Der Berg ruft – gut gerüstet auf Wanderschaft

Berge besitzen eine magische Anziehungskraft – nicht nur auf jene, die auch im Leben immer hoch hinaus wollen. Bei aller Begeisterung für die Höhe übersehen manche Gipfelstürmer allerdings, dass Bergwandern alles andere als ein Spaziergang ist. Eine Unachtsamkeit kann zum Verhängnis werden. Allein in den Alpen sind im August 2014 wenigstens 20 Personen tödlich verunglückt. Die Frage nach dem Warum lässt sich meist nicht präzise beantworten. Mangelnde Vorsicht und Erfahrung spielen eine nicht zu unterschätzende Rolle. Dramatisch wird es, kommt Leichtsinn ins Spiel. Das zielt nicht allein auf das Verhalten am Berg ab, sondern auch auf die Reisevorbereitung: Wer bei der Ausrüstung nachlässig ist, riskiert Kopf und Kragen. Und wie sich zeigt, kommt man am Berg nicht ohne Polymere aus.

 
 

Achtung Schneegrenze! Wer in den Berg geht, sollte sich stets gut informieren und vor Überraschungen gefeit sein.

Die Meldung lässt einen den Kopf schütteln: In den Alpen wagte es sich ein Österreicher, in kurzen Hosen und Turnschuhen aus 3500 Metern Höhe abzusteigen – und starb an Unterkühlung [1]. Der Mann könnte vermutlich noch leben, hätte er sich im Vorfeld darüber informiert in welcher Höhe Niederschlag als Eisregen und Schnee erfolgt und Schnee nicht taut, sondern liegen bleibt.

Wo sich die Schneegrenze befindet, hängt vom Klima und der geografischen Breite ab. In tropischen Zonen, etwa in den Anden in Südamerika oder auf dem Kilimandscharo in Afrika, liegt sie zwischen 5500 bis 6500 Metern. In Island befindet sie sich bei 700 bis 1100 Metern, in Spitzbergen bei rund 400 Metern. In der Arktis und in der Antarktis fallen Schneegrenze und Meereshöhe meist zusammenfallen.

In den Alpen liegt die Schneegrenze, um auf unser Einstiegsbeispiel zurück zukommen, in einer Höhe von 3000 Metern. Wer sich dorthin wagt, in kurzen Hosen und nur mit Turnschuhen bekleidet, fordert unweigerlich sein Schicksal heraus. Die Chance, in Eis und Schnee umzukommen, steht, wie sich zeigt, nicht schlecht.

 
 

Planung und Vorbereitung sind das A und O

Es gibt kein schlechtes Wetter, nur die falsche Bekleidung, heißt es. Wie die Geschichte zeigt, ist der Mensch imstande, auch in der lebensfeindlichsten Umgebung zu überleben und sich eine Existenz aufzubauen. Extrembeispiele finden sich in den wüsten Regionen unseres Planeten, wo größte Trockenheit und Eiseskälte herrschen. Selbst am Nordpol und in der Sahara hat der Mensch Fuß gefasst. Essentiell war bei diesem Prozess nicht nur die Fähigkeit, Nahrungsquellen und Lebensraum zu erschließen, sondern auch, die verfügbaren Materialien und Werkstoffe aus der Umgebung sinnstiftend zu nutzen und daraus Kleidung, Behausung, Werkzeuge und Waffen herzustellen.

 
 

Es gibt auch beim Wandern kein schlechtes Wetter, nur die falsche Bekleidung.

Wer heutzutage in den hiesigen Breiten auf Wanderschaft geht, muss nicht mit Unwägbarkeiten und Gefahren rechnen, wie es vielleicht früher einmal der Fall gewesen sein mag. Er braucht keine Waffen, um Tiere zu erlegen oder Feinde abzuwehren. Lebensmittel lassen sich leicht erwerben und allenthalben finden sich Übernachtungsmöglichkeiten. Vorausgesetzt, man bewegt sich innerhalb einer intakten Infrastruktur.

Wer erfolgreich Wüsten durchwandern oder Bergeshöhen erklimmen will, braucht einiges mehr. Von Vorteil erweisen sich erste Outdoor-Erfahrungen, gewisse Fertigkeiten, die das Leben in freier Natur erleichtern, und nicht zuletzt eine zumindest rudimentäre Vorbereitung hinsichtlich dessen, was man mit auf die Reise nehmen möchte oder sollte. Schließlich lassen sich bestimmte Bedürfnisse wie Essen, Trinken und Wohnen nur selten unmittelbar am Berg in gewohnter Manier befriedigen. Auch sind mitunter Lebensmittel und Bekleidungsgegenstände auf dem Marsch mitzuführen. Was der Markt Liebhabern von Ausflügen in die freie Natur zu bieten hat, zeigt die Tour Natur, die Nummer eins Messe für Wandern und Trekking, vom 5. bis 7. September 2014 auf dem Gelände der Messe Düsseldorf.

