Global betrachtet

Perspektiven der Kunststoff- und Kautschukbranche

Der weltweite Erfolg der K-Branche zeigt sich vor allem am Wachstum des Einsatzes von Kunststoff und Kautschuk als Werkstoff, der von 1950 bis 2015 um durchschnittlich 8,5 Prozent pro Jahr gestiegen ist. Ganz so groß wie in den 1950er bis 1970er Jahren sind die Wachstumsraten heute nicht mehr, aber etwa 4 bis 5 Prozent pro Jahr sind seit der Jahrtausendwende noch immer zu verbuchen. Allerdings variieren sie je nach Region, Produkt oder Anwendung nicht unerheblich.

Weltweite Akzeptanz der polymeren Werkstoffe

Triebfedern für das weltweite Wachstum sind vor allem die Zunahme der Weltbevölkerung und der insgesamt steigende Lebensstandard der Menschheit. Das Prosperieren findet Ausdruck in vielen Anwendungsmärkten für Kunststoffe, allen voran in der Verpackung für Lebensmittel und Produkte des täglichen Bedarfs, aber auch in vielfältigen Behältern für Lagerung und Transport. Infrastruktur und Bau bedingen außerdem den Einsatz von Kunststoffen in der Wasser-, Strom- und Gasversorgung, in Isolierungen, Fensterprofilen und vielem mehr. Weiter ist als wichtiges Einsatzgebiet die wachsende Mobilität zu nennen – vom Automobil über den Lastverkehr bis zur Luftfahrt. Ein Anwendungsgebiet, in dem Kunststoffe unverzichtbar geworden sind, ist die Medizin: Geräte, Diagnostik, Labor und die sichere Applikation von Pharmazeutika in der aktuell geforderten Qualität sind ohne Kunststoffe als sichere und hygienische Einwegartikel nicht mehr darstellbar. Auch Sport- und Freizeitartikel, wie wir sie heute kennen und schätzen, sind nur noch mit Kunststoffen zu realisieren. Alle diese Applikationen tragen in ihren Märkten und mit den für sie verwendeten Kunststoffen und Kautschuken zur weltweiten Akzeptanz und zur weiteren Verbreitung der polymeren Werkstoffe bei.

Asien führende Weltregion bei der Kunststofferzeugung

Für das Jahr 2015 bezifferte der Erzeugerverband PlasticsEurope die weltweite Kunststoffproduktion auf 322 Millionen Tonnen. Knapp 270 Millionen Tonnen davon waren Kunststoff-Werkstoffe, das heißt Materialien, die zu Produkten aus Kunststoff verarbeitet wurden. Die übrigen rund 50 Millionen Tonnen wurden zur Herstellung von Beschichtungen, Klebern, Dispersionen, Lacken oder Farben verwendet. Im gleichen Zeitraum wurden nach Analysen der International Rubber Study Group IRSG weltweit fast 29 Millionen Tonnen Kautschuk hergestellt und verbraucht. Davon entfielen 12 Millionen Tonnen auf Naturkautschuk und knapp 17 Millionen Tonnen auf Synthesekautschuk.

Wie alle Preisschocks und Wirtschaftskrisen der letzten Jahrzehnte konnte auch die kurze Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/2009 die langfristig positive Entwicklung der Kunststoffindustrie nur kurz geringfügig bremsen. Seit 2010 sind die Kunststoffe mit 3 bis 5 Prozent Produktionssteigerung pro Jahr auf den Wachstumspfad zurückgekehrt.

Die Kapazitäten zur Erzeugung von Thermoplasten, dem größten und bedeutendsten Teil aller Kunststoffe, betrugen zum Ende des Jahres 2015 nach Auskunft der KI-Kapazitätendatenbank Polyglobe weltweit rund 305 Millionen Tonnen pro Jahr. Davon entfielen mehr als 90 Prozent auf Standardkunststoffe, knapp 9 Prozent auf technische Thermoplaste und jeweils Promilleanteile auf Hochleistungspolymere sowie biobasierte und bioabbaubare Kunststoffe.

