04.04.2013

Fachartikel Nr. 1

Die südostasiatischen Märkte: ein Utopia des Wachstums

Vom Einbruch der Weltkonjunktur 2008 und 2010 blieben die Wachstumschancen in Südostasien unberührt. Durch die Schaffung eines gemeinsamen Marktes in der ASEAN-Region (ASEAN Economic Community, AEC) bis 2015 ergeben sich für Unternehmen der Kunststoff- und Kautschukindustrie auf Wachstumskurs weitere Möglichkeiten – insbesondere vor dem Hintergrund der Konjunkturabschwächung in Europa und den USA. Hier ein Marktüberblick anlässlich der bevorstehenden K 2013, der weltgrößten Fachmesse für Kunststoff und Kautschuk, vom 16. bis 23. Oktober in Düsseldorf.

Die Association of Southeast Asian Nations (ASEAN) zählt 600 Millionen Verbraucher und steuert einen optimistischen Wachstumstrend an. Die Exportumsätze sind zwar eng mit den USA und Europa verknüpft, aber der Verlagerungstrend hin zum regionalen Konsumentenmarkt hat sich zwischenzeitlich verstärkt und die Gruppe so gegen die weltweite Krise abgefedert. Die Kunststoffindustrie in der Region hat ein durchschnittliches jährliches Wachstum von 9 % erzielt, trotz der negativen Auswirkungen von sinkender Nachfrage, volatilen Preisen, Kapazitätsengpässen und Arbeitskräftemangel.

Es wird erwartet, dass Handelsabkommen wie das ASEAN Free Trade Agreement (AFTA) von 2010, das die Importzölle auf 0-5 % gesenkt hat, das ASEAN-Korea Free Trade Area (AKFTA), das Handelsabkommen mit China (ACFTA) und die Expanded Economic Engagement Initiative (3E) die Investitionschancen in der ASEAN-Region stärken werden. Diese Entwicklung wird voraussichtlich bis 2015 zusätzlich durch die ASEAN Economic Community (AEC) gefördert, die auf einen zollfreien gemeinsamen Markt und ein gemeinsames Produktionsumfeld zielt.

Eine verbesserte Wirtschaftslage und günstige Produktionsbedingungen in Singapur, Malaysia, Indonesien, Thailand und den Philippinen haben beträchtliche Investitionen in den südostasiatischen Markt für technische Kunststoffe angezogen. Laut Frost & Sullivan lag der Wert des Marktes 2011 bei 1,6 Milliarden Euro. Bis 2018 geht man von 3,2 Milliarden Euro aus – bei einem mindestens 10-15 %-igen Wachstum in diesen acht Jahren basierend auf den robusten Umsätzen mit Elektrogeräten und Fahrzeugen.
Darüber hinaus hat die Nachfrage nach kraftstoffsparenden Fahrzeugen, die CO2-Emissionsgrenzwerte einhalten, kleineren Turboladermotoren und Leichtbauteilen in der Region zugenommen, was den Markt der technischen Kunststoffe vorantreibt.

In Singapur entwickeln sich gedruckte oder organische Elektronik sowie „grüne“ Elektronik, Bioelektronik und Produkte für den Sicherheitsbereich derzeit zu Wachstumsmärkten für die Kunststoffindustrie des Landes. Laut dem Economic Development Board (EDB) macht gedruckte Elektronik schon jetzt 10 % der gesamten Elektronik-Produktion des Landes aus und wird bis 2020 um 30 % wachsen – bei einem Weltmarkt, für den BCC Research ein Wachstum auf mehr als 9,4 Milliarden Euro bis 2016 prognostiziert.
Der Markt für biologisch erneuerbare Rohstoffe, für den laut Frost & Sullivan eine Wachstumsrate von über 19 % bis 2018 erwartet wird (Strategic Analysis of the Asia-Pacific Biorenewable Materials Market), ist Ziel der von der thailändischen Regierung initiierten Strategie zur Positionierung des Landes als Zentrum für Biokunststoffe bis 2021.