Der Versuch, einen Fokus auf alle das Wandern relevanten Details zu legen, ist bereits im Ansatz zum Scheitern verurteilt, zu mannigfaltig und different erweist sich die Ausrüstung, die fürs Wandern, Klettern oder Trekking benötigt wird. Allerdings gilt: Wer auf Wanderschaft geht, kommt nicht an polymeren Werkstoffen vorbei. Sie ersetzen nicht die Vorbereitung einer Reise, ohne sie aber glichen Ausflüge in die Natur einer Zeitreise in die Vergangenheit.

 
 

Bei der Durchführung auf die richtige Kleidung achten

Wer den Widrigkeiten der Natur die Stirn bietet will, braucht die richtige Einstellung zu einem Leben unter freiem Himmel und er benötigt eine Bekleidung, die strapazierfähig und flexibel ist gegenüber den Einflüssen von Sonne, Regen, Sturm, Schnee und Eis; sie sollte folglich Hitze, Kälte und Feuchtigkeit gleichermaßen gut trotzen.

 
 

Augen auf beim Bergschuhkauf: Die Art der Outdoor-Aktivität definiert, welcher Berg- oder Wanderschuh in Frage kommt. (Quelle: TourNatur)

Schuhe. Wenn die Füße schmerzen, kalt und nass sind, kann Wandern regelrecht zur Qual werden – ganz gleich wohin sie uns tragen. Deswegen gilt: Zeit nehmen beim Schuheinkauf. Und: Turnschuhe mögen vielleicht einen schnellen und schlanken Fuß machen in ebenem Gelände. Um sich jedoch sicher am Berg zu bewegen, taugen sie, wie unser Eingangsbeispiel zeigt, wenig.

Beginnen wir mit der Frage, was Sie gedenken zu unternehmen. Wie gesagt: Planung ist das A und O einer Reise. Für Flachlandtiroler mag ein Multifunktionsstiefel genügen, wer jedoch auf den Klettersteig oder ins Hochgebirge will, stellt andere Ansprüche an das Schuhwerk, zum Beispiel sollten Steigeisen montiert werden können, um ohne Risiko Gletscher und Schneefelder zu passieren. Moderne Wanderschuhe zeichnet vor allem eines aus: Es sind Hightech-Produkte, bestehend aus unterschiedlichen Materialien, u.a. Polymermaterialien, erhältlich für wenige oder für viel hunderte Euros.

Wanderschuhe sollten möglichst leicht am Fuß sein und einen hohen Tragekomfort besitzen; sie sollten den Füßen guten und bequemen Halt und einen sicheren Tritt bieten. Dieses Eigenschaftsprofil lässt sich nicht allein mehr von Leder gewährleisten. Hierfür bedient man sich inzwischen hochleistungsfähiger Materialien aus dem Labor.

Welcher Schuh genau der richtige für Sie ist, lässt sich im Beratungsgespräch mit den Fachleuten im Outdoor- beziehungsweise Schuhfachgeschäft klären. Unser Tipp: Probieren Sie Wanderschuhe idealerweise am Nachmittag an – wenn die Füße unter der Last des Tages etwas an Größe zugenommen haben. In diesem Fall gilt: einsteigen, zuschnüren und loslaufen, am besten eine Schräge hinauf und hinunter – so etwas sollte ein Geschäft haben, das Bergschuhe verkauft. Unter diesen simulierten Bedingungen prüfen Sie dann die Passform und das Abrollverhalten der Treter. Wenn alles passt, haben Sie eine Sorge weniger. Wie Sie den perfekte Schuh erkennen? Er „umschließt den Fuß wie eine zweite Haut und drückt nicht. Die Ferse sitzt bombenfest, der Mittelfuß wird gestützt, und die Zehen haben nach vorne und oben so viel Luft, dass diese beim Bergabgehen nicht anstoßen. Außerdem rollt die Sohle geschmeidig ab.“ [2, 3, 4]

 
 

Der Zwiebel unter die Haut geschaut

Wer draußen (Outdoor) unterwegs ist, muss sich für alle Fälle wappnen und adäquat kleiden; Schuhe sind sicherlich mit das Wichtigste, jedoch nicht alles. Wer steht schon gerne nackt im Regen?! Die ideale Wanderbekleidung ist buchstäblich vielschichtig und erinnert angelegt an den Schalenaufbau einer Zwiebel. Jede Bekleidungsschale oder -schicht erfüllt im Gesamtkontext eine oder mehrere Funktionen: Die innerste Schicht hält den Wanderer trocken, die mittlere isoliert und die äußere schützt.