Der gewaltige wirtschaftliche Aufstieg Chinas und vieler südostasiatischer Länder hat den asiatisch-pazifischen Wirtschaftsraum auch in der Kunststoffindustrie der Welt zur größten und wachstumsstärksten Region werden lassen. Inzwischen erzeugt Asien mit 49 Prozent Anteil knapp die Hälfte aller weltweit hergestellten Kunststoffe. Aus asiatischen Ländern stammten 2015 mehr als 40 Prozent der weltweit zur Kunststoffverarbeitung eingesetzten Maschinen. China ist heute in allen Segmenten der Kunststoffindustrie die bedeutendste Nation der Welt: Nach den Zahlen für 2015 entfallen 28 Prozent der globalen Kunststofferzeugung, knapp 33 Prozent der Weltproduktion an Kunststoffmaschinen und der größte Einzelanteil an der weltweiten Kunststoffverarbeitung allein auf das Reich der Mitte.

Der gewaltige Ausbau von Polymerisationskapazitäten im asiatisch-pazifischen Raum und im Nahen Osten hat die Verhältnisse in den Statistiken nachhaltig verschoben: Mit den 28 Prozent Anteil Chinas, mit 4 Prozent aus Japan und weiteren 17 Prozent aus den übrigen asiatischen Ländern ergeben sich für den Kontinent satte 49 Prozent. Europa und Nordamerika verloren mit 18 Prozent bzw. 19 Prozent Anteil an der Weltproduktion einige Prozentpunkte. Auf den Nahen und Mittleren Osten sowie Afrika fielen der Statistik von PlasticsEurope zufolge zusammen 7 Prozent, auf Südamerika 4 Prozent und auf die ehemaligen GUS-Staaten 3 Prozent. Im Vergleich mit 2006 steigerte Asien bis 2015 seinen Anteil an der Weltproduktion um rund 9 Prozentpunke, während Nordamerika um 4 und Europa 6 Punkte abgaben. Auch in der Kautschukproduktion dominiert Asien – traditionell mit 73 Prozent Anteil bei Naturkautschuk, aber inzwischen auch mit 61 Prozent bei Synthesekautschuk.

Deutschsprachige Länder Technologieführer, China Marktführer im Maschinenmarkt

Der Produktionswert der Kunststoff- und Gummimaschinen erreichte im Jahr 2015 weltweit ein Volumen von 33,9 Milliarden Euro (2014: 32,5 Milliarden Euro). Die europäischen Kunststoffmaschinenhersteller erwirtschafteten 40 (40) Prozent, entsprechend einem Produktionswert von 13,6 (13,0) Milliarden Euro. Wie Euromap, der Zusammenschluss von Maschinenbauern aus Österreich, Frankreich, Deutschland, Großbritannien, Italien, Luxemburg, Spanien, der Schweiz und der Türkei, ermittelte, konnten die Europäer 2015 ihre führende Rolle mit knapp der Hälfte der Weltexporte halten. Trotz vieler Unwägbarkeiten erwartete Euromap für das Jahr 2016 eine weitere Steigerung der Weltproduktion um 3 Prozent auf 34,9 Milliarden Euro und ein Wachstum der europäischen Produktion um 2 Prozent auf 13,8 Milliarden Euro.

Nach Produktionswert größte Einzelnation im Kunststoff- und Gummimaschinenbau war 2015 China mit 32,5 Prozent Anteil, gefolgt von Deutschland mit 20,7 Prozent, Italien mit 7,8 Prozent und den USA mit 7,2 Prozent. Im Welthandel führt der deutsche Maschinenbau mit einem Anteil am Weltexport von 22 Prozent vor China (15 Prozent), Japan und Italien (beide 9 Prozent) und den USA (6 Prozent).

Europäische Kunststoffindustrie verhältnismäßig stabil

Die Kunststoffindustrie in der EU28 erreichte im Jahr 2014 mit 1,45 Millionen Beschäftigten in 62.000 meist kleinen und mittelständischen Unternehmen nach von PlasticsEurope zusammengestellten Eurostat-Angaben einen Umsatz von 350 Milliarden Euro und trug 18 Milliarden Euro zum Handelsbilanzüberschuss der EU bei. Die wichtigsten Exportziele (außerhalb der EU) für den Export von Kunststoff-Rohstoffen und Produkten aus Kunststoff waren demnach die Türkei, China, die USA, Russland und die Schweiz. Wichtigste Importquellen außerhalb der EU waren bei Rohstoffen die USA, Saudi-Arabien, Südkorea, die Schweiz und Japan, in der Kunststoffverarbeitung die USA, die Schweiz, China, die Türkei und Japan.

