30.04.2012

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GKV: Trotz Plus bei Ausbildungsverträgen droht weiterhin Fachkräftemangel

In der Kunststoff verarbeitenden Industrie Deutschlands wurden im vergangenen Jahr 15,2 Prozent mehr Ausbildungsverträge zum Verfahrensmechaniker für Kunststoff- und Kautschuktechnik unterzeichnet als 2010. Insgesamt entschieden sich 2.688 junge Menschen für den Branchenberuf. Dies ergab die jüngst veröffentlichte Ausbildungsbilanz des Gesamtverbandes der Kunststoffverarbeitenden Industrie e.V. (GKV). Trotz der positiven Entwicklung sieht der Spitzenverband die Zukunft der Branche weiter in Gefahr, denn nach wie vor drohe ein gravierender Fachkräftemangel. Um den Mangel abfedern zu können, müssten nach Einschätzung des GKV bedeutend mehr Verfahrensmechaniker ausgebildet werden.

Die deutsche Kunststoff verarbeitende Industrie verzeichnete den Angaben zufolge 2011 ein Umsatzplus von 8,9 Prozent und übertrifft damit das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts um Längen. Ausschlaggebender Faktor für dieses Spitzenergebnis sei neben der hohen Innovationskraft der Unternehmen, die hohe Qualität deutscher Waren aus Kunststoff.

"'Made in Germany' ist auch in unserer Branche ein Gütesiegel in Sachen Qualität. Kunststoffprodukte aus Deutschland sind weltweit gefragt. Gesichert wird die hohe Qualität durch gut ausgebildete Fachkräfte. Doch schon heute haben viele unserer Mitgliedsunternehmen Probleme, qualifizierte Arbeitnehmer zu finden. Die Kosten, die aufgewandt werden, um neue Mitarbeiter und Auszubildende einzuwerben, sind in den letzten Jahren deutlich gestiegen. Dennoch bleiben viele Stellen lange unbesetzt. Das volle Ausmaß des Fachkräftemangels wird sich jedoch erst offenbaren, wenn 2020 die Generation der Babyboomer in Rente gegangen sein wird", warnt Ralf Olsen, Geschäftsführer des pro-K und im GKV zuständig für den Bereich Bildungspolitik und Berufsbildung.

Hochrechnungen des Verbandes ergaben, dass der Branche bis dahin über 100.000 Fachkräfte - Akademiker ebenso wie qualifizierte Facharbeiter - fehlen werden. Diese Lücke drohe, die boomende Industrie auszubremsen, in der derzeit nahezu 300.000 Arbeitnehmer beschäftigt sind. "Es ist schon heute utopisch zu glauben, dass wir diese Lücke komplett schließen können. Bereits jetzt verlassen zu wenige Schüler mit einem adäquaten Abschluss die Schule. Wir können das klaffende Loch nur noch so gut wie möglich stopfen. Es ist für unsere Branche daher überlebenswichtig, jetzt vorausschauend zu handeln und verstärkt daran zu arbeiten, möglichst viele Arbeitnehmer für den Beruf des Verfahrensmechanikers zu begeistern. Nur so kann die Nachfrage nach hochwertigen Kunststoffprodukten aus Deutschland weiterhin bedient werden", mahnt Ralf Olsen.