18.02.2011

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Clariant: Restrukturierungsprogramm erfolgreich abgeschlossen - Erwerb der Süd-Chemie geplant

Clariant, ein weltweit führendes Unternehmen der Spezialchemie, gab aktuell für das Gesamtjahr 2010 einen Umsatz von 7,120 Milliarden CHF bekannt, gegenüber 6,614 Milliarden im Jahr 2009. Dies entspricht einem Anstieg von 13 % in Lokalwährung bzw. 8 % in Schweizer Franken.

CEO Hariolf Kottmann: "Das Jahr 2010 ist ein Meilenstein in der Geschichte von Clariant. Das umfangreiche Restrukturierungsprogramm der letzten zwei Jahre ist erfolgreich abgeschlossen. Wir haben alle zu Beginn der Restrukturierung definierten Ziele erreicht. Clariant erwirtschaftet heute als Unternehmen der Spezialitätenchemie eine Rendite auf das eingesetzte Kapital (ROIC), die über dem Branchendurchschnitt liegt. Ausserdem generiert Clariant hohe Geldflüsse und besitzt eine starke Bilanz. Auf dieser soliden Grundlage werden wir weiter aufbauen. Unser Ziel ist es, die Nachhaltigkeit unserer Errungenschaften sicherzustellen und gleichzeitig profitables Wachstum zu erwirtschaften, um Mehrwert zu schaffen."

Das zweistellige Umsatzwachstum in Lokalwährung war dem weltweit robusten Wirtschaftswachstum sowie dem Wiederauffüllen von Lagerbeständen bei Kunden zu verdanken, die im ersten Halbjahr Teilen des Portfolios zugute kam. Alle Regionen wiesen in Lokalwährung ein zweistelliges Umsatzwachstum auf. Im Jahresverlauf stellte sich dann wieder das übliche saisonal geprägte Nachfragemuster ein. Dieses war durch eine Abschwächung der Nachfrage in den Sommermonaten und einen Rückgang der Industrieproduktion gegen Jahresende gekennzeichnet. Die bessere Auslastung der Kapazität, das erfolgreiche Preismanagement und die Senkung von Produktionskosten durch das Restrukturierungsprogramm führten zu einem Anstieg der Bruttomarge von 23,5 % im Vorjahr auf nunmehr 27,9 %.

Auch in diesem Berichtszeitraum konzentrierte sich Clariant wieder auf die Verringerung der Vertriebs- und Verwaltungsaufwendungen (SG&A-Kosten) und erzielte hierbei weitere Erfolge: Bezogen auf den Umsatz sanken die SG&A-Kosten gegenüber dem Vorjahr deutlich von 17,6 % auf 16,5 %. Dank der gestiegenen Bruttomarge und der reduzierten Kostenbasis erhöhte sich das operative Ergebnis (EBIT) vor Einmaleffekten von 270 Millionen CHF im Vorjahr auf 696 Millionen CHF. Parallel dazu legte die EBIT-Marge von 4,1 % im Jahr 2009 auf jetzt 9,8 % zu.

In dem vom Abschluss der Restrukturierung geprägten Jahr 2010 trugen alle Business Units durch Kostensenkungen und die Optimierung ihrer Strukturen und Prozesse zur deutlichen Verbesserung des operativen Ergebnisses bei. Die Restrukturierungskosten und Wertminderungen beliefen sich auf 331 Millionen CHF. Sie waren hauptsächlich auf die Standortschliessungen zurückzuführen, die im Rahmen der Optimierung des weltweiten Produktionsnetzwerks (Projekt GANO) vorgenommen wurden, sowie auf weitere Personalabbaumassnahmen. Die Zahl der Arbeitsplätze wurde seit Ende 2009 von 17 536 auf 16 176 Stellen verringert. Im Berichtszeitraum erwirtschaftete Clariant wieder einen Nettogewinn, der sich auf 191 Millionen CHF belief. Im Vorjahr hatte ein Nettoverlust von 194 Millionen CHF zu Buche gestanden.

Clariant generierte auch 2010 wieder in erheblichem Umfang Geldflüsse. Der Geldfluss aus betrieblichen Aktivitäten erreichte dank des verbesserten operativen Ergebnisses und der strikten Steuerung des Nettoumlaufvermögens 642 Millionen CHF.

Clariant erhöhte ihre Cash-Position von 1 140 Millionen CHF im Jahr 2009 auf nunmehr 1 419 Millionen CHF und stärkte dadurch ihre Bilanz weiter. Gleichzeitig konnte die Nettoverschuldung von den Ende 2009 verzeichneten 545 Millionen CHF auf 126 Millionen CHF reduziert werden. Der Verschuldungsgrad, der die Nettoverschuldung im Verhältnis zum Eigenkapital widerspiegelt, lag Ende 2010 bei 7 % und war damit deutlich niedriger als Ende 2009 (29 %).

