Fracking – potenzielle Gefahren minimieren

In Gebieten, in welchen Fracking betrieben wird, sind bisweilen Verunreinigungen von Wasser aufgetreten. Wissenschaftler des Helmholtz Zentrums München stellen nun in der Zeitschrift Environmental Science & Technology der American Chemical Society (ACS) eine Analyse der offengelegten Fracking-Additive und potenzieller Risiken vor. Sie begründen, warum eine Bekanntgabe aller bei Fracking-Prozessen eingesetzten Chemikalien von essentieller Wichtigkeit ist.

Viele der Chemikalien, die für das Herauslösen von Öl und Gas aus Gesteinsschichten eingesetzt werden, sind harmlos. Manche sind jedoch toxisch und krebserregend. In der öffentlichen Diskussion über die Risiken für die menschliche Gesundheit stehen Fracking-Additive deshalb häufig im Mittelpunkt. Welche Chemikalien typischerweise zum Einsatz kommen, war in weiten Teilen unbekannt. „Dabei ist Transparenz der richtige Ansatzpunkt, um diese Gefahren korrekt einschätzen zu können und in Grenzen zu halten“, sagt Dr. Martin Elsner, Leiter der Abteilung Umweltisotopenchemie (EOIC) des Instituts für Grundwasserökologie (IGOE) am Helmholtz Zentrum München.

Zusammenstellung und Bewertung von Chemikalien

Der systematische Überblick, den die Wissenschaftler jetzt veröffentlicht haben, bietet einen faktenbasierten Ansatz, um Fracking-Chemikalien in ihrer Gesamtheit zu erfassen und auf ihre Bedenklichkeit hin zu klassifizieren. Bespiele für Substanzen, die kritisch bewertet werden, sind aromatische Kohlenwasserstoffe (als Lösungsmittel), Vorläufer endokrin wirksamer Substanzen wie Nonylphenole, Propargylalkohol (Korrosionsinhibitor), Tetramethylammoniumsalze (als Tonstabilisator), Biozide oder starke Oxidationsmittel.

Offenlegung aller verwendeten Substanzen

Gemeinsam mit seiner Doktorandin Kathrin Hölzer und Kollaborationspartnern der Duke und Yale Universität in den USA hat Elsner mehrere Arbeiten zu diesem Thema veröffentlicht. „Eine Offenlegung der Zusammensetzung aller verwendeten chemischen Substanzen kann dazu beitragen, die Fracking-Operationen zu verbessern und sicherer zu machen“, sagt Hölzer. So kann beurteilt werden, welche neuen Verbindungen sich aus unterirdischen chemischen Reaktionen bilden können. Das hat folgenden Hintergrund: Obwohl einige flüssige Zusatzstoffe anfangs nicht toxisch sind, wäre es möglich, dass diese sich nach Einspeisung in ein Bohrloch durch Reaktionen mit dort vorhanden Substanzen zu potenziell schändlichen Stoffen umwandeln. „Zusätzlich zur Kenntnis der Ausgangsmaterialien ist die Katalogisierung von natürlich vorkommenden Verbindungen, die sich aus unterirdischen Lagerstätten in die Flüssigkeiten mischen, entscheidend“, so Elsner. „Auf diesem Weg können wir die Sicherheit für unser Grundwasser erhöhen und einer Verschmutzung von Trinkwasser durch Chemikalien entgegenwirken“.

Literatur
M. Elsner and K. Hölzer, Quantitative Survey and Structural Classification of Hydraulic Fracturing Chemicals Reported in Unconventional Gas Production, Environmental Science and Technology, 50 (2016),

Quelle
Helmholtz Zentrum München - Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt