07.06.2010

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Groche Technik: Schneckenprofis feiern 40-Jähriges mit Tag der offenen Tür

Im Frühling 1970 begann in Kalletal die Erfolgsgeschichte der Groche Technik GmbH. Firmengründer Rolf Groche fertigte zunächst in Lohnarbeit Teile für Hersteller von Spritzgießmaschinen. Bedingt durch Anfragen von Endkunden, entstand nach und nach innerhalb Europas ein Vertriebsnetz für Plastifiziereinheiten. 1987 stieg sein Sohn Armin in die Firma ein - einer von sechs Beschäftigten - und lernte in allen relevanten Sektoren von der Pike auf. Als Schnecken und Zylinder zum Kerngeschäft avancierten, begab sich die Groche-Technik auf Expansionskurs. Das Unternehmen zählt heute, an seinem 40. Geburtstag, zu den renommierten seiner Branche und beschäftigt immerhin 40 Mitarbeiter. Ein guter Grund, interessierte Experten am Tag der offenen Tür einen Blick in die Welt der Hightech-Schneckenprofis werfen zu lassen. Knapp 80 Besucher nutzten am 20. und 21. Mai diese Gelegenheit - die HVOF-beschichtete Schnecke stand im Fokus des Interesses.

Groche Technik fertigt heute komplette Garnituren mit Standard- und Sonderschnecken für Spritzgieß- und Extrusionsanwendungen (Kunststoff und Gummi) in Durchmessern von 12 bis 200 mm und in Längen von 200 bis zu 5.000 mm.

Schichtwert PVD / HVOF
"Für den Kunden steht stets die Wirtschaftlichkeit unserer Produkte im Fokus", weiß Armin Groche. "Insbesondere in den Bereichen, in denen immer aggressivere Stoffe, wie beispielsweise Glasfaser und Flammhemmer, Einsatz finden." Um Verschleiß- und Korrosionsfestigkeit zu optimieren, erhalten die Schnecken und Zylinder auf Wunsch Panzerungen und Beschichtungen. Sonderlegierungen wie Hastelloy oder Inconel werden bei Spezialanwendungen benötigt. Sonderoberflächenbehandlungen wie chemische Nickel-, Hartchrom- oder PVD-Beschichtungen sind auf Wunsch erhältlich. Letztere, die Physical Vapour Deposition, die im Vakuumofen auf das Produkt aufgedampft wird, kann die Standzeiten des Werkstücks um bis zu 60 Prozent erhöhen - nicht zuletzt durch die höhere Oberflächendichte und folglich längeren Arbeitszyklen. "Bei HVOF-beschichteten Schnecken (high velocity oxygen fuel = Hochgeschwindigkeits-Flammauftragsspritzen, 750 m/sec), die das "non plus ultra" in Langlebigkeit und Widerstandsfähigkeit gegen aggressive Kunststoff-Beimischungen darstellen, kommt es insbesondere auf das Grundmaterial an", sagt Armin Groche, " deswegen haben wir mit unserem HVOF-Partner in Florida - vor dem Verkauf der ersten Schnecke in 2007 - Versuche auf Sonderstählen gefahren, die Ablösungen der Beschichtung von vorne herein ausschließen."

Mischdüse merzt kleine Farbdifferenzen aus
Innovative Technik präsentiert Groche auch mit seiner Mischdüse. Diese erlaubt es, kleine Farbdifferenzen auszumerzen und amortisiert sich darüber in kürzester Zeit, so Groche. "Wettbewerbsfähigkeit, die unsere Kunden schätzen gelernt haben", meint Armin Groche. 150 dieser innovativen Mischdüsen vertreibt das Unternehmen inzwischen jährlich. Tendenz steigend. In weiser Voraussicht haben sich die Kalletaler die Lizenz für den europaweiten Vertrieb gesichert. Ein eigenes Produkt präsentiert Groche mit der Mischrückstromsperre, deren Konstruktion auf der eines dynamischen Mischers basiert. "Anfang dieses Jahres haben wir sie nochmals modifiziert - denn gut man immer noch besser machen", so Groche. Einsatz findet sie bei PP, PE, PC oder PMA. Eine bessere Einfärbung und somit Farbersparnis, eine geringere Ausschussrate und die optimale Homogenisierung sollen helfen, Kosten auf der einen Seite zu senken sowie die Qualität der Teile auf der anderen anzuheben.

Vertiefte Einblicke
Was Kundennähe, das Erfolgsrezept des vier Jahrzehnte jungen Unternehmens, bedeutet, verdeutlicht sich beim Tag der offenen Tür. Kleine Gruppen von maximal zehn Teilnehmern bekommen einen tiefen Einblick in die täglichen Abläufe in Büro und Produktionshallen. Auf 2.000 Quadratmetern bieten sich viele Haltestellen mit Diskussionsbedarf. Ob Wirbeltechnik, Fünfmeter-CNC-Drehen, WIG-Schweißkabine oder Feinschliffstation, es bleiben am Ende keine Fragen offen. Die Besucher, die meist mittelständischen Un-ternehmen aller Spritzgießbereiche - von Automotive, Verpackung, über Elektrotechnik bis hin zur Medizintechnik - angehören, erhalten Gelegenheit, mit den Groche-Experten aus 3D CAD Konstruktion, der computerbasierten Arbeitsvorbereitung im CAM-Modus und aus der CIM-nahen Fertigung zu fachsimpeln. CNC-Drehen, CNC-Fräsen, CNC-Wirbeln, Hochpräzisions-Bohren, -Honen, -Flächenschleifen, -Außenrundschleifen sowie Plasmapulver-Auftragsschweißen, WIG-Schweißen und Vakuumhärten, alles kommt zur Sprache. Auch die Heißregler-Exponate der Firma Hummel AG, die Groche im Norden Deutschlands vertreibt. Beachtlich - sogar der amerikanische Partner, der die Lizenz für die gefragte Veredlung der Schnecke durch Flammauftragsspritzen besitzt, hat es sich nicht nehmen lassen, am Open House in Kalletal zugegen zu sein.

Weitere Informationen: www.gt-plast.de