17.04.2015

Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung (ISI)

Deutsche Industrie setzt auf den Forschungsstandort Deutschland

Wie neue Zahlen aus der Erhebung „Modernisierung der Produktion“ des Fraunhofer ISI unterstreichen, verlagerten in den letzten Jahren nur wenige deutsche Industriebetriebe Forschungs- und Entwicklungskapazitäten (FuE) ins Ausland. Ein Ausverkauf deutscher Entwicklungskompetenz, wie noch Mitte der 2000er Jahre befürchtet, lässt sich nicht konstatieren. Der Forschungsstandort Deutschland muss sich aber in diversen Technologiefeldern verbessern, damit neue Schlüsseltechnologien künftig nicht im Ausland entwickelt werden. Alle Untersuchungsergebnisse zu den Verlagerungsaktivitäten im FuE-Bereich sind in der neuen Mitteilung Nummer 68 aus der Erhebung „Modernisierung der Produktion“ nachzulesen.

Nur etwa 1,4 Prozent der deutschen Industrieunternehmen verlagerten zwischen 2010 und 2012 Forschungs- und Entwicklungskapazitäten (FuE) ins Ausland – dies belegen neue Untersuchungsergebnisse aus der Erhebung „Modernisierung der Produktion“, die das Fraunhofer ISI alle drei Jahre durchführt. Die Zahlen wiederlegen die Annahme, dass Entwicklungskompetenzen zunehmend aus Deutschland abwandern könnten. Der Anteil deutscher Industriebetriebe mit eigenen FuE-Kapazitäten im Ausland lag 2012 insgesamt bei etwa 5 Prozent.

Dr. Christoph Zanker, Autor der neuen Mitteilung 68 „Globale FuE-Aktivitäten deutscher Unternehmen“, beurteilt die Zahlen wie folgt: „Unsere Untersuchungsergebnisse verdeutlichen, dass deutsche Industrieunternehmen aus dem Verarbeitenden Gewerbe in den letzten Jahren deutlich weniger Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten ins Ausland verlegten als noch Mitte der 2000er Jahre. Ein ganz ähnliches Bild zeigte sich zuvor bereits für die Produktionsverlagerungen, was die Attraktivität des Produktions- und Forschungsstandortes Deutschland unterstreicht“. Laut Djerdj Horvat, Co-Autor der Studie, forschen vor allem deutsche Großbetriebe vermehrt im Ausland: „Immerhin 60 Prozent der großen deutschen Industrieunternehmen verfügen über ausländische Forschungssandorte. Bei größeren Mittelständlern liegt die Zahl immerhin noch bei 17 Prozent, bei kleineren und mittleren Unternehmen je nach Beschäftigtenzahl nur noch zwischen zwei und sechs Prozent“. Bei einer Betrachtung der FuE-Verlagerungsaktivitäten zwischen 2010 und 2012 nach Branchen fallen vor allem Betriebe aus dem Hightech-Sektor wie dem Fahrzeugbau (22%), der Chemischen Industrie (14%) sowie der Elektro- und Maschinenbauindustrie (zusammen etwa 30%) auf.

Die Untersuchungsergebnisse geben zudem Auskunft darüber, in welche Länder und Regionen die deutschen Unternehmen ihre FuE-Aktivitäten zuletzt am häufigsten auslagerten: Die wichtigste Zielregion war mit 57 Prozent weiterhin Europa, das jedoch im Vergleich zum Zeitraum von 2007 bis 2009 einen Rückgang von 14 Prozent zu verzeichnen hat. Auf China entfielen zuletzt dagegen 36 Prozent der Auslagerungen, was einer Verdoppelung entspricht. Ein weiterer attraktiver Verlagerungsstandort war mit 15 Prozent Nordamerika.

„Trotz der positiven Befunde sollten die Anstrengungen zur Weiterentwicklung des industriellen Forschungsstandorts Deutschland nicht zurückgefahren werden, im Gegenteil“, so Zanker. Bereits heute sei der Engpass auf der Angebotsseite für qualifiziertes FuE-Personal deutlich zu spüren. In der Zukunft könnte sich der Fachkräftemangel weiter verschärfen und die Unternehmen wieder stärker ins Ausland treiben. Aktuell zeichnen sich zudem in vielen Technologiefeldern Innovationssprünge ab. Zum Beispiel gewinnen derzeit Informations- und Kommunikationstechniken in Kernbranchen der deutschen Industrie massiv an Bedeutung. Deutschland gehört aber nicht in allen Technologiebereichen zur Weltspitze, weshalb Betriebe die Entwicklung neuer Schüsseltechnologien zukünftig an ausländischen Standorten vorantreiben könnten, um international nicht den Anschluss zu verlieren – damit ginge jedoch eine ernsthafte Schwächung des Innovationsstandortes Deutschland einher.

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