Der Erfolg hängt dabei auch von der thailändischen Produktionskapazität für biobasierte Polymilchsäuren (PLA) ab, die laut der National Innovation Agency (NIA) von Thailand und dem nova-Institut in Deutschland bis 2020 auf 721.000 Tonnen ansteigen wird. Dem gegenüber steht eine PLA-Kapazität in Asien, für die ein Wachstum auf mehr als 350.000 Tonnen erwartet wird. Die überwiegende Menge wird dabei jedoch in den Export gehen, da die Binnennachfrage weiterhin schwach bleibt.

Ein Vorreiter im Verpackungssektor ist Indonesien, mit einer beträchtlichen Binnennachfrage aus der Lebensmittel-, Getränke- und Pharmaindustrie. Der Umsatz in diesem Sektor ist 2012 um 11 % auf 3,27 Milliarden Euro gestiegen. Der Kunststoffverbrauch in Indonesien stieg 2012 auf 3 Millionen Tonnen, wobei die Verpackungsindustrie für Lebensmittel und Getränke fast 70 % des Gesamtkunststoffeinsatzes ausmachte.

Inzwischen wird für die Medizintechnik-Branche in Malaysia ein Wachstum auf 1,27 Milliarden Euro bis 2015 erwartet. Mit 190 Medizintechnikfirmen, die Handschuhe, Katheter, Injektionsnadeln, Kontaktlinsen, orthopädische und andere hochwertige Produkte herstellen, wurde die Branche im Rahmen des Programms für wichtige Wirtschaftsbereiche (National Key Economic Area, NKEA), zur Prioritätsbranche erklärt. Sie ist gemäß der malaysischen Investitionsförderungsbehörde (Malaysian Investment Development Authority, MIDA) darauf ausgerichtet, den wachsenden regionalen Bedarf zu decken, der durch eine alternde Bevölkerung, besseren Zugang zur Gesundheitsversorgung, Änderungen im Lebensstil und einen sich abzeichnenden Trend zum Medizintourismus entsteht.
Obwohl der Kunststoffsektor in Vietnam 2011 um 15-20 % gewachsen ist und bis 2020 ein weiteres Wachstum erwartet wird, ist er möglicherweise nicht wettbewerbsfähig, da das Land in diesem Bereich nach wie vor stark auf Rohstoff- und Maschinenimporte angewiesen ist.

Währenddessen zeigen die Unterschiede in der Wirtschaftsleistung einiger ASEAN-Mitgliedsstaaten im Automobilsektor, dass die Nachfrage und andere Variable, darunter Regierungsunterstützung, verbesserte Anlagen- und Standortbedingungen, eine Rolle für das Wachstum spielen. So könnte die schwache Nachfrage nach Fahrzeugen auf den Philippinen zur Schließung einiger bestehender Fahrzeugproduktionsanlagen führen. Die vergleichsweise kleine Branche könnte sich wiederum negativ auf den Verbrauch von technischen Kunststoffen und Kautschuk auswirken, obwohl Polyvinylchlorid (PVC) von dem 6 %-igen Wachstum des Bausektors profitieren wird.
Dennoch bleibt Thailand nach wie vor das Zentrum der Automobilbranche in Asien, und der Sektor verzeichnet eine Wachstumsrate von ca. 8,1 % des BIP. Bis 2014 wird eine Kapazität von 2,3 Millionen Fahrzeugen prognostiziert. Die verschiedenen Freihandelsabkommen sowie die Regierungsunterstützung stärken Thailands Wettbewerbsfähigkeit.

Insgesamt wird ein gesunder Automobilsektor in der ASEAN-Region die Nachfrage stärken und dazu beitragen, die Preise für Kautschuk zu steigern, insbesondere bei den Top-Produktionsländern in Asien, namentlich in Thailand, Indonesien und Malaysia, die ca. 67 % der weltweiten Produktion ausmachen.


April 2013


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