Geschäftsentwicklung von Clariant im vierten Quartal 2010
Clariant wies im vierten Quartal in Lokalwährung ein Umsatzwachstum von 8 % aus. Gegenüber dem Vorjahr stiegen die Volumen um 4 % und die Verkaufspreise ebenfalls um 4 % in LW. In Schweizer Franken gerechnet lag der Umsatz mit 1 700 Millionen CHF leicht unter dem Vorjahreswert (1 710 Millionen CHF). Im Vergleich zum Vorquartal erhöhten sich die Preise um 1 %, während die Rohstoffkosten unverändert blieben. Die meisten Business Units verzeichneten eine solide zugrunde liegende Nachfrage nach ihren Produkten und Dienstleistungen. Dabei erwirtschafteten Industrial & Consumer Specialties sowie Oil & Mining Services konzernweit die besten Ergebnisse. Auf regionaler Ebene erreichte das Unternehmen in Europa und Nordamerika die höchsten Wachstumsraten. Aufgrund der höheren Vergleichsbasis wuchs das Geschäft in den Regionen Asien/Pazifik und Lateinamerika zwar langsamer, die Wachstumsraten lagen aber immerhin noch im einstelligen Bereich.

Die Rückkehr zu normalen saisonalen Nachfragemustern im Jahr 2010 führte dazu, dass die Industrieproduktion im vierten Quartal zurückging - eine Entwicklung, die sich durch den stark vorangetriebenen Abbau der Lagerbestände noch verstärkte. Dies erhöhte im Vergleich zu den ersten drei Quartalen des Jahres 2010 die Kosten für die Unterauslastung von Produktionskapazitäten. Dadurch war die Bruttomarge zwar niedriger als in den ersten drei Quartalen, legte aber gegenüber dem Vorjahresquartal von 25,0 % auf 26,0 % zu. Die EBIT-Marge vor Einmaleffekten stieg auf 7,1 %, nachdem sie im bereits guten vierten Quartal 2009 6,3 % betragen hatte. Dieser Anstieg kam trotz höherer Einmalkosten im Zusammenhang mit dem Restrukturierungsprogramm "Project Clariant" und einer Einmalzahlung für Pensionspläne zustande.

Der Geldfluss aus betrieblichen Aktivitäten lag bei 277 Millionen CHF, gegenüber 224 Millionen CHF im Vorjahresquartal. Dies war der Zunahme des operativen Ergebnisses und dem strikten Management des Nettoumlaufvermögens gegen Ende des Jahres zu verdanken.

Nachdem das Restrukturierungsprogramm der Jahre 2009/2010 nun abgeschlossen ist, wird Clariant in den kommenden Jahren in profitables Wachstum investieren. Der Verwaltungsrat wird der 16. Ordentlichen Generalversammlung von Clariant am 31. März 2011 empfehlen, für 2010 keine Dividenden, Zuteilungen oder anderen Auszahlungen an die Aktionäre zu entrichten.

Ausblick 2011
Nach dem Abschluss der Restrukturierung im Jahr 2010 richtet Clariant ihren Fokus mit Beginn des Jahres 2011 auf laufende Verbesserungsmassnahmen und profitables Wachstum. Während die 2009 begonnene, kontinuierliche Optimierungsinitiative "Clariant Excellence" für eine nachhaltig sinkende Kostenbasis sorgt, konzentriert sich das Unternehmen nun auch darauf, durch Investitionen in künftiges profitables Wachstum für Wertschöpfung zu sorgen.

Für 2011 geht Clariant von einem weiteren, aber gegenüber 2010 verlangsamten Wachstum der Weltwirtschaft aus. Die Wechselkurse der wichtigsten Währungen dürften weiterhin volatil bleiben. Für Wachstum werden hauptsächlich die Schwellenmärkte in den Regionen Asien/Pazifik und Lateinamerika sorgen. Nach einer kurzen Entspannung im zweiten Halbjahr 2010 werden die Rohstoffpreise 2011 voraussichtlich wieder ansteigen. Clariant nimmt an, dass sich dieser Anstieg im hohen einstelligen Bereich bewegen wird.

Für 2011 erwartet Clariant ein niedriges einstelliges Umsatzwachstum in Lokalwährung. Weitere positive Effekte der in den vergangenen zwei Jahren durchgeführten Restrukturierungsmassnahmen sollen die Kostenposition des Unternehmens stärken und sich damit vorteilhaft auf das operative Ergebnis auswirken. Die EBITDA-Marge vor Einmaleffekten dürfte daher über das Niveau von 2010 steigen.

Erwerb der Süd-Chemie AG geplant
Die Clariant AG plant nach eigenen Angaben den Erwerb einer Kontrollmehrheit an der Süd-Chemie AG und hat dazu einen Vertrag mit den Mehrheitsaktionären unterzeichnet.

