14/11/2014

Universität Leipzig

Energiewende erzeugt hohen Anpassungsbedarf für kommunale Energieversorger

Der aktuelle Ausbau der erneuerbaren Energien führt dazu, dass sich Erzeugungsstrukturen verändern. Daraus ergeben sich unter anderem neue Herausforderungen in der Energieverteilung - ein großes Thema nicht zuletzt für die Stadtwerke. Sie kritisieren, dass es durch die bisherige Förderung der erneuerbaren Energien zu keiner bedarfsgerechten Erzeugung komme, was wiederum die Netzstabilität und die Versorgungssicherheit gefährde. Eine Anpassung des Energiemarktdesigns sei dringend geboten.

Dies zählt zu den Ergebnissen der Studie "Herausforderungen von Stadtwerken aus der Energiewende", die das Kompetenzzentrum Öffentliche Wirtschaft, Infrastruktur und Daseinsvorsorge an der Universität Leipzig in Kooperation mit der Commerzbank AG und der Stadtwerke Leipzig GmbH erstellt hat.

Beispielsweise sollten nach Meinung der Stadtwerke die effizientesten Erzeugungstechnologien am stärksten gefördert werden, damit die hocheffizienten konventionellen Gas- und Dampfkraftwerke nicht weiter aus dem Markt gedrängt werden. Zugleich sehen die Stadtwerke ihre Chance, neue Geschäftsfelder zu erschließen.

Die Studie des Leipziger Kompetenzzentrums illustriert den hohen strategischen Anpassungsbedarf der Versorgungsunternehmen durch die Energiewende. Die Wissenschaftler haben dafür eine zweistufige Expertenbefragung bei den deutschen Stadtwerken durchgeführt.

"Stadtwerke als regional verankerte Versorgungsunternehmen haben die fundamentalen Marktveränderungen bei ihren Entscheidungen über zukünftige Strategien und Geschäftsfeldentwicklungen zu berücksichtigen, um ihrer wichtigen Rolle am Gelingen der Energiewende gerecht zu werden", sagt Dr. Oliver Rottmann, Geschäftsführender Vorstand des Kompetenzzentrums und Leiter der Studie. "Besonders für moderne, effiziente Kraftwerke sehen viele Stadtwerke infolge von Einspeisevorrang und Einspeisevergütung Wirtschaftlichkeitsprobleme, da diese nun nicht mehr kostendeckend betrieben werden können." Sofern jedoch die Marktstrukturen dahingehend verändert würden, dass unter anderem das Vorhalten von garantierten Kapazitäten entlohnt und Strom aus erneuerbaren Energien vollkommen in den Markt integriert werden, könne die Energiewende gelingen. "Auch zukünftig sehen sich die Stadtwerke hier als regionale Garanten der Versorgungssicherheit", betont Rottmann. "Sie wollen zudem neben dem Kerngeschäft verstärkt Energie-Dienstleistungen anbieten."

"Der Wandel der Erzeugungsstrukturen hin zu kleinen, dezentralen Anlagen wird spürbar auf die Strukturen der Energiewirtschaft wirken. Ein wesentliches Element stellt dabei der Ausbau der erneuerbaren Energien dar", sagt Nikola Köller, Vorsitzende der Geschäftsleitung Öffentlicher Sektor Süd/Ost der Commerzbank AG. "Eine nachhaltige finanzielle Basis für notwendige Investitionen in neue Erzeugungsanlagen, Netze oder Services ist dabei ein zentraler Pfeiler einer tragfähigen Unternehmensstrategie."

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