21/01/2015

Spektrum der Wissenschaft

Fracking: Fragliche Schätze

Mit reichlich Erdgas aus eigenen Quellen wollen die USA in den kommenden Jahrzehnten ihren wirtschaftlichen Aufschwung antreiben. Möglicherweise ist dies aber nur Wunschdenken.
Spricht US-Präsident Barack Obama über die Zukunft, sieht er eine florierende US-Wirtschaft – maßgeblich angekurbelt durch enorme Erdgasmengen aus heimischen Quellen. "Wir verfügen über Erdgasvorkommen, die Amerika für nahezu 100 Jahre versorgen können", erklärte er 2012 in seiner Rede zur Lage der Nation.


Obamas Aussage spiegelt einen Optimismus wider, der anscheinend die gesamten USA erfasst hat. Zu verdanken ist das einem als Fracking – oder Hydraulic Fracturing – bezeichneten Verfahren. Denn erst damit war es möglich, Erdgas zu einem relativ niedrigen Preis aus Tonstein, einem feinkörnigen Sedimentgestein, zu extrahieren. Im gesamten Land hallen Begriffe wie "Schiefergasrevolution" und "Energieüberfluss" durch die Vorstandsetagen von Unternehmen.

Die Firmen setzen sehr auf diese Vision von reichlich billigem Erdgas. In den kommenden 20 Jahren werden die Industrie sowie Stromproduzenten in den USA voraussichtlich hunderte Milliarden Dollar in neue, auf Erdgas basierende Anlagen investieren. Und weitere Milliarden an Dollar fließen in den Bau von Verladestationen und anderer Infrastruktur, mit der die Vereinigten Staaten verflüssigtes Erdgas nach Europa, Asien und Südamerika verschiffen können.

Alle diese Investitionen fußen auf der Erwartung, dass die Erdgasförderung in den USA über Jahrzehnte ansteigen wird – was sich mit den offiziellen Prognosen der U.S. Energy Information Administration (EIA) deckt. So ließ Adam Sieminski, Direktor der Energieinformationsbehörde, im vergangenen Jahr verlauten: "Die EIA hat keinen Zweifel daran, dass die Förderung von Erdgas bis hin zum Jahr 2040 weiterhin anwachsen kann." [...]