicht nur im großen Stil, sondern betreibt darüber hinaus auch eine restriktive Exportpolitik. "China steuert aktiv das Angebot. Es wurden Exportquoten eingeführt und den einheimischen Unternehmen Exportsteuern auferlegt", so der Rohstoffexperte. Durch diese Quoten und Zölle baut China sein Marktmonopol sukzessive aus und verzerrt die Relation von Angebot und Nachfrage am Weltmarkt immer mehr.

Die Märkte für seltene Metalle und Erden sind klein. Sie werden nicht an der Börse gehandelt, sondern direkt beim Abnehmer gekauft. "China hat das Glück, auf so vielen Reserven zu sitzen. Aber es gäbe auch noch andere Vorkommen in Amerika oder Australien", analysiert Briesemann. Der Abbau dieser Vorkommen würde sich trotz chinesischer Marktdominanz jedoch - noch - nicht lohnen.

Vor diesem Hintergrund ist die auch effiziente Nutzung von Rohstoffen und Werkstoffen sowie die Schließung von Stoffkreisläufen durch das Recycling ein Thema, das die Unternehmen immer stärker betrifft, wie es in einem Papier der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe heißt.