01.11.2011

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EMS-GRIVORY: Zweite LFT-Anlage geht in Betrieb

Anfang November nimmt EMS-GRIVORY am deutschen Standort Groß-Umstadt seine zweite LFT-Anlage zur Herstellung von langfaserverstärkten Polyamiden in Betrieb.

Seit Start der ersten LFT-Anlage von EMS-GRIVORY im Januar 2008 hat die Nachfrage nach Langglasfaser- und Langkohlenstofffaser-verstärkten Polyamiden bei dem schweizer Spezialisten für Hochleistungspolyamide stetig zugenommen. Deshalb musste die Kapazität erweitert werden. Als Standort der neuen Produktionslinie wurde wieder Groß-Umstadt in Südhessen gewählt, um das dort aufgebaute LFT-Know-how optimal nutzen zu können. Die neue Anlage ist nach eigenen Angaben deutlich größer und leistungsfähiger konzipiert und soll die Gesamtkapazität nahezu verdreifachen. Über den genauen Umfang der jetzt installierten Jahreskapazität macht EMS keine Angaben, man sieht sich damit aber unter den größten Herstellern langfaserverstärkter Polyamide in Europa.

Auf beiden Anlagen sollen sowohl aliphatische Polyamide wie Grilon TS, teilaromatische Polyamide der Grivory GV-Familie, Hochtemperaturpolyamide der Grivory HT-Reihe als auch Grilamid PA 12-Typen als Basispolymere eingesetzt werden können. Als Langfaserverstärkung kommen sowohl Glasfasern als auch Kohlenstofffasern zum Einsatz. (s. plasticker vom 06.01.2010).

Anlagenkomponenten wurden optimiert
Für die neue Anlage wurde die bewährte Anlagentechnik der ersten Produktionslinie verwendet. Die technologisch entscheidenden Komponenten wurden nach Firmenangaben im Hinblick auf die Verarbeitung von Hochleistungspolyamiden weiter optimiert. Durch eine angepasste Schmelzeführung in Kombination mit einer hochpräzisen Temperaturregelung sollen so Polyamide mit Schmelzpunkten zwischen 178°C und 325°C für die Herstellung der Langfaserprodukte eingesetzt werden können. Die Faservorbehandlung wurde ebenfalls entscheidend weiterentwickelt, so EMS. Die Imprägnierqualität sei so exzellent, dass sie eine Granulatförderung mit Unterdruck sowohl beim Herstellungsprozess als auch bei der Spritzgussverarbeitung gestatte. Der Großteil der Produkte wird in Oktabins zu 1.000Kg geliefert.

Leichtere und thermisch stabile Bauteile setzen sich durch
Durch den Kapazitätsausbau werde auch wieder Entwicklungskapazität für die Erprobung weiterer, noch leistungsfähigerer Langfaserprodukte geschaffen, mit denen EMS den Metallersatz in noch höhere Leistungsklassen führen will. Schon jetzt überträfen die LFT-Polyamide Metalle in einigen Eigenschaften wie zum Beispiel in der spezifischen Festigkeit, der Kerbschlagzähigkeit und bezüglich der Dauerfestigkeit.

Die Marktnachfrage nach leichteren Bauteilen speziell im Fahrzeugbau und bei Sportartikeln wird den langfaserverstärkten Polyamiden weiter zu einem rasanten Wachstum verhelfen, so die Einschätzungen bei EMS. Wie Horst Heckel, Product Manager LFT bei EMS gegenüber dem plasticker erläuterte, wachse LFT unabhängig von der Konjunktur, da diese Werkstoffe bei vielen anspruchsvollen Metallersatz-Projekten ein Problemlöser seien. Daher geht man bei EMS davon aus, dass auch die neue Anlage in kurzer Zeit ausgelastet sein wird und weitere Investitionen in diese Technologie umgesetzt werden. So gibt es schon Überlegungen für eine dritte Anlage, die schon in drei bis fünf Jahren entstehen könnte, wobei deren Standort noch unklar sei.

In Groß-Umstadt wartet man unterdessen auf die letzten Zertifizierungen und Freigaben um noch diesen Monat den Normalbetrieb der neuen Anlage aufzunehmen.