Europäische Union geht gegen den Verbrauch von Plastiktüten vor

Die Europäische Union (EU) hat den Weg geebnet und die Mitgliedsstaaten aufgefordert, Maßnahmen zu ergreifen, um den millionenfachen Verbrauch von Plastiktüten, wie Sie zuhauf in Supermärkten und Kaufhäusern ausgegeben werden, nachhaltig zu reduzieren.

Ziel der EU ist es, den Jahresverbrauch herkömmlicher Plastiktüten europaweit bis 2019 um die Hälfte auf auf 90 Tüten pro Person, abzusenken. Bis 2025 soll der Verbrauch bei nur noch 40 Tüten pro Kopf liegen. Wie Spiegel-online berichtet, variieren die Verbrauchszahlen von EU-Land zu EU-Land sehr unterschiedlich:

"Im Jahr 2010 hat laut einer Statistik des Europaparlaments jeder EU-Bürger im Durchschnitt 200 Tüten verbraucht. Am sparsamsten sind die Iren: Sie benötigen im Schnitt nur 20 Stück, darunter 18 Einwegtüten. Die Deutschen liegen im Mittelfeld, sie benutzen im Mittel 71 Tüten, davon 64 Einwegtaschen. In Dänemark und Finnland nutzen die Menschen 79 beziehungsweise 77 Tüten, davon nur vier Einwegtaschen. Die größten Verschwender sind Polen und Portugiesen, die insgesamt fast 500 Tüten pro Kopf und Jahr verbrauchen."

Um dieses ehrgeizige Vorhaben in die Tat umzusetzen, erlaubt die EU den Mitgliedsstaaten den Einsatz wirksamer Mittel, indem sie den Kunden zur Kasse bitten – was bis dato bereits teilweise gemacht wird – und Gebühren oder Steuer erheben können.

Umweltverbände sind über die Entscheidung der EU erfreut. In Bezug auf Deutschland sieht Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe e.V., nun die Politik in Pflicht: "Nach dem einstimmigen Beschluss zur 80-prozentigen Verringerung müssen auch in Deutschland wirksame Maßnahmen beschlossen werden. Die einfachste und wie das Beispiel Irland es zeigt, wirksamste Maßnahme ist eine Lenkungsabgabe von 22 Cent für alle Einweg-Plastiktragetaschen ab 2015. Wir begrüßen, dass die EU mit ihrem einstimmigen Beschluss gemeinsam gegen die Plastiktütenflut in Europa vorgeht und hierfür Ziele und Instrumente benennt."

Für Resch gehen die EU-Vorgaben allerdings nicht weit genug. Aus seiner Sicht sei es problematisch, dass sich die Regelung lediglich auf dünnwandige Plastiktüten mit einer Wandstärke von weniger als 0,05 Millimeter bezieht und auch biologisch abbaubare Tüten ausgenommen sind. "(...)Hersteller brauchen ihre Plastiktüten nur etwas dicker oder biologisch abbaubar zu machen, um sie weiterhin massenhaft und kostenlos vertreiben zu können", sagt der Bundesgeschäftsführer. Zudem bauten sich viele der biologisch abbaubaren Plastiktüten unter den in der Natur vorkommenden Bedingungen ähnlich schlecht ab wie Plastiktüten aus herkömmlichen Kunststoffen.

Das Reduktionsziel von 80 Prozent gilt für alle EU Staaten gleichermaßen. Gemessen am europäischen Durchschnittsverbrauch von knapp 200 Tüten pro Kopf und Jahr ist das Ziel für Deutschland nur wenig ambitioniert, kritisiert der Umweltverband. Resch: "Selbst wenn Deutschland seine derzeit 76 Plastiktüten pro Einwohner und Jahr um 80 Prozent reduzieren würde, lägen wir mit 16 Plastiktüten noch immer über dem geringeren Pro Kopf Tütenverbrauch Irlands. Eine Lenkungsabgabe auf Plastiktüten würde den Einzelhandel dazu bewegen, weniger Plastiktüten in Verkehr zu bringen und den Verbraucher dazu animieren, auf dieses Wegwerfprodukt zugunsten von Mehrwegtaschen zu verzichten."

Ausschlaggebend für die Initiative zur Reduktion des Verbrauchs von Plastiktüten ist die zunehmende Verhüllung der Umwelt, insbesondere der Gewässer weltweit durch Plastikrückstände. Wie eine hinreichende Zahl auch und vor allem neuerer Studien belegen, belasten die Rückstände das Ökosystem drastisch, mittel- und langfristig gesehen auch den Menschen. An der Verschmutzung der Umwelt maßgeblich beteiligt sind hernach Plastiktüten, die selten als Wertstoff begriffen werden und bereits oft nach einmaligem Gebrauch entsorgt werden – nicht immer fachgerecht. Die Folge des achtlosen Umgangs mit Plastiktüten: Sie landen in der Umwelt. GD

Foto: istockphoto/ScienceCom
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