03.09.2014

Universität Bayreuth

Erneuerbare Energien: Informationstechnische Unterstützung für den Mittelstand

Dr. Maryam Ebrahimi, Georg-Forster-Stipendiatin der Alexander von Humboldt-Stiftung, entwickelt an der Universität Bayreuth ein IT-System, das Entscheidungen zur Investition in neue Technologien unterstützt.

Erneuerbare Energien sollen in Deutschland künftig einen steigenden Anteil an der Energieversorgung haben. Für kleine und mittlere Unternehmen, die sich mit Dienstleistungen oder High-Tech-Produkten in dieser Branche behaupten wollen, ist es daher von zentraler Bedeutung, dass sie für ihre Entscheidungen zur Investition in neue Technologien den bestmöglichen Zeitpunkt wählen. Dabei können sie schon bald Unterstützung durch ein neues Informationssystem finden, das derzeit von Dr. Maryam Ebrahimi an der Universität Bayreuth entwickelt wird.

Eine Software-Plattform speziell für kleine und mittlere Unternehmen
Die Postdoktorandin ist mit einem Georg-Forster-Stipendium der Alexander von Humboldt-Stiftung aus dem Iran an die Universität Bayreuth gekommen. Hier arbeitet sie mit dem Betriebswirtschaftlichen Forschungszentrum für Fragen der mittelständischen Wirtschaft –BF/M Bayreuth – eng zusammen, insbesondere mit Prof. Dr. Torsten Eymann am Lehrstuhl für Wirtschaftsinformatik. Das Ziel ihrer Forschungsarbeiten ist eine Software-Plattform, die speziell auf die Interessen und den Bedarf mittelständischer Firmen zugeschnitten ist. Unternehmen, die beispielsweise als beratende Dienstleister oder als Produzenten elektronischer Bauteile auf dem Gebiet der erneuerbaren Energien tätig sind, sollen in die Lage versetzt werden, den optimalen Zeitpunkt für Technologie-Investitionen richtig einschätzen zu können. Dafür müssen sämtliche Informationen, die für die jeweiligen strategischen Planungen relevant sind, in einem Informationssystem zur Entscheidungsunterstützung zusammengeführt werden.

Enge Kooperation mit nordbayerischen Unternehmen
„Ein derart umfassendes Informationssystem, auf das sich die Unternehmen in der Praxis verlassen können, entsteht natürlich nicht im Elfenbeinturm. Es muss in der Zusammenarbeit mit Firmen entwickelt werden, die im Bereich der erneuerbaren Energien mit strategischen Planungen befasst sind und Erfahrungen mit Investitionen in diesem Bereich haben. So können sie wichtige Anregungen für die neue Software-Plattform geben“, meint Dr. Maryam Ebrahimi. Daher steht sie bereits mit zahlreichen Unternehmen in Nordbayern im Kontakt.

„Allein im Einzugsbereich der IHK für Oberfranken Bayreuth gibt es rund 60 kleine und mittlere Unternehmen, die Produkte oder Dienstleistungen für die Gewinnung oder Nutzung erneuerbarer Energien anbieten. Nicht wenige von ihnen wollen dieses Geschäftsfeld weiter ausbauen“, erklärt Prof. Eymann. „Deshalb ist das Forschungsprojekt von Dr. Maryam Ebrahimi hier auf großes Interesse gestoßen, und auch seitens der Wirtschaftsinformatik profitieren wir erheblich von dem Feedback, das wir von den Unternehmen erhalten. Das BF/M Bayreuth und die IHK für Oberfranken Bayreuth leisten bei der Vermittlung dieser Kontakte wichtige Unterstützung.“

Wissenschaftliche Kompetenz und berufspraktische Erfahrungen
Für ihr anspruchsvolles Projekt bringt die Bayreuther Humboldtianerin eine hervorragende wissenschaftliche Kompetenz mit. Fast sieben Jahre lang war sie im Iran, ihrem Heimatland, als Dozentin an namhaften Universitäten tätig. Schwerpunkte ihrer Arbeit in Forschung und Lehre waren dabei die Analyse und das Design von Informationssystemen, Software-Entwicklung, E-Commerce, sowie Grundlagen der Informationstechnologie. Zuvor hatte sie an der Tarbiat Modares University in Teheran mit einer Forschungsarbeit zu IT-Systemen promoviert, die strategische Entscheidungen in Forschung und Entwicklung unterstützen. Dr. Maryam Ebrahimi kann zudem auf langjährige berufspraktische Erfahrungen in Unternehmen der iranischen Ölindustrie zurückblicken.

„Eine Win-Win-Situation für beide Länder“
Weshalb hat sie sich nun den erneuerbaren Energien zugewandt? „Die Erdölvorräte im Iran sind begrenzt und werden mittelfristig aufgebraucht werden. Die Abhängigkeit der iranischen Wirtschaft von fossilen Energieträgern sollte deshalb baldmöglichst verringert werden“, erklärt die IT-Expertin. Zugleich verweist sie auf Erfordernisse im Umweltschutz und auf die klimatischen Bedingungen im Iran, die gleichfalls für einen nachhaltigen Ausbau der erneuerbaren Energien sprechen. Das von ihr entwickelte Informationssystem soll daher nicht zuletzt den Firmen in ihrem Heimatland zugute kommen.

„Kleine und mittlere Unternehmen in Deutschland wie im Iran werden erheblich von einer informationstechnischen Basis profitieren können, die sie bei strategischen Planungen und Entscheidungen in Bezug auf Energietechnologien, des Weiteren aber auch bei der Definition konkreter Problemstellungen und der Entwicklung von Lösungen unterstützt. Es ist eine Win-Win-Situation für beide Länder“, erklärt die Georg Forster-Stipendiatin.

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