12.03.2012

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Ein Vorgeschmack auf den Sommer: Düsseldorfer "boot 2012" mit mehr als 1 650 Ausstellern

Immer auch bietet diese Messe eine Gelegenheit, sich nicht nur über neue Entwicklungen auf dem weiten Feld des Wassersports zu informieren, sondern ebenfalls mit den aktuellen Zahlen zur wirtschaftlichen Situation dieser Branche versorgt zu werden. Darüber hinaus dürfte es nicht nur für die Industrievereinigung Verstärkte Kunststoffe e. V. (AVK) interessant sein, wie sich analog zum wirtschaftlichen Verlauf Verbrauch und Einsatzmöglichkeiten der im Bootsbau primär verwendeten Kunststoffe entwickelt haben.[image_0] Wie Werner M. Dornscheidt, Vorsitzender der Geschäftsführung der Messe Düsseldorf, schon anlässlich der Pressekonferenz zur diesjährigen "boot" am 12. Januar im Congress-Center Düsseldorf ausführte, hat der heimische Boots- und Wassersportmarkt nach starken Umsatzeinbrüchen im zweiten Jahr nacheinander zugelegt. International allerdings sei die Lage der Branche ziemlich uneinheitlich. In den Ländern Nordeuropas schreitet die Erholung schneller voran als in weiten Teilen des südlichen Europas. Was die involvierten Firmen jedoch nicht davon abgehalten habe, sich mit ihren Produkten wieder verstärkt in Düsseldorf zu engagieren. Das Ergebnis ist der Beweis: Insgesamt 1 656 Aussteller aus mehr als 60 Ländern waren es, die sich mit ihrer Ware in 17 Messehallen ausbreiteten. Gegenüber der Messe im vorigen Jahr bedeutet das eine kleine Steigerung von etwa 3 %. Die vermietete Ausstellungsfläche habe sich mit einem leichten Plus von rd. 800 m2 auf dem Niveau von 2011 stabilisiert. Im Resultat nicht gerade beeindruckend, doch für Dornscheidt schon Zeichen des Erfolgs. Denn nach seiner Interpretation sei es aktuell durchaus nicht selbstverständlich, "auch nur geringe Zuwächse zu verzeichnen". Man bewege sich damit in einem hochgradig wettbewerbsintensiven Messemarkt gegen den Trend. Rund ums Jahr ist laut Dornscheidt fast immer irgendwo Bootsmesse: international, regional oder lokal. Die Saison 2011 verlief für den Messemarkt rund um Boote, Yachten, und Wassersport generell insgesamt schwach. Doch nach Überzeugung des Messechefs klären schwierige Zeiten eben auch wichtige Positionen. Und da bleibe die "boot Düsseldorf" als zentraler europäischer Marktplatz für die Branche die erste Wahl. Nomen est Omen Bei der "boot" gilt nach Überzeugung von Dornscheidt nach wie vor: Nomen est omen. Soll heißen: Es sind in erster Linie Boote, die im Zentrum dieser Verkaufsschau stehen. Rund 440 Firmen zeigten in 11 Hallen eine regelrechte Parade von Booten unterschiedlichster Bauart und Größe. Das dürfte weltweit unter Hallendächern mit etwa 1 700 Typen, vom Kanu bis zur luxuriösen Großyacht, konkurrenzlos sein. Und hier auch ist es nach wie vor Kunststoff, der als Baumaterial bei Rumpf und Aufbauten von Segelyachten und Motorbooten dominiert, als GFK vor allem, zunehmend im Vakuum-Injektionsverfahren verarbeitet. Aber es muss nicht mehr unbedingt die Glasfaser sein, die im Verbund mit der Harzmatrix dem Schiff zu Festigkeit verhilft. Hin und wieder findet sich auch schon Carbon als Verstärkungsmaterial im Bootsbau, das für noch mehr Festigkeit und noch weniger Gewicht sorgen soll, primär dann, wenn es sich um Boote mit Regattaambitionen handelt. [image_1_right] Doch Kunststoffe auch sind es, die in der Herstellung der mehr sportlich orientierten Bootsklassen zu finden sind, bei der Fertigung von Kajaks, Kanus, Canadiern oder Falt- und Schlauchbooten diverser Machart. Da kann es denn auch mal zu einer echten Konkurrenzsituation kommen. So wartet die japanische Fa. Yamaha bei der von ihr vorgestellten neuen Schlauchbootserie Ribeye mit gleich zwei identischen Versionen auf, die sich jedoch in der Wahl des Werkstoffs unterscheiden. Als Type A wird eine Ausführung mit einem GFK-Rumpf offeriert. Sie soll sehr wendig und leicht zu manövrieren und für Profis wie für Einsteiger gleichermaßen geeignet sein. Boote der T-Serie dagegen haben einen Aluminiumrumpf, sind nach Angaben des Herstellers besonders robust und ideal für das Anlanden auf sandigem oder gar steinigem Ufer. Sie würden - und dem ist nicht zu widersprechen - den Kontakt mit Kies, Geröll und hartem Untergrund wesentlich besser verkraften als Boote aus GFK. Der Markt wächst Nach Einschätzung des Kölner Bundesverbands