17.10.2014

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Engel: Spritzgießmaschinenbauer erwartet im laufenden Geschäftsjahr einen Umsatz von rund einer Milliarde

Nach einem deutlichen Umsatzsprung im Geschäftsjahr 2012/13 konnte sich Engel Austria im Geschäftsjahr 2013/14 auf hohem Niveau behaupten. Weltweit erwirtschaftete der Spritzgießmaschinenbauer und Systemlieferant mit Stammsitz in Schwertberg, Österreich einen Umsatz von 935 Mio. Euro. Für das aktuelle Geschäftsjahr, das bis einschließlich März 2015 läuft, rechnet die Unternehmensgruppe mit einem Umsatzwachstum von 7 Prozent.

"Die Auftragslage ist gut. Wir arbeiten in allen Werken mit einer guten Auslastung", berichtet Dr. Peter Neumann, CEO der Engel Holding GmbH, gegenüber der Fachpresse während der Fakuma 2014 in Friedrichshafen. "In Summe sind die weltweiten Märkte weiterhin stabil, auch wenn die politischen Konflikte einzelne Regionen schwächen." So leide Europa aktuell unter dem Rückgang in Russland, seinem bislang drittgrößten Markt. Gleichzeitig habe der zweitgrößte Markt Türkei seine Schwäche überwunden und zeige sich wieder positiv. Auf dem ersten Platz ist und bleibt Deutschland, wo sich die Nachfrage weiter stabil entwickelt. Der Rückgang in Russland könne bei Engel durch das Wachstum in anderen Märkten kompensiert werden.

"Weltweit betrachtet sendet aktuell das langsam wieder erwachte Indien positive Signale", so Dr. Christoph Steger, CSO der Engel Holding. "China, USA und Mexiko sind für Engel weiterhin die sich am stärksten entwickelnden Märkte." In Nordamerika wird dieser Trend vor allem durch die stark steigende Nachfrage nach innovativen Verfahren und Lösungen für Hochleistungsanwendungen forciert.

Rund 54 Prozent seines Umsatzes erwirtschaftet Engel in Europa, 25 Prozent in Amerika und 21 Prozent in Asien. Vor allem in Europa und Asien seien die Marktanteile in 2014 weiter gestiegen.

Packaging und Medical legen weltweit zu
Auf die Branchen bezogen legen vor allem Packaging und Medical weltweit zu. Automotive müsse differenziert betrachtet werden. Während der Ersatzbedarf weiterhin leicht sinkt und Kapazitätserweiterungen stocken, werde immer stärker in Innovationen investiert. Zu den wichtigsten Triebfedern gehöre hier der Leichtbau. "Der automobile Leichtbau ist noch immer am Anfang", so Peter Neumann. "Wir erwarten vor allem im Bereich der Faserverbundtechnologien in den nächsten Jahren ein starkes Wachstum für die Spritzgießindustrie." In Hochleistungsprodukten - zum Beispiel für den Flugzeugbau - haben sich gerichtete Fasersysteme längst etabliert. Damit Composite-Werkstoffe auch in Massenanwendungen, wie dem Automobilbau, noch breiter Einsatz finden, bestehe die größte Herausforderung darin, Verarbeitungsprozesse zu entwickeln, die auch bei hohen Stückzahlen niedrigste Stückkosten ermöglichen.

"Es muss uns gelingen, in allen Bereichen auch thermoplastische Lösungen anzubieten, um wirklich einen breiten Durchbruch zu schaffen", betont Neumann. Spritzgießtechnologien bieten hierfür ein besonders großes Potenzial. Einen weiteren wichtigen Erfolgsfaktor sieht Engel in seiner hohen Systemlösungs- und Automatisierungskompetenz. Um die Entwicklung neuer Verfahren schneller voranzutreiben, hat Engel 2012 am Sitz seines Großmaschinenwerks in St. Valentin, Österreich ein eigenes Technologiezentrum für Leichtbau-Composites gegründet. Dieses versteht sich als Plattform für die interdisziplinäre Zusammenarbeit mit Partnerunternehmen und Hochschulen.

Alles aus einer Hand für mehr Wettbewerbsfähigkeit
Engel hat sich vom Spritzgießmaschinenbauer zum Systemanbieter entwickelt. "Der Anteil an Systemlösungen nimmt im Auftragseingang kontinuierlich zu", sagt Dr. Stefan Engleder, CTO der ENGEL Holding. Neben der Spritzgießmaschine und Automatisierung, den Prozesstechnologien und dem Werkzeug gelten bei Engel auch Training und Service als fester Bestandteil der Systemphilosophie.

