Evonik setzt auf Biotech-Projekte

Den Wert der Projekte in seiner Forschungspipeline hat der Spezialchemiekonzern Evonik um rund 500 Mio. Euro gesteigert – auch dank neuer Innovationen in der Biotechnologie.

Den Gesamtwert seiner F&E-Pipeline verortet der Essener Spezialchemiekonzern Evonik Industries AG nach den jüngsten Zuwächsen auf einen niedrigen einstelligen Milliarden-Euro-Betrag. „Unsere Innovationsoffensive trägt Früchte. Innovationen sollen künftig noch deutlicher zu Umsatz und Gewinn beitragen“, sagte Klaus Engel, der Vorstandsvorsitzende von Evonik anlässlich eines Pressegesprächs zu Forschung & Entwicklung Mitte Juni in Essen. Mittelfristig will der Konzern 16% seines Umsatzes mit Produkten und Anwendungen erzielen, die jünger als fünf Jahre sind. Derzeit liegt dieser Umsatzanteil bei rund 10%.

Dabei setzt Evonik auch auf Ideen aus der Biotechnologie und -ökonomie. Wachstumsfelder wie nachhaltige Ernährung (Sustainable Nutrition), Lösungen für die Gesundheit (Health Care Solutions) sowie Lösungen für Kosmetik (Cosmetic Solutions) sollen bis zum Jahr 2025 mehr als 1 Mrd. Euro zusätzlichen Umsatz einbringen, so Evoniks Chief Innovation Officer Ulrich Küsthardt. Die Projekte, die in diesen Bereichen bearbeitet werden, haben ganz unterschiedliche Ausrichtungen. So arbeitet das Projekthaus Medical Devices beispielsweise an biologisch abbaubaren Komposit-Materialien, die künftig Implantate aus Metall bei Knochenbrüchen ersetzen könnten. Sie bestehen aus Polymeren, die der Körper selbst abbauen kann, und Substanzen, die natürlicherweise im Knochen vorkommen. Der Vorteil: Während Implantate aus Metall normalerweise im Körper verbleiben oder in einer weiteren Operation entfernt werden müssen, arbeiten die neuen Composite-Materialien von Evonik als Helfer auf Zeit.

Der Essener Industriekonzern hat sich vor allem mit der biotechnologischen Herstellung von Aminosäuren für die Futtermittelindustrie einen Namen gemacht und sich dort zu einem der Weltmarktführer gemausert. Für die Fütterung von Krustentieren hat Evonik eine verbesserte Methioninquelle entwickelt, die von den Tieren besser verstoffwechselt werden kann, als die bisher in Pellets genutzten Alternativen. Das neue Dipeptid aus zwei Methioninmolekülen ist schwer wasserlöslich und wird deshalb nicht so schnell aus dem Futter ausgewaschen. Die erste Produktionsanlage für das neue Produkt nimmt das Unternehmen derzeit in Antwerpen (Belgien) in Betrieb.

Für die Zukunft hat sich der Konzern noch einiges vorgenommen: „Wir wollen eines der innovativsten Unternehmen der Welt werden“, unterstrich Küsthardt den Anspruch des Spezialchemieunternehmens.
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