Wassersportwirtschaft e. V. ist das Vertrauen in eine positive wirtschaftliche Entwicklung der Wassersportbranche weiterhin vorhanden, auch wenn die Unternehmen ihre Erwartungen an die Zukunft leicht gedämpft haben. Deutlich geworden wäre das nicht zuletzt aus den Ergebnissen einer Konjunkturbefragung, wie sie vom Verband zum Jahresende durchgeführt wurde. Die Nachfrage nach Motor- und Segelyachten sei gestiegen. Nahezu 70 % der Segelboothändler (Vorjahr: 64,6 %) sprechen von gleich guten oder besseren Verkaufsergebnissen im Vergleich zum Vorjahr. Der Motorbootbereich kommt mit 69 % auf fast den gleichen Wert. Nach einer guten Messesaison 2010/2011 und dem Saisonhöhepunkt mit der "boot Düsseldorf" sowie mit ermutigenden Verkaufserfolgen ließ allerdings die Nachfrage im zweiten Quartal 2011 spürbar nach. Erst im Sommer stabilisierte sich die Situation wieder, blieb aber insgesamt hinter den Erwartungen für das Jahr 2011 zurück. Nach dem tiefen Tal in der Folge der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise und der spürbaren Erholung im Jahr 2010 mit einer Zunahme der deutschen Bootsproduktion um knapp 30 % setzte sich der Aufschwung in der maritimen Wirtschaft auch im Jahr 2011 weiter fort. 50,7 % der Ende November befragten Unternehmen gaben an, die Geschäftslage habe sich gegenüber dem Vorjahr verbessert. Lediglich etwa 25 % sprechen von Einbußen. Dies würden auch die aktuellen Produktionszahlen der deutschen Bootshersteller zeigen. Nach Recherchen des Kölner Verbands konnte die Produktion von Segel- und Motoryachten im Jahr 2011 im Vergleich zum Vorjahr erneut um knapp 20 % zulegen. Insgesamt erwartet man in Köln für das vergangene Jahr einen Umsatz an maritimen Gütern und Dienstleistungen (ohne die ganz "dicken Pötte", die Megayachten) von 1,77 Mrd. EUR, was einem Plus von 2,6 % entsprechen würde und gleichzeitig deutlich macht, dass man in der Menge zwar punkten, im Umsatz aber nicht groß zulegen konnte.[image_2] Das Klima kühlt sich ab Dornscheidt hatte es bereits auf der Pressekonferenz im Vorfeld der "boot" angesprochen: Während in Nordeuropa die Nachfrage nach Booten und Yachten insgesamt zunimmt, bleibe die Lage in Südeuropa zumindest sehr unterschiedlich. Nach Beobachtungen des Bundesverbands ist eine durchgreifende Erholung nicht in Sicht. Sie wird durch die finanzwirtschaftlich angespannte Situation in einigen südeuropäischen Staaten auch nicht gerade wahrscheinlicher. Die uneinheitliche Entwicklung auf den internationalen Märkten spiegele sich ebenfalls in der Exportentwicklung wider. Die deutschen Bootshersteller konnten im ersten Halbjahr 2011 im Segelbootbereich wertmäßig um 14,6 % und bei den Motorbooten um 12,2 % auf den Auslandsmärkten zulegen. Damit jedoch bleibe die internationale Entwicklung hinter der des deutschen Markts zurück. Im Übrigen, darüber dürfen die Erfolge der Jahre 2010 und 2011 nicht hinwegtäuschen, sind die Boothersteller noch weit vom Verkaufsniveau der Spitzenjahre 2006/2007 entfernt. Nach Berechnungen des Bundesverbandes Wassersportwirtschaft liegt die Produktion derzeit bei etwa 65 % des Niveaus aus Zeiten vor der Krise. So bleibe denn auch die Lage im Hinblick auf die zukünftige konjunkturelle Entwicklung im Neubootgeschäft weiterhin unübersichtlich. Unter dem Einfluss der wieder steigenden Krisenstimmung an den internationalen Finanzmärkten kühle sich das Konsumklima zwar insgesamt ab, andererseits steige aber auch die Neigung der Verbraucher zu sogenannten werthaltigen Anschaffungen. Davon profitiere nicht nur der Immobilienmarkt sondern auch ein Teil des Bootsmarkts. Wie der Kölner Verband in einer ersten Bilanz zur Messe festhält, bleibt als Ausblick: Insgesamt wird der mittelfristige Konjunkturverlauf von den Unternehmen auch weiterhin positiv eingeschätzt. Für die kommenden zwei bis drei Jahre erwartet ein gutes Drittel der betroffenen deutschen Unternehmen weitere Zuwächse, 43 % rechnen mit Umsätzen auf dem heutigen Niveau. Zur Erinnerung: Im Vorjahr waren es noch knapp doppelt so viele Unternehmen, die auf ein zunehmendes Geschäftsvolumen setzten. Die Zukunftserwartungen der Unternehmen fallen also deutlich gedämpfter aus als noch vor einem Jahr. Doch spätestens zur "boot 2013" im Januar kommenden Jahres, beim nächsten Vorgriff auf den Sommer, wird sich zeigen, ob so viel Skepsis angebracht war.

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