Großes Interesse trotz schwieriger Zeiten

11.02.2016

interplastica und UPAKOVKA/UPAK ITALIA 2016 in Moskau zählten deutlich mehr Besucher als im Vorjahr.

Westliche Technologie für die Produktion von Verpackungen und verwandte Prozesse sowie für die Herstellung von Kunststoff- und Kautschukwaren wird bei russischen Unternehmen nach wie vor sehr geschätzt. Die politischen Rahmenbedingungen, der Ölpreisverfall sowie eine fortgesetzte Rubelschwäche mit einer Inflationsrate von etwa 15,8 Prozent im vergangenen Jahr und die daraus resultierende zögerliche Kreditvergabe machen Investitionen vor allem für kleine Unternehmen jedoch schwierig.

Auf der anderen Seite besteht in Russland und den Nachbarstaaten nach wie vor erheblicher Investitionsbedarf. Vor allem die heimische Konsumgüter-, Nahrungsmittel- und Verpackungsindustrie ist gefordert, Produktionsprozesse und Produktqualität zu optimieren, um Importe substituieren zu können. Sich über innovative Technologien auf dem Laufenden zu halten, Geschäftsbeziehungen zu Anbietern zu pflegen oder neu zu knüpfen stand daher für die Besucher der interplastica und UPAKOVKA/UPAK ITALIA 2016 im Fokus. 20.900 Fachleute aus Russland und den Nachbarstaaten kamen vom 26. bis 29. Januar ins Moskauer Messezentrum Expocentre in Krasnaya Presnya - rund 1.900 mehr als 2015. Die Stimmung in den Hallen war auffallend gut, die Aussteller berichteten von äußerst interessierten und teilweise auch orderbereiten Geschäftsleuten. Insgesamt präsentierten bei beiden Messen 828 Unternehmen aus 38 Ländern ihre Angebote.

„Russland ist nach wie vor ein potenziell bedeutender Markt, der aktuell durch schwierige Zeiten geht. Momentan wird es vor allem mittleren und kleinen russischen Unternehmen nicht leicht gemacht – das Problem der Finanzierung geplanter Investitionen ist sehr groß. Dennoch ist der Markt keineswegs zum Stillstand gekommen.

Das Interesse an hochwertigen und innovativen Maschinen, Systemen und Materialien ist nach wie vor groß, die Unternehmen wollen investieren und bemühen sich, geplante Projekte auch zu realisieren. In einer solchen Situation spielen Messen eine wichtige Rolle! Die Aussteller haben mit ihrer Teilnahme bewiesen, dass sie nicht nur den kurzfristigen Erfolg im Auge haben, sondern auf nachhaltige Beziehungspflege setzen. Dies wurde klar honoriert,“ kommentiert Matthias Werner Dornscheidt, Vorsitzender der Geschäftsführung der Messe Düsseldorf. Die Messegesellschaft richtet mit ihrem Tochterunternehmen Messe Düsseldorf Moskau OOO die beiden Fachmessen interplastica und UPAKOVKA/UPAK ITALIA aus, letztere in Kooperation mit dem italienischen Veranstalter CPA.

Die Besucher äußerten sich übereinstimmend positiv über das vielfältige Firmen- und Produktspektrum, die zahlreichen Produktpremieren und die Präsenz vieler Marktführer. Aber auch Spezialanbieter und Newcomer konnten sich über lebhaften Betrieb an ihren Messeständen freuen.

Für deutsche Maschinenbauer ist Russland nach wie vor ein interessanter Absatzmarkt, auch wenn die Zahlen aktuell rückläufig sind. Die deutschen Exportlieferungen von Kunststoff- und Gummimaschinen nach Russland beliefen sich im Zeitraum Januar bis November 2015 auf 118,8 Mio Euro; das ist ein Minus von 16,7 Prozent gegenüber demselben Vorjahreszeitraum. Trotz dieses Auftragsrückgangs bleibt Deutschland wichtigster Lieferant in diesem Segment. 2014 (Zahlen für 2015 sind noch nicht verfügbar) lag der deutsche Marktanteil bei 23,9 Prozent. Es folgte Italien mit 12,6 Prozent vor China mit 11,6 Prozent. Der Weltexport von Kunststoff- und Gummimaschinen nach Russland wies im Jahr 2014 ein Plus von 4,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahr auf und entsprach einem Gesamtwert von 660,0 Mio. Euro.

