10.03.2011

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GKV: Deutsche Kunststoffverarbeitung erreicht Vorkrisenniveau - Bedrohliche Kostenentwicklung

Ein kaum für möglich gehaltenes Comeback hat die deutsche Kunststoff verarbeitende Industrie im Jahr 2010 hingelegt. Mit einem Umsatz von 51,3 Milliarden Euro übertraf die mittelständisch geprägte Industrie das Vorjahr um 14 Prozent. Damit steht man nur noch 1 Prozent unter dem Vorkrisenniveau des Rekordjahres 2008. Für das laufende Jahr 2011 erwartet der Gesamtverband Kunststoffverarbeitende Industrie (GKV) nun weiteres Wachstum und den endgültigen Abschluss des Krisenkapitels.

Die Kunststoff verarbeitende Industrie in Deutschland hat nach vorläufigen Zahlen im zurückliegenden Jahr Waren im Wert von insgesamt 51,3 Milliarden Euro hergestellt, was 14 Prozent mehr ist als im Vorjahr und nur noch marginal unter den 52,3 Milliarden Euro des Jahres 2008 liegt. Besonders stark trugen die in der Krise arg gebeutelten Zulieferer technischer Teile mit einem Wachstum von 23 Prozent zum Wiederaufstieg bei, erklärte GKV-Präsident Dr. Bernd-Otto Kruse am Aschermittwoch vor der Presse in Frankfurt. Dennoch liegt der wichtige Bereich der Kunststoffverarbeitung noch 5 Prozent unter dem Vorkrisenniveau, das aber sowohl die Bauzulieferer als auch der stärkste Branchenzweig Kunststoffverpackung fast wieder erreicht haben. In einzelnen Segmenten wurde der Umsatz des Jahres 2008 sogar schon übertroffen, berichtete Dr. Kruse.

Bedrohliche Kostenentwicklung
Dennoch stehen die Branchenunternehmen laut dem GKV-Präsidenten vor großen Herausforderungen im Bereich der Rohstoff- und Energiekosten. Insbesondere die Volatilität der Polymerpreise habe bislang ungekannte Dimensionen erreicht. Der Verband befürchtet extreme Belastungen, die die mittelständischen Unternehmen überfordern. Die Einpreisung der gestiegenen Kunststoffkosten in die Produkterlöse müsse daher deutlich beschleunigt werden, um weitere Schieflagen trotz der guten Konjunktur zu verhindern. Diese eindeutige Botschaft richtete Dr. Kruse an die Abnehmer fertiger Kunststoffprodukte.

Zugleich forderte er die Politik auf, bereits erlassene Verordnungen im Licht der dadurch erhöhten Energiekosten nochmals zu überprüfen. Dennoch gab er ein klares Bekenntnis ab: "Wir halten an Deutschland als Standort fest wegen unserer gut ausgebildeten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, den vielschichtig verflochtenen Know-how-Netzwerken in diesem Land und den daraus resultierenden Innovationsimpulsen. Das wird uns weiterhin Exportchancen in alle Welt auch außerhalb Europas eröffnen, womit wir unter anderem eine der führenden Rollen auf diesem Kontinent weiter verantwortlich ausfüllen können."

Da die globale konjunkturelle Entwicklung einen robusten Eindruck mache, sollten die Kunststoffverarbeiter den eingeschlagenen Erfolgsweg auch in diesem Jahr fortsetzen können, schätzt der GKV. Die jährliche Konjunkturumfrage unter Mitgliedsunternehmen zeige gute Auftragsbestände und eine hohe Auslastung in der Industrie, was eine verstärkte Investitionsplanung und den Aufbau von Personal nach sich ziehe. 72 Prozent der GKV-Unternehmen rechnen mit steigenden Umsätzen auch in diesem Jahr.

Der Optimismus der deutschen Kunststoff verarbeitenden Industrie ist also ungebrochen. Zwar bereitet der Blick auf die Entwicklungen in der arabischen Welt Sorge, man hofft aber auf friedliche und demokratische Lösungen der Konflikte. Dies vorausgesetzt rechnet der GKV in diesem Jahr mindestens mit der Rückkehr auf das Vorkrisenniveau. Wahrscheinlich werden die Kunststoffverarbeiter Ende 2011 aber mehr oder minder deutlich darüber liegen und damit das harte Kapitel der letzten beiden Jahre endgültig hinter sich gelassen haben.