27/06/2011

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Coplare: Drei Jahre Segeln für Kunststoff-Verwertung

Anfang Juli werden Susanne Tölzel und Joachim Probst von Wiesbaden aus zu einer mehrjährigen Segelreise aufbrechen. Mit an Bord ist das Projekt COPLARE - Coastal Plastics Recyling.

COPLARE ist ein außergewöhnliches Projekt, das Kunststoff-Recycling in Entwicklungsländer bringen will. Susanne Tölzel und Joachim Probst wollen so aus einem ökologischen Problem an exotisch anmutenden Orten der Welt eine unerwartete Einkommensquelle für die Menschen vor Ort schaffen und Hilfe zur Selbsthilfe leisten. Denn Gegenstände aus Kunststoff finden sich an nahezu allen Meeresküsten und werden immer mehr zum Problem. "Plastikabfall ist aber eigentlich kein Müll, sondern ein zunehmend gesuchter Sekundär-Rohstoff. Es gibt überraschend viele Möglichkeiten, wie gebrauchte Kunststoffe gewinnbringend und ressourcenschonend eingesetzt und sogar in den Stoffkreislauf zurück gebracht werden können", so die beiden Segler. Nun wollen sie während ihres auf drei Jahre angelegten Segeltörns dieses Wissen in entlegenen Gebieten der Welt verbreiten.

"Plastik ist viel zu schade zum Wegwerfen", findet etwa Andreas Fröse, der in Mittelamerika Häuser und Wassertanks aus gebrauchten PET-Flaschen baut. Aus Nairobi wird über einen Afrikaner namens Evans Ghitinji berichtet, der mit einfachen Mitteln aus Plastiktüten Baumaterial herstellt. Die Recherchen von Susanne Tölzel und Joachim Probst haben auch zahlreiche Gebrauchsgegenstände aus gebrauchtem Kunststoff zu Tage gefördert, etwa Taschen, Teppiche und Lampen, um eine kleine Auswahl zu nennen. Die eingesetzten Verarbeitungsverfahren sind überaus variantenreich. Mal braucht man wenig mehr als Nähnadeln, Garn und ein Messer, mal Häkelnadeln oder Webrahmen, für wieder andere wurden aufwendige Verfahren ersonnen. "Wir sind fasziniert und angetan davon, wie viele Menschen, die Techniken entwickelt und erprobt haben, ihr Wissen großzügig zur Weitergabe anbieten. Wir wollen solches Wissen sammeln, entlang unserer Reiseroute und im Internet verbreiten und dafür sorgen, dass die Ideen an vielen Plätzen der Welt Nachahmer finden."

Am allerbesten fänden die beiden es jedoch, wenn es ihnen gelänge, Wege zu finden, gebrauchte Kunststoffe als Sekundärrohstoff in den industriellen Stoffkreislauf zurückzuführen. In Industrieländern ist das längst gängige Praxis, in Deutschland z.B. durch das etablierte Pfandsystem für PET-Getränkeflaschen. Sortenreines, kaum verschmutztes PET ist als hochwertiger Rohstoff begehrt. Die Nachfrage nach recyceltem Kunststoff guter Qualität nimmt rasant zu und treibt die Preise in die Höhe. "Unserer Meinung nach sind das gute Voraussetzungen, um für Länder, die sich den Aufbau einer kostspieligen Abfall- und Recyclingwirtschaft nicht leisten können, ein Anreizsystem zu entwickeln, das zum Ziel hat, Plastikverpackungen und Konsumgüter aus Kunststoff auf denselben Wegen zurück in die Industriegebiete ihrer Herstellung zu bringen, auf denen sie in den Verkauf gelangt sind. Fachleute sprechen von "reverse logistics", umgekehrte Logistik und von "urban mining".

Die Materie, mit der die beiden Segler sich während ihrer dreijährigen Reise beschäftigen wollen, ist kompliziert, facettenreich und komplex. Doch genau dies empfinden sie als spannend und herausfordernd: dass Expertenwissen aus unterschiedlichen Disziplinen zusammengebracht werden muss, regionale Gegebenheiten zu berücksichtigen sind und eine Menge Überzeugungsarbeit nötig sein wird.

Susanne Tölzel und Joachim Probst laden dazu ein, die spannende Entdeckungsreise auf ihrer Webseite mitzuverfolgen. Wer die Projektidee unterstützen möchte, kann Mitglied im Förderkreis des Vereins COPLARE - Coastal Plastics Recycling e.V. werden oder dem Experten-Netzwerk "COPLARE.NET" beitreten. "Wir bitten alle an COPLARE Interessierten, uns dabei zu helfen, ein großes und potentes Experten-Netzwerk und einen lebendigen Verein aufzubauen", sagt Susanne Tölzel. Unterstützung hat COPLARE schon bei Unternehmen, Verbänden und Umweltschutz-Organisationen gefunden, die das Projektgelingen auf verschiedene Weise fördern, darunter der Nabu, die Firmen Pentax, Superwind, Katadyn, GoPro, Fotogena, Marblu und Wetterwelt sowie der Verband der Kunststofferzeuger PlasticsEurope. Auch die bisherigen Arbeitgeber der beiden Segler, Werner & Mertz sowie das Passivhaus Institut gehören zum Kreis der Unterstützer.