Bernd Nötel vom Fachverband Kunststoff- und Gummimaschinen im VDMA freut sich, dass die traditionell vertrauensvollen deutsch-russischen Geschäftsbeziehungen auch in schwierigen Zeiten Bestand haben: „Maschinen aus Deutschland haben hier im Land einen sehr guten Ruf, und auch der Service der deutschen Unternehmen wird überaus geschätzt. Die deutschen Anbieter haben ihre Präsenz vor Ort genutzt, um den engen Kontakt zu den Kunden zu halten und ihre Neuheiten vorzustellen. Die Finanzierung geplanter und auch notwendiger Investitionen stellt aktuell das größte Problem dar. Doch es besteht durchaus Optimismus für die Zukunft - zumal erkennbar wird, dass seitens der russischen Regierung Anstrengungen unternommen werden, um im Land den Aufbau der Produktion voranzutreiben. Die Entwicklung der Wertschöpfungskette ist lange vernachlässigt worden – die aktuell niedrigen Öl-und Gaspreise sorgen für Bewegung auf diesem Gebiet.“ Nötel resümierte, dass viele deutsche Firmen mit gedämpften Erwartungen zur interplastica gekommen seien, diese aber durch die gestiegene Zahl und das gute Niveau der Kundenkontakte deutlich übertroffen wurden. Der VDMA-Fachverband selbst hatte zusammen mit dem Fachverband Nahrungsmittel- und Verpackungsmaschinen am ersten Messeabend zu einem geselligen Austausch zwischen deutschen Anbietern und russischen Kunden eingeladen und war über die positive Resonanz sehr erfreut.

Italien präsentierte sich gewohnt stark im Rahmen der interplastica, zahlreiche Individualaussteller und der große Gemeinschaftsstand boten in den Hallen 1 und 3 einen umfassenden Überblick. Und obwohl auch die italienischen Hersteller im vergangenen Jahr weniger Maschinen und Werkzeuge nach Russland verkaufen konnten als 2013, setzen die Firmen doch auf langjährige gute Kundenkontakte und die Qualität ihrer Produkte. Das bestätigt Mario Maggiani, Geschäftsführer des italienischen Maschinenbau-verbandes Assocomaplast: „Die Exporte von Kunststoff- und Gummimaschinen sowie –formen sind im Jahr 2014, verglichen mit dem Vorjahr, um 12 Prozent gesunken, d.h. von 119,5 auf 105,3 Millionen Euro. Und wenn wir 2015 betrachten, müssen wir anhand der bislang vorliegenden Zahlen für die ersten drei Quartale sogar von einem Rückgang von 20 bis 30 Prozent ausgehen. Russland ist damit auf den achten Platz in unserer Exportstatistik gefallen, nachdem es jahrelang zu den fünf wichtigsten Absatzmärkten für die italienischen Produzenten von Kunststoff- und Gummimaschinen zählte.“ Obwohl man angesichts des schwierigen wirtschaftlichen Umfelds, insbesondere der Rubelschwäche, des Ölpreisverfalls und der Sanktionen, nicht mit einer kurzfristigen Besserung rechne, lagen der gute Besucherzuspruch zur interplastica und die konkreten Gesprächen doch deutlich über den Erwartungen der italienischen Aussteller, so Maggiani.

Das Angebot der interplastica-Aussteller wurde ergänzt durch ein fachliches Rahmenprogramm. Im „Meeting Point Raw Materials“ auf der Polymer Plaza in der Messehalle 1 fanden Vorträge und Diskussionsrunden statt, in denen Rohstoffpreise, Kunststoffrecycling und Additive Fertigung im Mittelpunkt standen. Zudem präsentierten Aussteller in offenen Seminaren innovative Produkte und Verfahren..
Die nächste interplastica in Moskau wird vom 24. bis 27. Januar 2017 stattfinden, erneut parallel zur UPAKOVKA/UPAK ITALIA.

Nähere Informationen
gibt es im Internet unter www.interplastica.de und bei der Messe Düsseldorf GmbH, Thomas Franken, Tel. 0211/4560-7739, Email: FrankenT@messe-duesseldorf.de, und Claudia Wolfgram, Tel. 0211/4560-7712, Email WolfgramC@messe-duesseldorf.de




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