Im Rahmen der geplanten Transaktion, die noch der Zustimmung der zuständigen Kartellbehörden bedarf, habe Clariant Vereinbarungen mit dem Mehrheitsaktionär One Equity Partners (50,4%) sowie den Familienaktionären (circa 46%) getroffen und plane, insgesamt knapp über 95% der ausstehenden Aktien zu erwerben. Die Aktien der One Equity Partners sollen zu einem Preis von EUR 121 je Süd-Chemie-Aktie gekauft werden. Die grosse Mehrheit der Süd-Chemie-Familienaktionäre werde ihre Aktien in einem Verhältnis von 1:8,84 in Clariant-Aktien tauschen. Die Transaktion hat einen Gesamtwert von EUR 2,0 Milliarden (CHF 2,5 Milliarden).

Mit rund 6.500 Mitarbeitern in 40 Ländern betreibt Süd-Chemie zwei Geschäftseinheiten mit global führenden Positionen in den Arbeitsgebieten Prozesskatalysatoren und Adsorbentien. Darüber hinaus verfügt Süd-Chemie über eine starke Forschungs- und Entwicklungspipeline für neue Geschäftsbereiche mit signifikantem Wachstumspotential. Diese beinhalten innovative Materialien für Lithium-Ionen-Batterien und Biotechnologie, wie beispielsweise Technologien zur Herstellung von Bioethanol der zweiten Generation. Im Jahr 2010 hat Süd-Chemie mit einem Umsatz von EUR 1.225 Millionen und einem EBITDA von EUR 191 Millionen1 eine EBITDA-Marge von 15,6%1 erwirtschaftet.

"Wir sind davon überzeugt, dass Süd-Chemie die richtige strategische Ergänzung für Clariant ist. Mit der geplanten Akquisition wird unser Portfolio mit wachstumsstarken und weniger zyklischen Geschäftsfeldern ergänzt und Zugänge zu neuen attraktiven Marktsegmenten erschlossen. Süd-Chemie wird unser profitables Wachstum in den kommenden Jahren zusätzlich vorantreiben", sagte Hariolf Kottmann, CEO der Clariant AG. "Der geplante Erwerb bringt zudem deutliche Vorteile für beide Unternehmen, denn mit unseren Investitionen können wir die Forschung insbesondere in den Zukunftsmärkten Neue Materialien und Biotechnologie gezielt stärken", so Kottmann.

Im Einklang mit Clariants Finanzierungspolitik werde die Transaktion konservativ finanziert. Die vorgesehene Finanzierungsstruktur soll sich zusammensetzen aus ca. CHF 700 Millionen aus dem Aktientausch der Familienaktionäre, ca. CHF 400 Millionen Kapitalerhöhung, ca. CHF 900 Millionen Neuverschuldung und ca. CHF 500 Millionen Kassenbestand. Die Emission von neuen Aktien stehe vorbehaltlich der Zustimmung der Clariant Generalversammlung am 31. März 2011. Vorbehaltlich aller notwendigen regulatorischen Zustimmungen, auch der kartellbehördlichen, geht Clariant davon aus, dass die Transaktion im ersten Halbjahr 2011 abgeschlossen sein wird. Spätestens nach Vollzug der Kaufverträge wird Clariant für den verbleibenden Streubesitz ein öffentliches Übernahmeverfahren einleiten.

Nach dem erfolgreichen Abschluss der Restrukturierung in 2010 soll die geplante Transaktion die strategische Neuausrichtung des Konzerns auf profitables Wachstum unterstützen. Neben einer kontinuierlichen Verbesserung der Profitabilität des bestehenden Portfolios, einer Schwerpunktlegung auf Innovation sowie das Wachstum in aufstrebenden Regionen, will Clariant das Portfolio weiter durch Investitionen in Zukunftsmärkte und -technologien stärken.

Über Süd-Chemie
Die Süd-Chemie ist ein in Deutschland börsennotiertes (WKN: 729 200) weltweit tätiges Spezialchemieunternehmen mit Sitz in München. Produkte des Unternehmensbereichs Katalysatoren bieten unter anderem Lösungen für die Chemie-, Petrochemie- und Raffinerieindustrie, die Energiespeicherung, Wasserstoffproduktion und Abluftreinigung. Gemeinsamer Nenner aller Produkte und Leistungen der Süd-Chemie ist der effiziente und schonende Umgang mit den natürlichen Ressourcen zur Schaffung von mehr Lebensqualität für Mensch und Umwelt. Wesentliche Märkte des Unternehmensbereichs Adsorbentien sind die Konsumgüter-, Verpackungs-, Gießereiindustrie sowie die Wasserbehandlung. Am 31. Dezember 2010 beschäftigte der Konzern über 6.500 Mitarbeiter in weltweit über 120 Produktions- und Vertriebsgesellschaften.