06.11.2013

Humboldt-Universität zu Berlin

Die Verwundbarkeit der Wirtschaft durch "Peak Oil"

In den Industriegesellschaften sind große Teile der Wirtschaft von Erdöl abhängig: Der Rohstoff dient als Heizmaterial in Haushalten, stellt Treibstoff für Verkehrs- sowie Transportmittel bereit und ist Grundstoff in der chemischen Industrie. Als fossiler, nicht nachwachsender Rohstoff steht Erdöl nur begrenzt zur Verfügung. Welche Bedrohungen für ein gesamtwirtschaftliches System entstehen können, wenn die maximale Förderrate der weltweiten Erdölproduktion – der sogenannte Peak Oil – erreicht ist, zeigt die Studie „Economic vulnerability to Peak Oil“.

Die Ergebnisse von Erstautor Dr. Christian Kerschner, derzeit Fellow am Integrativen Forschungsinstitut zu Transformationen von Mensch-Umwelt-Systemen (IRI THESys), wurden nun in der aktuellen Ausgabe der Global Environmental Change veröffentlicht. Ebenfalls an der Studie beteiligt sind Christina Prell, Kuishuang Feng und Klaus Hubacek von der University of Maryland, USA.

Am Beispiel des US-amerikanischen Wirtschaftsmarktes identifiziert das internationale Forscherteam Sektoren, deren Verwundbarkeit in Bezug auf das Phänomen Peak Oil besonders hoch ist: „Die US-Wirtschaft als weltweit größter Ölkonsument ist ein gutes Beispiel für eine Wirtschaftsform mit hoher Ressourcenabhängigkeit“, erklärt Dr. Christian Kerschner. „Kommt es zur Erdölknappheit bedingt durch Peak Oil, droht ein Zusammenbruch der Versorgungsketten. So sind beispielsweise die Sektoren Eisenhütten, Chemie- und Plastikindustrie, Düngemittelproduktion sowie Luftverkehr besonders abhängig von der Erdölförderung und somit außerordentlich anfällig. Sie stellen für die gesamte US-Wirtschaft ein Risiko dar“, sagt der Ökologische Ökonom. Diese Wirtschaftszweige sind einerseits von großer finanzieller und struktureller Wichtigkeit, andererseits werden sich ihre Produkte maßgeblich beim Erreichen des Peak Oil verteuern.

Laut Studie können diese Risiken für ein Wirtschaftssystem jedoch verringert werden: „Hierfür müsste die strukturelle und finanzielle Bedeutung der als anfällig herausgearbeiteten Sektoren reduziert werden“. Ein Beispiel: Die Bedeutung synthetischer Düngemittelproduktion könnte sich verkleinern, wenn stattdessen biologische Anbaupraktiken adäquat gefördert würden. „Unsere Erkenntnisse bieten ein Frühwarnsystem für die gefährdeten Sektoren und für jene, die von ihnen abhängen. Unser Ziel ist es, Regierungen, die Öffentlichkeit und Unternehmen über die Gefahren zu informieren und ihnen Werkzeuge für einen politischen Peak-Oil-Aktionsplan zur Verfügung zu stellen und somit die Weichen für eine sichere wie nachhaltigere Wirtschaft zu stellen“, fasst Dr. Christian Kerschner zusammen.

Das Analyseinstrumentarium der Forschergruppe ist nicht nur auf das Phänomen Peak Oil beschränkt. Der Ansatz lässt sich darüber hinaus auf andere Umweltherausforderungen übertragen. So kann das Modell um weitere Analysedimensionen ergänzt werden, die beispielsweise konkrete Aussagen zur wirtschaftlichen Verwundbarkeit in Hinblick auf den Themenkomplex Klimawandel zulassen.

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