Unterwäsche: Hauteng anliegen sollte sie und durchlässig sein für Schweiß und Geruch: Unterwäsche bildet die Basis der Outdoor-Bekleidung. Baumwolle mag sich angenehm auf der Haut anfühlen, zum Wandern und Bergsteigen ist dieses natürliche Material allerdings eher weniger geeignet. Es saugt Feuchtigkeit auf und transportiert sie nicht ab. Baumwolle fühlt sich, einmal tüchtig hineingeschwätzt, nass an auf der Haut, was Unbehagen hervorruft. Besser geeignet ist Unterwäsche mit einem hohen Anteil an Polyester (PE) oder Polypropylen (PP); diese Polymere verleihen der Unterwäsche die gewünschten Eigenschaften.

 
 

Auch am Berg immer gut und zweckmäßig angezogen: Bekleidung und Ausrüstung müssen Wind und Wetter trotzen.

Hose. Kleider machen Leute, auch am Berg. Wer in Jeans- oder Cordhose unterwegs ist, zählt zu den Amateuren und erntet von Wanderprofis ein verächtliches Grinsen. Um nicht alleine dazuzugehören, sondern auch (hoch)alpinen Ansprüchen zu genügen, greift man zu Funktionshosen aus Synthesefasern wie Polyester oder Softshell-Materialien, die häufig aus zwei oder drei laminierten polymeren Membranschichten bestehen. In der Regel besteht die Außenschicht aus einem mechanisch widerstandsfähigen und strapazierfähigen Material, es isoliert das Innenfutter und transportiert Feuchtigkeit ab. Besagtes Material kann aus Kunstfasern gewebte Stoffe oder Laminate enthalten; die Fasern lassen Feuchtigkeit gut durch, nehmen aber nur wenig Feuchtigkeit auf. Beispiele für synthetische Fasern sind: Polyester (PES), Polyamid (PA) oder Polypropylen (PP). Die Gewebe oder Gewirke sind meistens vor allem an Stellen höherer Belastung besonders robust ausgelegt, etwa im Scheuerbereich des Rucksackgurtes. Besonders weich und anschmiegsam sind sie hingegen dort, wo es auf Bewegungsfreiheit ankommt, und wasserdampfdurchlässig in Bereichen hoher Schweißaussonderung.

Jacke: Softshells sind leicht und leistungsstark und kombinieren die Funktionen einer äußeren und mittleren Bekleidungsschicht. Jacken aus diesem Material lassen sich auch als eine Art Kompromiss zwischen Fleece-Jacken und Regenjacken betrachten; sie helfen Gewicht einzusparen, was jeder zu schätzen weiß, der mit dem Rucksack unterwegs ist. Je nach Verarbeitung und Material kann Softshell ähnlich wie Fleece luftdurchlässig und wärmend, aber auch winddicht und widerstandsfähig sein. Softshell-Jacken sind in der Regel bei leichten Schneefällen oder leichten Niederschlägen wasserabweisend, nicht aber absolut wasserdicht (abhängig von der Wassersäule) sprich: bei Dauerregen weniger zu empfehlen. Ideale Begleiter sind Softshell-Jacken bei gemäßigten Temperaturen ohne starke Niederschläge. [5]

Funktionsjacke. Um auch extremen Wetterlagen und ungünstiger Witterung erfolgreich zu trotzen, muss sich der Wanderer und Bergsteiger präparieren und schützen. Funktionsjacken, hergestellt aus einem Polymer namens Polytetrafluorethylen (PTFE), besser bekannt als Teflon oder Gore-Tex, besitzen die Eigenschaft, Wasserdampf (Schweiß) hindurch, Wassertropfen wie Regen aber abzuweisen. Die Membranfunktion ist überaus wichtig, da sie hilft, die Körpertemperatur auf einem guten Niveau zu halten, was wiederum Wohlbefinden und Leistungsfähigkeit beeinflusst. Gleichsam sollte die Funktionsjacke strapazierfähig sein gleichzeitig geringem Eigengewicht – dieses Eigenschaftsprofil erfüllen Polymere wie kaum ein anderes Material.

 
 

Wenn die Schneegrenze überschritten wird, gilt am Berg Obacht: Fehler bei Bekleidung und Ausrüstung kommen mitunter teuer zu stehen. Seile können Leben retten.

Das es noch ein bisschen (Poly)me(h)r sein?