Die Verpackungsbranche verbrauchte nach Angaben von PlasticsEurope im Jahr 2014 in Europa mit 39,5 Prozent den größten Anteil der Kunststoffe in Europa. Das Bauwesen folgte mit 20,1 Prozent Anteil auf Platz 2, die Automobilbranche mit 8,6 Prozent auf Platz 3, es folgten die Elektro- und Elektronikindustrie mit 5,7 Prozent und die Landwirtschaft mit 3,4 Prozent. Der Verbrauch aller übrigen Abnehmer, wie der Möbelbranche, der Medizin und der Hersteller von Hausgeräten, Spielwaren, Sport- und Freizeitartikeln, summierte sich auf 22,7 Prozent.

Größte Kunststoffverbraucher in Europa sind nach wie vor Deutschland (25 Prozent), Italien (gut 14 Prozent), Frankreich (knapp 10 Prozent), Großbritannien (knapp 8 Prozent), Spanien (gut 7 Prozent) und Polen (6 Prozent).

Die Shale-Gas-Revolution als neuer „game changer“

Europa bemüht sich um die Reduzierung seiner CO2-Emissionen. Den Einsparanstrengungen folgte ein sinkender Einsatz fossiler Ressourcen. Der rückläufige Ölverbrauch wiederum löste in den letzten Jahren ein Raffineriesterben aus, das auch die verfügbaren Mengen an Vorprodukten für Polyolefine, die mengenmäßig bedeutendste Gruppe der Kunststoffe, reduzierte. Zugleich errichteten die Golfanrainerstaaten sozusagen auf ihren Ölquellen erhebliche Kapazitäten zur Erzeugung von Kunststoffen, die Asien und Amerika versorgen sollten. Während sich Europa schon heute nicht mehr aus eigenen Ressourcen mit Polyolefinen versorgen kann und auf Importe angewiesen ist, zieht mit der Shale-Gas-Revolution als unvergleichlich kostengünstige Quelle in den USA ein weiterer „game changer“ herauf. Infolge der bereits seit Jahren laufenden Investitionen sollen voraussichtlich ab dem Jahr 2017 neue Kapazitäten für Polyolefine auf Gasbasis on stream gehen. Zurzeit werden in Nordamerika Kapazitäten sowohl zur Förderung von Shale Gas, zur Erzeugung der notwendigen Copolymere und zur Polymerisation der Zielkunststoffe errichtet. Nicht zuletzt wächst die Infrastruktur für Transport, Lagerung und Seeverschiffung von Vorprodukten und verarbeitungsfertigen Kunststoffgranulaten. Der Kostenvorteil der amerikanischen neuen Produktionen wird aller Voraussicht nach die Mengenströme an Polyolefinen zwischen den Kontinenten zugunsten von Lieferungen aus Nordamerika verschieben.

Kunststoffkonjunktur mit Licht und Schatten

Nicht überall auf der Welt verzeichnet das Geschäft mit Kunststoffen und Kunststoffprodukten eine so verhältnismäßig stabil-positive Situation wie im Euro-Währungsraum. Die kleine aber feine Schweizer Kunststoffindustrie litt zuletzt unter der plötzlichen Lösung des Schweizer Franken vom Euro und der damit verbundenen drastischen Aufwertung der lokalen Währung. Vor allem Maschinenbau und Verarbeitung wurden quasi über Nacht hart getroffen.

Außerhalb Europas lief das Geschäft vor allem in den BRIC-Staaten zuletzt weit verhaltener als erhofft. China musste seine Wachstumszahlen nach unten korrigieren, und Indien stemmt sich gegen Importdruck. Die Industrie Russlands kämpft mit dem volatilen Rubel, mit Sanktionen und weiteren politischen Unsicherheiten sowie mit niedrigeren Erlösen aus dem Energiegeschäft. Auch Brasilien und einige seiner Nachbarstaaten leiden unter dem niedrigen Ölpreis, von deren Export ihre Staatshaushalte erheblich abhängen, und sind in Wirtschaftskrisen gerutscht. Sowohl die Kunststofferzeuger als auch viele Kunststoffverarbeiter in Südamerika schieben ihre angedachten Investitionen derzeit in eine ungewisse Zukunft. Derweil ruhen die Hoffnungen der Hersteller von Investitionsgütern neben vielen aufstrebenden asiatischen Märkten und den wieder erstarkten USA auch auf einer wirtschaftlichen Öffnung des Iran.

Mehr Recycling in Europa

Die Verschmutzung der Meere durch eingetragene Kunststoffabfälle und sogenanntes Mikroplastik hat in den letzten Jahren weltweit breiten Widerhall in Medien und Bevölkerung gefunden. Es ist dabei offenkundig, dass einerseits nicht funktionierende Entsorgungssysteme und andererseits menschliches Verhalten die bedauerlichen Zustände verursachen.

