24.08.2012

Deutsche Gesellschaft für Kardiologie - Herz- und Kreislaufforschung e.V.

Deutlich weniger Herzinfarkte nach Rauchverboten

Vom 25. bis 29. August 2012 findet in München der Europäische Kardiologenkongress (ESC) statt

„Neue deutsche Studien zeigen, dass Nichtraucherschutz-Gesetze einen sehr positiven Einfluss haben. Aus kardiologischer Sicht sollte also der Weg der Rauchverbote und des Nichtraucherschutzes in öffentlich zugänglichen Orten konsequent weiter gegangen werden.“ Das sagte Prof. Dr. Georg Ertl (Würzburg), Präsident der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie), heute auf einer Pressekonferenz anlässlich des Europäischen Kardiologenkongress, bei dem von 25. bis 29. August in München 30.000 Teilnehmer aus 150 Ländern zusammenkommen.

Minus 26 % Herzinfarkte bei Passivrauchern, -16 % in der Gesamtgruppe, -4 % bei Rauchern

Eine neue Studie (Dr. Johannes Schmucker, Bremer STEMI-Register, 3545 STEMIs) zeigt, dass sich Nichtraucherschutz-Gesetze auf die Häufigkeit von STEMI (ST-Hebungsinfarkt), der gefährlichsten Herzinfarkt-Form, positiv auswirken. Nach der Einführung der Nichtrauchergesetze in Bremen reduzierte sich in den Jahren 2008 bis 2010 bei Nicht- bzw. Passivrauchern der Anteil von STEMI um 26 Prozent, bei Rauchern um vier Prozent, und in der Gesamtgruppe um 16 Prozent.

Deutlich weniger Krankenhausaufnahmen wegen Angina Pectoris und Herzinfarkt

Die Daten aus Bremen bestätigen die Ergebnisse einer soeben veröffentlichten Studie, bei der 3,7 Millionen bei der Deutschen Angestellten Krankenkasse Versicherte fünf Jahre lang beobachtet wurden. Nach Einführung der Nichtrauchergesetze wurde ein Rückgang der stationären Krankenhausaufnahmen aufgrund von Angina Pectoris um 13,3 Prozent und aufgrund von akuten Herzinfarkten um 8,6 Prozent registriert (Quelle: Rauchverbote und Herzgesundheit, SuchtMagazin 3&4 2012, Gohlke et al.). Prof. Ertl: „Die Daten aus Bremen zeigen nun, dass es Passivraucher sind, die von Rauchverboten besonders profitieren.“

ESC-Kongress: Neue Studien über die Gefährlichkeit des Rauchens

Auf dem ESC-Kongress werden wieder zahlreiche neue Studienergebnisse zur Gefährlichkeit des Rauchens präsentiert. Sie zeigen zum Beispiel,
• dass auch Menschen, die nur kurze Zeit rauchen, ein deutlich höheres Risiko für Diabetes-Vorstufen (Prädiabetes) als Nichtraucher haben. Bereits fünf bis zehn Packungs-Jahre (Anzahl der Raucherjahre x die Zahl der täglich konsumierten Zigarettenpackungen) führten in der untersuchten Gruppe von jungen und gesunden Erwachsenen bei Rauchern zu einem mehr als doppelt so hohen Risiko, Prädiabetes zu haben (GAPP-Studie, Basel und Liechtenstein);

• dass aktives und passives Rauchen bereits bei Jugendlichen zu einer Zunahme der Wanddicke der Halsschlagader führen kann, so eine Studie aus der Schweiz (Dr. Julia Dratva, Basel). Das gilt als Hinweis auf frühe arteriosklerotische Gefäßwandprozesse; und

• dass Passivrauchen bei gesunden Nichtrauchern eine ungünstige Wirkung auf die Blutplättchen-Aktivitäten hat: Bei längerfristigem Passivrauchen steigt bei Gesunden das Risiko thrombotischer, also durch den Verschluss von Blutgefäßen bedingter Zwischenfälle. (Doz. Dr. Mehmet Güngör Kaya, Erciyes Universität).

Derzeit rauchen weltweit rund eine Milliarde Menschen. 2012 werden etwa sechs Millionen Menschen – darunter 600.000 Nichtraucher – dem Zigarettenrauchen zum Opfer fallen, es ist damit für rund zehn Prozent aller Todesfälle verantwortlich (Quelle: WHO).

Deutsche Herz-Medizin ist internationale Spitze

Mit dem ESC-Kongress, der morgen in München beginnt, wird Deutschland bereits zum 5. Mal zum Zentrum der internationalen Herzmedizin. Prof. Ertl: „Dass sich der größte europäische Medizinkongress wieder für den Standort Deutschland entschieden hat, ist auch eine Auszeichnung für die deutsche Kardiologie und für das Engagement unserer Herzspezialisten innerhalb der ESC. Dieses Engagement drückt sich unter anderem in unserem intensiven wissenschaftlichen Engagement bei diesem ESC-Kongress aus.“

Bei den wissenschaftlichen Arbeiten, die für die Präsentation ausgewählt wurden, ist die deutsche Kardiologie die Nummer eins: Von den rund 4200 präsentierten Arbeiten stammen 571 aus Deutschland. Zum Vergleich: Nummer zwei ist Japan mit 517 und Nummer drei Italien mit 378.

Fortschritte der Herzmedizin tragen am meisten zu längerer Lebenserwartung bei

„Das alles ist nicht nur von rein wissenschaftlicher Bedeutung, so Prof. Ertl. „Die beeindruckenden Fortschritte der modernen Kardiologie tragen, indem sie die Sterblichkeit bei Krankheiten des Kreislaufsystems kontinuierlich senken, maßgeblich zur Verlängerung unserer Lebenserwartung bei – mehr als jede andere medizinische Disziplin. Die Erkenntnisse in der Kardiologie haben innerhalb der letzten 30 Jahre zu einer Reduktion der Sterblichkeit um 70 Prozent geführt. Zwischen 2000 und 2010 ist in Deutschland die Sterblichkeit bei akutem Herzinfarkt und den ischämischen Herzkrankheiten (= Herzinfarkt; Krankheiten als Folge schlechter Durchblutung) um etwa 20 Prozent gesunken.“

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