23/10/2012

www.gupta-verlag.de/kautschuk

Erkennen von Kunststoffen - Qualitative Kunststoffanalyse mit einfachen Mitteln

Neun Jahre nach der vierten erscheint nun die fünfte aktualisierte und um ein Kapitel erweiterte Auflage dieses Buchs, was sicherlich für das Interesse an der Thematik spricht. Laut Vorwort des Autors ist es als "Lückenschließer" gedacht. Das kleine und dennoch vergleichsweise ausführliche Werk soll nämlich die Lücke zwischen bezüglich Methodik und Geräte­einsatz anspruchsvoller Kunststoffanalytik und den häufig eingesetzten einfachen Vorproben schließen. Es spannt den Bogen von einem allgemeinen Überblick zu den typischsten Kunststoffen und Elastomeren über die bekannten Vorproben (Löslichkeit, Pyrolysetest, Brennprobe, Schmelzverhalten), Prüfung auf Heteroelemente, dem darauf aufbauenden Analysegang bis zu den spezifischen Nachweisen der einzelnen Kunststoffe.Bei dem ergänzten Kapitel handelt es sich um einen Abriss zur Charakterisierung und Untersuchung historischer Kunststoffobjekte. Zusätzlich gibt es noch eine kurze Einführung in die Geräteanalytik mit dem Schwerpunkt Infrarotspektroskopie und einen hilfreichen Anhang, der sich mit physikalischen Kenndaten, einer Kunststofferkennungstafel nach Saechtling, den für die beschriebenen Untersuchungen benötigten Chemikalien und Laborhilfsmitteln/-geräten auseinandersetzt. Ein ganz wesentliches Element des Buchs - auch wegen der Übersichtlichkeit - stellen die häufig eingesetzten tabellarischen Zusammenfassungen dar, die sowohl einen raschen Wiedereinstieg als auch einen generellen Überblick gestatten.In diesem Sinne befüllt der gebotene Stoff ganz zweifellos die für das Erkennen von Kunststoffen angesprochene und real existierende ­Lücke ­zwischen ­simplen Vorproben und aufwendiger instrumenteller Analytik. Wer allerdings glaubt, mit Unterstützung des Buchs rasch und ohne Aufwand Kunststoffe identifizieren zu können, sei gewarnt. Der Blick auf die Listen zu den benötigten Chemikalien und technischen Hilfsmitteln zeigt, dass der Interessent schon über ein relativ gut ausgestattetes Nasslabor verfügen sollte. Zudem sind - aus Sicht des Rezensenten im Gegensatz zu den Angaben des Vorworts - nicht nur experimentelle Fertigkeiten gefragt, sondern gewisse Grundkenntnisse in Chemie, zum Umgang mit Chemikalien und zur Arbeitssicherheit eigentlich zwingend erforderlich. Man wundert sich doch etwas, dass die Aktualisierung des Bands nicht dazu genutzt wurde, den Aspekt Arbeitssicherheit zu überarbeiten. Zwar finden sich an vielen Stellen Sicherheitshinweise (Beispielzitat S. 56, Abs. 3: "Streichen blausäure­haltige Pyrolysedämpfe über das feuchte Papier, so färbt es sich blau (Vorsicht!)."), aber es erscheint ungewiss, inwieweit ein nicht vorbelasteter Experimentator mit solchen Angaben klar kommen kann.In den Zeiten von REACH und Co. hätte dem Buch ein modernen Ansprüchen gehorchendes Kapitel Arbeitssicherheit gut getan. Darüber hinaus - weil schon in Teilen explizit erwähnt - könnte die Besprechung einer Kunststoffcharakterisierung durch Kombination von Vorproben und IR?Spektroskopie eine weitere sinnvolle Ergänzung des Stoffs bieten. So wendet es sich nahezu ausschließlich an alle die, die auf keinerlei instrumentelle Analytik zurückgreifen können.

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