Obwohl der alte Kontinent nicht zu den großen Verursachern von Verschmutzungen gehört, bemüht sich vor allem die europäische Kunststoffindustrie seit langem darum, neben der Errichtung geeigneter Erfassungssysteme und der konsequenten Wiederverwendung von Produktionsabfällen auch Post-consumer-Abfälle aus Kunststoff wiederzuverwerten. Infolge gesetzlicher Vorgaben und vielfältiger Anstrengungen und Initiativen kletterte in Europa (das sind hier die EU28-Staaten plus Schweiz und Norwegen) die Verwertungsquote in den letzten Jahren stetig weiter aufwärts: Im Jahr 2014 erreichte sie 69 Prozent und damit rund 10 Punkte mehr als noch 2011 und 21 Punkte mehr als 2006. In den europäischen Ländern mit „Deponieverbot“ sind die Verwertungsquoten besonders hoch: Während diese Staaten – die Schweiz, Österreich, die Niederlande, Deutschland, Schweden, Luxemburg, Dänemark, Belgien und Norwegen – mehr als 96 Prozent ihrer Kunststoffabfälle verwerten, erreichen noch immer fünf Länder Quoten unterhalb 30 Prozent.

Wichtigste Verwertungswege in Europa waren 2014 mit 39 Prozent die energetische Verwertung und mit 30 Prozent Anteil das werkstoffliche Recycling, während etwa 31 Prozent der Kunststoffabfälle deponiert wurden. Zehn Jahre zuvor waren noch 26 Prozent energetische Verwertung, 17 Prozent recycelt und 57 Prozent deponiert worden. Bei der Verwertung von Verpackungen erreichen alle europäischen Länder inzwischen Quoten über 20 Prozent, die Hälfte mehr als 70 Prozent und einige sogar mehr als 99 Prozent.

Deutschland: Heimatmarkt der K-Messe oft Technologieführer

Im internationalen Standortwettbewerb behauptet sich die Kunststoff- und Kautschukindustrie in den drei deutschsprachigen Ländern nach wie vor gut. Sie ist seit Jahrzehnten in vielen Segmenten der Wertschöpfungsketten für Kunststoff und Kautschuk Technologieführer. Als größter Einzelmarkt in Europa ist Deutschland auch der Heimatmarkt der K-Messe.

Ein kurzer Blick auf die Kennzahlen dieses zentralen Marktes: In Deutschland erzielte die Kunststoff- und Kautschukindustrie im Jahr 2015 einen Umsatz von knapp 105 Milliarden Euro. Mit fast 470.000 Beschäftigten hält sie als einer der wichtigsten Wirtschaftszweige einen Anteil von 6 Prozent an der heimischen Industrieproduktion. In Deutschland wurden im Jahr 2015 nach Angaben von PlasticsEurope 18,5 Millionen Tonnen Kunststoff erzeugt. Die Umsätze der Kunststofferzeuger beliefen sich insgesamt auf 24,4 Milliarden Euro. Ausbringung und Umsätze bewegten sich in den letzten Jahren bei nur leichten Schwankungen auf konstantem Niveau. Die immer weniger wettbewerbsfähige Rohstoffbasis und die stark steigenden Energiekosten drückten auf die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Produktionsstandorte.

Der Kunststoff- und Gummimaschinenbau in den deutschsprachigen Ländern hält seit langem seine Position als Technologieführer in der Maschinen- und Verfahrenstechnik. Die Hersteller aus Deutschland schlossen das Jahr 2015 mit einem Produktionswert von 7,0 Milliarden Euro bei den Kernmaschinen und damit über dem bisherigen Rekordjahr 2013 ab. Mit 20,7 Prozent Anteil an der Weltproduktion rangierten sie hinter China (32,5 Prozent) auf Platz 2 und weit vor dem mit 7,8 Prozent drittplatzierten Italien. Im Welthandel führte der deutsche Maschinenbau mit 4,7 Milliarden Euro Exportwert und einem Anteil am Weltexport von 22 Prozent vor China (15 Prozent), Japan und Italien (beide 9 Prozent).

Die deutsche Kunststoffverarbeitung erzielte 2015 einen Umsatz von 59,8 Milliarden Euro. Die Verarbeitungsmenge belief sich auf rund 13,6 Millionen Tonnen. Die Kautschukverarbeiter in Deutschland verarbeiteten 1,56 Millionen Tonnen Gummi und konnten Erlöse von 11,56 Milliarden Euro vorweisen.