02.06.2010

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FIZ Technik beantragt Eröffnung des Insolvenzverfahrens

Trotz Liquidität blieb der Geschäftsführung der Gang zum Insolvenzgericht nicht erspart. Durch den Förderausfall besteht für den traditionsreichen Anbieter technisch-wissenschaftlicher Fachinformationen drohende Zahlungsunfähigkeit. Vor dem Hintergrund, sich mit dem Eigenantrag schnellstmöglich sämtliche Sanierungsoptionen zu erhalten, stellte die Geschäftsführung vorsorglich den Insolvenzantrag.

Das Insolvenzgericht hat per Beschluss noch am Tag der Antragstellung die vorläufige Insolvenzverwaltung angeordnet. Für den FIZ Technik e.V bestellte es den Frankfurter Rechtsanwalt Frank Schmitt (Schultze & Braun) zum vorläufigen Insolvenzverwalter. Sein Kollege, Dr. Holger Lessing (LTB Rechtsanwälte, Frankfurt) nimmt die gleiche Rolle für die FIZ-Technik-Inform GmbH wahr. Die beiden Experten für Insolvenzrecht arbeiten sehr eng zusammen und haben ein gemeinsames Ziel erklärt. Sie streben an, den angeschlagenen Anbieter für technisch-wissenschaftliche Fachinformationen erfolgreich zu sanieren. Die Löhne und Gehälter der rd. 50 Angestellten in Frankfurt und der Außenstelle Hannover sind bis einschließlich Juli über das Insolvenzgeld gesichert.

Unterstützt von den vorläufigen Insolvenzverwaltern führt die Geschäftsführerin Ursula Deriu des FIZ Technik derzeit intensive Gespräche mit Interessenten und potenziellen Investoren. Deriu ist optimistisch und sieht für dieses Vorhaben gute Chancen. "Wir verfügen über viel Erfahrung und Know-how, haben mit unseren Fachdatenbanken, der Suchmaschine "TecFinder" und unseren semantischen Technologien ein einzigartiges Angebot mit langjährig gewachsenen Kundenbeziehungen. Stand heute sind wir finanziell gesund. Das macht uns für Investoren attraktiv." Die interne Strategie zielt darauf ab, spätestens 2013 kostendeckend zu arbeiten und ein Jahr später die Gewinnzone zu erreichen. Bereits heute erwirtschaftet das FIZ Technik zwei Drittel seines Etats aus Umsatzerlösen.

Lediglich der enorme Zeitdruck trübt die gute Prognose. Das Schreiben, in dem das BMWi seinen Förderstopp bekannt gab, erreichte die FIZ-Geschäftsführung Ende April. So bleiben dem Unternehmen nur etwa acht Wochen, um Investoren zu finden, die ab August die Finanzierungslücke schließen sollen. "Wir stehen vor einer sehr schwierigen, aber lösbaren Aufgabe", gibt sich Deriu kämpferisch und versichert, alles in ihrer Macht stehende zu unternehmen, um FIZ Technik als profitable und eigenständige Einrichtung auf Kurs zu bringen.

Noch im Frühjahr 2009 sagte das BMWi dem Frankfurter Anbieter für technisch-wissenschaftliche Fachinformationen die Förderung bis maximal Ende 2012 zu. FIZ Technik ist noch auf das Geld aus dem Ministerium angewiesen. Ohne die Förderung fehlt dem FIZ Technik 2010 rd. 1 Mio. EUR in der Kasse, für 2011 und 2012 sind es jeweils weitere 2,2 Mio. EUR.

Im Sommer vergangenen Jahres erstellte FIZ Technik gemeinsam mit einer Unternehmensberatung ein umfassendes Konzept, das die finanzielle Eigenständigkeit des FIZ Technik nach dem Ende der staatlichen Förderung ab 2013 ermöglichen soll. Die Berater bescheinigten dem FIZ Technik ein großes Potenzial mit sehr guten Chancen auf eine wirtschaftliche Unabhängigkeit. Ein wesentlicher Punkt darin sieht vor, neue Anwender aus dem industriellen Mittelstand zu gewinnen.

Mit einem gelungenen Auftritt auf der Hannover Messe 2010 legte FIZ Technik einen wichtigen Grundstein. Binnen weniger Wochen zählte FIZ Technik über 100 neue Registrierungen für seine Serviceangebote.

Rund 250 Universitäten und Hochschulen nutzen FIZ-Technik-Datenbanken in Forschung, Lehre und für die Ausbildung der Ingenieure. Darüber hinaus setzen die Forschungs- und Entwicklungsabteilungen namhafter Industrieunternehmen wie Bosch, Daimler und Siemens auf das Wissensangebot von FIZ Technik. Die seit über 35 Jahren gepflegte Datenbasis mit Literaturnachweisen zu weltweiten ingenieurwissenschaftlichen Publikationen gilt als einmalige Wissensquelle und genießt in Fachkreisen hohes Ansehen.

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