Prozessintegration und Automatisierung gehören für Engel zu den stärksten Innovationstreibern, die sich in den Exponaten auf der Fakuma 2014 widerspiegeln. "Besonders deutlich zeichnet sich der Automatisierungstrend in den Emerging Markets wie China, Südostasien und Südamerika ab", betont Christoph Steger. Dabei sei die Automatisierung immer häufiger ein integrativer Prozessbestandteil, der die Fertigungsprozesse nicht nur effizienter und wirtschaftlicher mache, sondern auch ganz neue Herstellungsverfahren, Bauteileigenschaften, Designlösungen und Produktqualitäten ermögliche. Hinzu komme, dass die Automatisierung und Prozessintegration in vielen Anwendungen die Nachhaltigkeit erhöhen. Integrierte Prozesse benötigen in der Regel weniger Energie und Rohstoffe, da ganze Prozessschritte sowie die Logistik für die Zwischenprodukte entfallen.

Die Märkte in Westeuropa sind laut Engel Vorreiter für hochautomatisierte und integrierte Prozesse, dennoch bieten auch sie noch Wachstumspotenzial. "Wir finden im technischen Spritzguss in Europa kaum noch fallende Teile", sagt Stefan Engleder. "Damit benötigen wir auch für einfache Pick-and-Place-Anwendungen sehr wirtschaftliche, dynamische und kompakte Lösungen." Mit seiner Fakuma-Neuvorstellung "Engel e-pic" habe Engel hierfür zukünftig ein aufgrund der erstmals integrierten Leichtbautechnologie sehr schnelles Gerät im Programm. Vom Entnehmen, Ablegen und Angusstrennen über das anspruchsvolle Einlegen und Entformen bis zum Verketten verschiedener Prozessschritte in einer hochintegrierten Fertigungszelle decke Engel alles ab.

Fachkräftenachwuchs weltweit sichern
Seinen kontinuierlichen Bedarf an Fachkräften sichert Engel durch die Ausbildung im eigenen Haus, und das nicht nur in den österreichischen Werken. Auch die deutschen Niederlassungen engagieren sich stark in der Nachwuchsförderung. Seit 2012 bildet Engel Deutschland am Standort Hagen Verfahrensmechaniker aus und die jüngste der vier deutschen Niederlassungen, das Engel Deutschland Technologieforum Stuttgart, plant, gemeinsam mit regionalen Partnern die akademische Ausbildung stärker zu unterstützen.

Im Großmaschinenwerk von Engel in Shanghai haben im März dieses Jahres zehn junge Männer ihre Ausbildung zu Zerspanungstechnikern begonnen. Nach dem Vorbild der staatlich ausgezeichneten Lehrwerkstatt in Schwertberg hat Engel in China ein neues Ausbildungszentrum errichtet und die in Europa mit großem Erfolg praktizierte duale Berufsausbildung nach China exportiert. Im Gegensatz zu den meisten anderen Auszubildenden im Land erwerben sich die Engel Lehrlinge vom ersten Ausbildungsjahr an fundierte Praxiskenntnisse im Betrieb und erhalten zudem eine Bezahlung. Mit dem Angebot einer dualen Berufsausbildung gehöre Engel in Asien zu den besonders begehrten Arbeitgebern. "In China qualifizierte Mitarbeiter zu finden, ist schwierig, denn die staatliche Ausbildung entspricht in vielen Bereichen nicht unseren hohen Anforderungen", sagt Peter Neumann. "Deshalb haben wir uns entschieden, auch in China ein eigenes Ausbildungsangebot zu etablieren und binden damit unsere Mitarbeiter noch stärker ans Unternehmen."

Kontinuierliche Investitionen in die weltweiten Standorte
Engel ist seit seiner Gründung 1945 zu 100 Prozent in Familienbesitz. Gemeinsam mit Dr. Peter Neumann - Mitglied der Eigentümerfamilie in der dritten Generation - trägt mit Dr. Stefan Engleder und Dr. Christoph Steger inzwischen die vierte Generation in der Geschäftsführung operative Verantwortung. Weltweit beschäftigt die Unternehmensgruppe 4.500 Mitarbeiter, von denen 2.800 in den drei österreichischen Werken in Schwertberg, St. Valentin und Dietach arbeiten. Engel betreibt weltweit neun Produktionsstandorte auf drei Kontinenten, 29 Vertriebs- und Serviceniederlassungen und 60 Vertretungen. Das Unternehmen investiert kontinuierlich in den weiteren Ausbau des Vertriebs- und Servicenetzes, die Anpassung der Kapazitäten sowie die Modernisierung der weltweiten Standorte. Zu den jüngsten Investitionen gehören unter anderem zwei Erweiterungen im Stammwerk Schwertberg. Weitere Bauvorhaben sind in Planung.

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