24/09/2012

Paul Scherrer Institut (PSI)

Eingebaute Germanium-Laser könnten Computer-Chips schneller machen

Forscher des Paul Scherrer Instituts haben untersucht, wie man das Halbleitermaterial Germanium dazu bringen könnte, Laserlicht auszusenden. Als Lasermaterial könnte Germanium mit Silizium die Grundlage für neuartige Computerchips bilden, in denen Informationen zum Teil in Form von Licht übertragen würden. Diese Technologie würde es ermöglichen, den Datenfluss auf Chips zu revolutionieren und so die Leistung der Elektronik weiter voranzutreiben. Die Forscher haben gezeigt, dass man Germanium mit einer äusseren Kraft verformen muss, damit es zu einem Lasermaterial wird.

Im Jahr 1965 hat Gordon Moore die Regel aufgestellt, dass sich die Flächendichte von Transistoren auf Computerchips – und damit die Rechenleistung – etwa alle zwei Jahre verdoppelt. Das Gesetz gilt seit dem Beginn der digitalen Zeitrechnung, also seit Einführung der ersten integrierten Schaltkreise für Mikro-Prozessoren im Jahr 1960. Trotz der steigenden Anzahl Transistoren in Computerchips und weiterer Fortschritte kann die Gesamtleistung der Prozessoren dem Moore'schen Gesetz seit etwa einer Dekade nicht mehr folgen – Fachleute sprechen vom Moore’schen Gap (Lücke). Grund ist, dass die modernen Chips mehrere Kerne – eigenständige Prozessoren – haben, die mit herkömmlichen Verfahren nur relativ langsam miteinander kommunizieren.

„Tatsächlich kennt man einen Weg, wie diese Lücke geschlossen werden kann: das Zauberwort heisst optische Datenübertragung zwischen den verschiedenen Kernen auf dem Chip“, erklärt Hans Sigg, Forscher am Paul Scherrer Institut. „Das heisst, man würde die Information innerhalb eines Computerchips teilweise mithilfe von Lichtpulsen übertragen, was den Informationsfluss stark beschleunigen könnte.“ Dafür bräuchte man winzige Laser, die man in Chips einbauen könnte und die dort Lichtpulse aussenden würden. Diese sind aber bislang nicht verfügbar.

Winzige Germanium-Laser sollen Chips schneller machen

Nun konnte Siggs Forschungsteam zusammen mit Kollegen der ETH Zürich und des Politecnico di Milano zeigen, dass Germanium unter bestimmten Bedingungen als Lasermaterial dienen könnte. „Germaniumlaser könnten hier den Durchbruch bringen, weil Germanium sich gut mit Silizium kombinieren lässt, aus dem die Chips gebaut sind. Silizium selbst kann kein Licht aussenden, und es lässt sich kaum mit verfügbaren Lasermaterialien kombinieren“, betont Sigg.

In ihren Untersuchungen haben die Forschenden die Eigenschaften des Germaniums untersucht, die für die Erzeugung von Laserlicht wichtig sind und sie mit denen herkömmlicher Lasermaterialien verglichen. Die Experimente haben sie an der Synchrotron Lichtquelle Schweiz des Paul Scherrer Instituts durchgeführt. „Wir regen mit einem starken Laser das Material an und können gleichzeitig die Veränderungen mithilfe von Infrarotlicht aus der SLS beobachten“, erläutert der Doktorand Peter Friedli, der die entscheidenden Experimente zusammen mit dem Forscher Lee Carroll, durchgeführt hat. „Dabei nutzen wir aus, dass diese Lichtpulse nur 100 Picosekunden, also 0,1 Milliardstelsekunden lang sind, und wir deshalb die relevanten Vorgänge im Material, also das Verhalten der Elektronen zu verschiedenen Zeitpunkten, verfolgen können.“

Germanium muss verspannt sein

„Unsere Ergebnisse, sind einerseits ermutigend: Germanium verhält sich ähnlich wie traditionelle Lasermaterialien – damit ist die Möglichkeit von Lichtemission nicht ausgeschlossen“, sagt Sigg erfreut, schränkt jedoch ein: „Die Balance zwischen Verstärkung und Verlust ist in den bislang untersuchten Germanium-Schichten noch so ungünstig, dass das Material die Bedingung für die Erzeugung von Laserlicht noch nicht erfüllt.“ Dabei hat sich aber gezeigt, dass man dieser Bedingung umso näher kommt, je stärker man das Germanium mit einer äusseren Kraft verformt. Die Forscher hoffen, in einem Folgeprojekt die nötigen Bedingungen für das Germanium zu erreichen. Dazu werden sie eine neue Technologie nutzen, die es erlaubt, diese Verspannungen stark zu erhöhen.

Das Forschungsprojekt wurde vom Schweizerischen Nationalfonds SNF gefördert.

Text: Paul Piwnicki

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Über das PSI
Das Paul Scherrer Institut entwickelt, baut und betreibt grosse und komplexe Forschungsanlagen und stellt sie der nationalen und internationalen Forschungsgemeinde zur Verfügung. Eigene Forschungsschwerpunkte sind Materie und Material, Mensch und Gesundheit, sowie Energie und Umwelt. Mit 1500 Mitarbeitenden und einem Jahresbudget von rund 300 Mio. CHF ist es das grösste Forschungsinstitut der Schweiz.

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Kontakt: Dr. Hans Sigg, Labor für Mikro- und Nanotechnologie; Paul Scherrer Institut, 5232 Villigen PSI, Schweiz; +41 56 310 40 48, hans.sigg@psi.ch

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