18.03.2015

Deutsche Physikalische Gesellschaft (DPG)

Deutschlands Physik-Nationalteam steht fest

Das Team, das Deutschland im Sommer beim internationalen Physik-Weltcup (IYPT) in Thailand vertreten wird, ist am Wochenende von einer Jury am Schülerforschungszentrum Ulm ausgewählt worden. Eine faustdicke Überraschung: In der vermeintlichen Männerwelt Physik wird das Nationalteam in diesem Jahr zu 80 Prozent aus Frauen bestehen. Insgesamt waren zehn Schülerinnen und Schüler aus ganz Deutschland, die sich im Vorfeld bei der deutschen Physikmeisterschaft in Dachau qualifiziert hatten, beim Auswahlworkshop angetreten.

Die Nationalmannschaft besteht nun aus der Hamburgerin Dominika Stronczek, der Ulmerin Sina Hartung, Ann-Kathrin Raab aus Rosenheim, Carina Kanitz aus Erlangen und dem Bayreuther Jonas Landgraf. Alle sind zwischen 16 und 18 Jahren alt.

Es sei ein richtig starkes Team, was sich da gefunden habe, lobte der Teamchef der jungen Physiker, der Ulmer Physiker Dr. Rainer Reichle. Im Juli werden sich die fünf nun mit etwa dreißig anderen Teams beim so genannten IYPT (International Young Physicists Tournament) in Thailand messen. Dabei wird das deutsche Team mit seinen aus der ganzen Welt anreisenden Konkurrenten, Debatten führen zu Lösungsansätzen für verzwickte physikalische Probleme – und das Ganze in Englisch. Eine internationale Fachjury bewertet diese Diskussionen.

Dass sich das Team inzwischen bundeweit zusammensetzen kann, geht auf die Initiative des Schülerforschungszentrums Südwürttemberg (SFZ) zurück. Gemeinsam mit der Deutschen Physikalischen Gesellschaft (DPG) und finanziert von der Wilhelm und Else Hereaus-Stiftung hat das SFZ vor drei Jahren begonnen, in ganz Deutschland Stützpunkte anzuregen, an denen Schülerinnen und Schüler auf die Wettkämpfe vorbereitet werden. „Es kann ja nicht sein, dass nur in Süddeutschland talentierte Jugendliche zu finden sind“, sagt Tobias Beck, der Leiter des SFZ. Bis vor wenigen Jahren kamen die Teilnehmer am internationalen Wettbewerb immer aus Baden-Württemberg.

Gemeinsam mit engagierten Lehrerinnen und Lehrern sowie Universitäten findet die Talentsuche und Förderung nun an bundesweit zehn Standorten statt und weist guten Jugendlichen frühzeitig den Weg in eine Leistungsspitze. Beim Auswahlworkshop in Ulm wurden die Jugendlichen von einem Stab an Experten betreut zu dem auch zwei Professoren der Uni Ulm gehören.

Im Workshop konnten sich die fünf Teammitglieder klar gegen ihre Mitbewerber durchsetzen. „Wir haben nicht nur nach fachlichen Kriterien ausgewählt. Teamgeist, Engagement, Leistungsbereitschaft und Kommunikationsfähigkeit sind genauso wichtig um ins Team zu kommen“, sagte Dr. Rainer Reichle. Nach einer Präsentation vor Experten, Diskussionsrunden sowie dem Check der Experimentierfähigkeiten im Labor, stand die Auswahl schließlich fest. Bis zum Turnier im Sommer haben die Sieger nun aber vor allem Hausaufgaben mitgenommen.

Denn das Team muss jetzt 17 physikalische Probleme bearbeiten und Lösungen entwickeln, die es dann im internationalen Turnier zu verteidigen gilt.

Doch auch die fünf Workshopteilnehmer, die es nicht bis ins erste Team geschafft haben, sind keine Verlierer. Sie werden nach Ostern als Gast an den nationalen Physikmeisterschaften in Österreich teilnehmen – und in ihrer Vorbereitung eng mit dem ersten Team zusammenarbeiten.

Quelle und weitere Informationen