24.11.2011

Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Das richtige Studienfach finden

Oft stellen Studierende schon im ersten Semester fest, dass ihr Studienfach irgendwie nicht passt. Viele brechen dann ab oder wechseln in ein anderes Fach. Bessere Orientierung beim Beginn eines Studiums scheint also dringend nötig zu sein. Für den richtigen Durchblick will an der Uni Würzburg eine professionelle Beratungsstelle sorgen.

Bundesweit ist der Anteil von Studienabbrechern oder Fachwechslern unter den Studierenden hoch: In den Naturwissenschaften und der Mathematik beträgt er 28 Prozent, in den Ingenieurwissenschaften 25 bis 34 Prozent, in den Sprach-, Kultur- und Sportwissenschaften 27 Prozent, in den Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften 19 Prozent. Diese Zahlen stammen aus einer Studie der Hochschul-Informations-System GmbH (HIS) in Hannover.

Ein Grund für die hohen Abbrecherzahlen liegt laut HIS darin, dass die persönlichen Interessen der Studierenden oft nicht mit den Interessen übereinstimmen, die im Studium gefragt sind. „Wichtig ist es darum, dass Studienanfänger ihre Stärken, Schwächen und Interessen genauso gut kennen wie die Anforderungen, die ihr Wunsch-Studienfach an sie stellt“, sagt Diplom-Psychologin Natalie Vannini vom Team der Orientierungsberatung an der Uni Würzburg.

Für eine bessere Orientierung beim Studienstart wollen Natalie Vannini, Christine Linkert und vier weitere Psychologinnen künftig mit mehreren neuen Projekten sorgen.

Online-Orientierungstests

Mit Online-Orientierungstests („Assessments“) sollen Studieninteressierte voraussichtlich ab dem Frühjahr 2012 ihre persönlichen Interessensprofile erstellen. Im Anschluss bekommen sie detailliert Rückmeldung von der Beratungsstelle: eine Analyse der individuellen studienfachbezogenen Interessen und eine persönliche Studienfach-Empfehlung. Der Test wird das gesamte Fächerspektrum der Universität Würzburg abdecken.

Für ausgewählte Fächer wird zudem ein aufwändigerer Online-Test entwickelt: Mit ihm lässt sich das Ergebnis der Interessensanalyse mit den Anforderungen abgeglichen, die die Fächer an die Studierenden stellen. Es ist geplant, diesen Test nach und nach auf weitere Studienfächer der Universität auszudehnen.

Individuelle Beratungen

Die Entscheidung für das richtige Studienfach soll außerdem mit individuellen Beratungen unterstützt werden, die ab sofort angeboten werden. Ab Sommer 2012 sollen Gruppenseminare dazukommen. Ziel dieses Angebotes ist es unter anderem, frühzeitig Defizite wie Prüfungsangst, mangelhafte Lernstrategien oder schlechtes Stress-Management zu erkennen. In akuten Krisensituationen – wenn etwa ein Studierender überlegt, das Studium sofort abzubrechen – eignet sich eine Einzelberatung am besten.

„Unser Beratungskonzept zeichnet sich durch ein sehr individuelles Vorgehen und intensive Arbeit mit den Klienten aus“, sagt Christine Linkert. Dabei thematisieren die Beraterinnen auch notwendige Kompromisse, Erwartungen der Eltern oder anderer Personen und persönliche Einschränkungen, zum Beispiel die Bindung an eine bestimmte Stadt oder einen Notendurchschnitt, der für die Zulassung zum Wunschfach nicht ausreicht.

Geschichte der Orientierungsberatung

Die Orientierungsberatung ist am Röntgenring 10 bei der Begabungspsychologischen Beratungsstelle angesiedelt, einer zentralen wissenschaftlichen Einrichtung der Universität Würzburg. Gegründet wurde sie im Jahr 2008 unter der Leitung des Entwicklungspsychologen Professor Wolfgang Schneider.

Finanziert wurde die Orientierungsberatung zunächst aus Studienbeiträgen. Seit Oktober 2011 wird sie im Rahmen eines neuen Projekts weitergeführt: Es dient der Verbesserung der Studieneingangsphase und wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung im „Qualitätspakt Lehre“ finanziert. Aus diesem Programm hat die Uni Würzburg für verschiedene Projekte 12,7 Millionen Euro eingeworben. Das Zentrum für innovatives Lehren und Studieren (ZiLS) koordiniert diese Projekte.

Die Orientierungsberatung ist eng mit anderen universitären Einrichtungen verknüpft. Sie pflegt Kontakte zur Zentralen Studienberatung ebenso wie zu den Fachstudienberatungen.

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