Design als Mehrwert der Produktentwicklung

Die Entwicklung neuer Technologien und Produkte setzt die Zusammenarbeit interdisziplinärer Teams mit unterschiedlichen Herangehensweisen und Denkmustern voraus. Das FuE-Projekt Smart Tools for Smart Design des Netzwerkes smart³ findet eine gemeinsame Sprache für diese Zusammenarbeit unterschiedlicher Disziplinen im Bereich intelligenter Werkstoffe und verzahnt Designer und Ingenieure stärker in ihrer Projektarbeit. So können innovative Produkte für Produktion, Lifestyle und Gesundheit entstehen. Auf dem Abschlusssymposium am 24. Mai präsentieren die Projektverantwortlichen ihre Ergebnisse und Erkenntnisse zur interdisziplinären Zusammenarbeit.

Bei der Entwicklung innovativer Produkte arbeiten oft Teams verschiedener Disziplinen mit unterschiedlichen Denkmustern zusammen. Zur Lösung einer Aufgabe verfolgen die Teammitglieder dabei je nach fachlichem Hintergrund unterschiedliche Herangehensweisen. Tendieren Ingenieure dazu, gradlinig eine Problemlösung zu fokussieren, sind Designer in ihrer explorativen Arbeitsweise offener für neue Ansätze und agieren spielerisch bei der Umsetzung ihrer Ideen.

Die Zusammenarbeit zwischen Technologie und Gestaltung ermöglicht völlig neue Produktkonzepte. Quelle: weißensee kunsthochschule berlin / smart³

Das Forschungs- und Entwicklungsprojekt „Smart Tools for Smart Design“ hat sich zum Ziel gesetzt, für genau diese unterschiedlichen Denk- und Arbeitsweisen von Ingenieuren und Designern eine gemeinsame Sprache zu finden und so eine produktive Zusammenarbeit der Disziplinen zu ermöglichen. Design und Technologie sollen möglichst früh im Entwicklungsprozess miteinander verzahnt werden, um innovative, zukunftsweisende Produkte und Technologie zu schaffen. „Das Projekt wurde aus der Erkenntnis geboren, dass Ingenieure zwar die Fähigkeit besitzen, innovative Funktionslösungen für smart materials zu entwickeln, diese jedoch nicht öffentlichkeitswirksam präsentieren können“, so Linda Weisheit, Projektverantwortliche beim Fraunhofer-Institut für Werkzeugmaschinen und Umformtechnik IWU. „Daher wollten wir Design von Beginn an in den Entwicklungsprozess integrieren. Um dies möglich zu machen, mussten Werkzeuge entwickelt werden, die die Designer befähigen, die Materialien und ihre speziellen Eigenschaften, Potenziale und Grenzen intuitiv zu verstehen.“

Materialkarten, DIY-Kits und Demonstratoren aus dem Projekt Smart Tools for Smart Design zur Vermittlung von Werkstoffwissen an Kreative. Quelle: weißensee kunsthochschule berlin

„Smart Tools for Smart Design“ ist ein Projekt des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Innovationsnetzwerkes smart³ unter Führung des Fraunhofer IWU. In dem interdisziplinären Netzwerk arbeiten Ingenieure, Designer, Sozial- und Wirtschaftswissenschaftler sowie Unternehmer gemeinsam am kommerziellen Durchbruch von Produkten auf Basis sogenannter smart materials. Hierbei handelt es sich um Werkstoffe, deren Eigenschaften selbständig bei veränderten Umweltbedingungen variieren bzw. gezielt über Einflussfaktoren wie Temperatur, elektrische und mechanische Energie beeinflusst werden können. Die Erhöhung der Akzeptanz dieser noch relativ unbekannten Werkstoffe sowie deren Anwendung in Produktions- und Medizintechnik, Lifestyleprodukten und Verkehrsmitteln erfordert genau diese Kooperation über Denkmuster und Disziplinen hinweg.

Wissenschaft entsteht vor allem im Gespräch

Die Ergebnisse aus dem Projekt „Smart Tools for Smart Design“ unterstützen den Austausch zwischen Ingenieuren und Designern in smart³ und erleichtern damit den vom Netzwerk angestrebten Paradigmenwechsel zur Integration der Funktionalität direkt in die Werkstoffstruktur intelligenter Produkte. Dazu bündelten die Werkstoffexperten verschiedener Fraunhofer-Institute ihr Fachwissen über die im Netzwerk smart³ betrachteten Materialien Piezokeramiken, Formgedächtnislegierung und elektroaktive Polymere in Form einer speziellen Werkstoffdatenbank. Diese wurde anschließend von den Designexperten der weissensee kunsthochschule berlin um designrelevante Parameter erweitert. Darauf aufbauend entstanden mit den „Smart Tools“ Hilfsmittel zur Vermittlung des Werkstoffwissens an technische Laien. Diese Material- und Fallstudienkarten, Demonstratoren, DIY-Kits und Videoclips wurden im Rahmen von „Smart Design“-Pilotprojekten und Workshops zur Wissensvermittlung an internationalen Designstudenten erprobt und optimiert. „Bereits zu Beginn des Projektes zeigte sich aber, dass der Fokus nicht auf der Entwicklung dieser Tools liegt, sondern wir zunächst eine Kommunikationsbasis schaffen mussten, sozusagen eine gemeinsame Sprache finden.“, rekapituliert Weisheit die Zusammenarbeit. „Nicht nur die Gestalter wurden befähigt, mit der Technologie umzugehen, auch die Technologen haben gelernt, mit Designern zusammenzuarbeiten. Das Projekt hat eindrucksvoll gezeigt, dass Wissenschaft vor allem im Gespräch entsteht.“

Abschlusssymposium am 24. Mai 2016 in Berlin

Das smart³-Projekt „Smart Tools for Smart Design“ schafft damit eine gute Grundlage für die erfolgreiche Zusammenarbeit im Entwicklungsprozess smarter Produkte über die Grenzen einzelner Disziplinen hinweg. Vorgestellt werden die Ergebnisse des Projekts auf dem Abschlusssymposium am 24. Mai 2016 in Berlin. Alle Interessierten sind dazu herzlich an die weißensee kunsthochschule berlin eingeladen. Ab 16 Uhr werden die Projektverantwortlichen ihre Arbeit und die entstandenen Ergebnisse präsentieren sowie erste darauf aufbauende Projekte vorstellen.

Weitere Informationen unter www.smarthoch3.de.

Quelle
Fraunhofer-Gesellschaft