02.04.2015

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Fraunhofer IFAM: FVK-Produktion ohne Trennmittel - Mit Trennfolien Materialkosten senken und Produktivität steigern

Wissenschaftler vom Fraunhofer-Institut für Fertigungstechnik und Angewandte Materialforschung IFAM und die Experten der Infiana Group arbeiten gemeinsam an der Weiterentwicklung und Vermarktung der "FlexPlas"-Technologie, einer elastischen Trennfolie. Sie soll die Fertigung von Kunststoffbauteilen optimieren, insbesondere von komplexen Großstrukturen aus Faserverbundkunststoffen (FVK), die etwa bei der Herstellung von Flugzeugen oder Rotorblättern für Windenergieanlagen verwendet werden. Wer "FlexPlas" einsetzt, soll sicher und effizient, ohne Trennmittel und ohne Zeitverzögerung produzieren können: Die nächsten Schritte, zum Beispiel Lackieren, seien direkt nach dem Aushärten des Bauteils möglich.

Die "FlexPlas"-Trennfolie soll Materialkosten senken und die Produktivität steigern, da die formgebenden Werkzeuge nach der Bauteilentformung schneller wieder genutzt werden können. Aufgetragen auf die Werkzeugoberfläche sorgten herkömmliche Trennmittel bislang dafür, Bauteile nach der Fertigung sicher aus der Form zu lösen. Die verbleibenden fluor-, wachs-, oder silikonhaltigen Rückstände müssen allerdings vor der weiteren Verarbeitung sowohl auf dem gefertigten Teil als auch auf dem Werkzeug durch Abschleifen oder mittels Strahlverfahren entfernt werden - ein Prozess, der die Oberflächen beanspruchen und zudem kostenintensiv sein kann. Mit der "FlexPlas"-Trennfolie sollen diese Prozessschritte entfallen. Ihr Einsatz soll bis zu 70 Prozent der relevanten Produktionskosten senken.

"Ein Expertenteam an unserem Institut hat die plasmapolymere Trennbeschichtung entwickelt, die auf eine hochelastische Spezialfolie von Infiana Group aufgebracht wird", erklärt Dr.-Ing. Gregor Graßl, Projektleiter von "FlexPlas" beim Fraunhofer IFAM. Soheila Salehi-Schneider, Projektleiterin von "FlexPlas" bei Infiana fügt hinzu: "Beide Seiten bringen ihre umfangreiche Expertise ein - eine Win-win-Situation für alle, insbesondere für unsere Kunden."

"FlexPlas" kann laut Hersteller für unterschiedliche Verfahren (zum Beispiel Prepreg-Technologie im Autoklavverfahren, (Vakuum-)Infusion, Handlegeverfahren oder Resin Transfer Moulding/RTM) genutzt werden. Die bis zu 300 Prozent dehnbare, hochelastische und temperaturstabile Trennfolie wird wie eine zweite Haut auf die Werkzeugform aufgetragen. Nachdem die Fasermaterialien in die Form eingebracht und das Bauteil ausgehärtet ist, soll es dank "FlexPlas" einfach aus der Form gelöst werden können. Die Trennfolie kann entweder als Transportschutz auf dem Bauteil verbleiben oder abgezogen werden. Sie hinterlässt den Angaben zufolge keine Rückstände. Jedes Bauteil könne somit einfach weiter bearbeitet, zum Beispiel lackiert werden.

Wer auf die "FlexPlas"-Trennfolie, bevor sie mit Fasermaterial belegt wird, einen Gelcoat aufträgt, soll noch mehr Zeit und Energie sparen können. Neben den Schritten Reinigen und Schleifen soll damit nämlich auch das Lackieren des Bauteils sowie die zusätzliche Lackhärtung entfallen, indem der Lack in einem Produktionsschritt mit dem Bauteil ausgehärtet.

Zum ersten Mal gemeinsam präsentierten die beiden Kooperationspartner "FlexPlas" im März 2015 auf der JEC Europe, der weltweit größten Messe für Composites in Paris.

Über die Infiana Group
Die Infiana Group entwickelt und produziert Spezialfolien für den Konsumgütermarkt und für die Industrie. Die Firmengruppe beschäftigt an den vier Produktionsstandorten in Forchheim (Deutschland), Malvern (USA), Camaçari (Brasilien) und Samutsakorn (Thailand) rund 1.000 Mitarbeiter und ist in den Geschäftsfeldern Consumer (Folienproduktion für Verpackungen und als Komponente für Hygieneartikel), Industrial (Trenn- und Oberflächenfolien für technische Anwendungen) und im Pressure Sensitiv-Markt (silikonbeschichte Trennfolien) zu gleichen Teilen aktiv. 2014 erwirtschaftete die Infiana Group einen Umsatz von 200 Millionen Euro.

Über das Fraunhofer IFAM
Das Fraunhofer IFAM gilt als eine der europaweit bedeutendsten unabhängigen Forschungseinrichtungen auf den Gebieten "Formgebung und Funktionswerkstoffe" sowie "Klebtechnik und Oberflächen". Im Mittelpunkt stehen Forschungs- und Entwicklungsarbeiten mit dem Ziel, zuverlässige und anwendungsorientierte Lösungen zu liefern. Zur Realisierung dieser Aufgabe arbeiten mehr als 600 hochqualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter projekt- und themenbezogen zusammen.

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