Polymere werden nicht allein zur Herstellung von Wanderbekleidung eingesetzt, auch bei vielen anderen wichtigen Ausrüstungsgegenständen, die Outdoor Verwendung finden. Polymere sind Bestandteil von Sonnen- und Gletscherbrillen, bei deren Kauf man sich sinnvollerweise gut beraten lassen sollte [6]; vor Steinschlag schützt (ganz wichtiger im Klettersteig) Bergsport- oder Kletterhelm – aufgebaut aus einem widerstandfähigen, schlagzähen Hardpolymer oder Polymerverbund in der Außenschale, bestehend aus zum Beispiel Polycarbonaten oder Acrylnitril-Butadien-Styrol-Copolymerisat (ABS), verstärkt mittels Glas-, Aramid- oder Kohlenstofffasern. Um den Tragekomfort zu fördern, ist der Helm innen an der Tragefläche vollständig weich gedämpft, etwa mit Ethylenvinylacetat (EVA) und / oder einem Polymerschaumstoff (Expandiertes Polystyrol, EPS).

Je nachdem, wohin der Weg Sie führt und was Sie gedenken zu tun, etwa Sport-, Alpin- oder Eisklettern oder Gletschertouren, sind Sie auf eine Seilschaft angewiesen. Im Bergsport verbinden sich die Wanderer mit Seilen, von denen unterschiedliche Typen verfügbar sind, namentlich Einfachseil, Halbseil und Zwillingsseil. Da Seile am Berg, aber auch bei der Berg- und Höhenrettung, vor allem als Absturzsicherung dienen, werden sie nach ihrer Gebrauchsdehnung unterschieden. Welches Seil Ihren Zwecken dienlich ist, sollten Sie auf jeden Fall mit einem Fachmann – etwa auf der TourNatur in Düsseldorf – erörtern. Im Internet finden Sie erste Anhaltspunkte [7]. Apropos: Moderne Kletterseile bestehen aus Polyamid und weisen eine Kernmantelkonstruktion aus verflochtenen Fasern auf.

 
 

Rucksack, Zelt, Schlafsack, Seil ... Polymere Werkstoffe erfüllen bei Bergtouren und anderen Outdoor-Aktivitäten eine wichtige Funktion.

Sollten Sie einmal etwas länger unterwegs sein, brauchen Sie einen robusten, Wasser abweisenden Rucksack aus Nylon oder Polyvinylchlorid (PVC), versehen mit einem hinreichend großen Stauraum. Ein Zelt könnte auch von Nutzen sein und auch ein Schlafsack. Der britische Outdoor-Spezialist Bear Grylls, bekannt aus der Fernsehserie „Ausgesetzt in der Wildnis“, schwört in seinem Buch „Draußen überleben“ [8] auf ein Geodät-Zelt, das ihm auch bei seiner Besteigung des Mt. Everest gute Dienste erwiesen hat. Für die Herstellung derartiger Zelte dienen ultraleichte, extrem widerstandfähige Polymermaterialien wie Kerlon und Nylon. Für ein wohliges Klima in der Nacht sorgt allerdings nicht zuletzt Ihr Schafsack. Auch hier dominieren, wie kann es anders sein, Kunststoffe wie Nylon im Außen- und Polyester als Füllmaterial. Falls Sie nach einem Outdoor-Schlafsack für Ihre Tour suchen, sollten Sie sich über Reiseziel, Einsatzzweck und die Temperaturen am Einsatzort im Klaren sein. Wenden Sie sich an einen Experte – in einem Fachgeschäft in Ihrer Nähe, oder auf der Tour Natur, die Nummer eins Messe für Wandern und Trekking, vom 5. bis 7. September 2014 auf dem Gelände der Messe Düsseldorf. Damit sind Sie immer bestens beraten...

Autor:
Guido Deußing
Redaktionsbüro GDeußing
Uhlandstraße 16
41464 Neuss
www.pressetextkom.de

Abbildungen: istockphoto

 
 

Quellen und weitere Informationen

[1] Rheinische Post, 27.08.2014, D10
[2] www.outdoor-magazin.com/service/die-perfekte-ausruestung-beim-wandern-und-trekking.204223.3.htm?skip=8
[3] www.outdoor-magazin.com/service/camp-equipment/kaufberatung-wanderstiefel-top-wanderschuhe-und-nuetzliche-tipps.453001.3.htm
[4] www.bergzeit.de/magazin/wanderstiefel-im-test-aku-transalpina-gtx-ws/
[5] http://de.wikipedia.org/wiki/Softshell
[6] www.bergzeit.de/sportbrillen-info/
[7] www.bergzeit.de/kletterseile/
[8] Bear Grylls. Draußen (über)leben. Piper Verlag GmbH, München 2014