21/10/2010

Gute Zeiten für die Kunststoffbranche prognostiziert Ulrich Reifenhäuser, Vorsitzender des Ausstellerbeirates der K 2010

Ausführungen von Ulrich Reifenhäuser, Vorsitzender des Ausstellerbeirates der K 2010, anlässlich der Pressekonferenz am 21. Oktober 2010 in Düsseldorf

Seit Jahrzehnten werden Kunststoffe eingesetzt als
• leichte und materialsparende, aber sichere und barrierestarke Verpackung,
• als Schall-, Kälte-, Wärme- und Stromisolierung, als Gas-, Wasser- und Abwasserrohr, als Fensterprofil oder Bodenbelag im Bauwesen
• als leichter, gut formbarer, beliebig einfärbbarer und flexibel einstellbarer Konstruktionswerkstoff für Auto, Bahn und Flugzeug
• als sicheres Material für Spritzen, Kanülen und andere Einmalprodukte in Medizin und Labor, als flexibler Werkstoff z.B. für die Katheterdiagnostik
• als Mikropumpe oder als Dosier- und Applikationshilfe für Pharmazeutika in Form von Insulin-Pens oder Inhalern
• als schlagfester und flexibel dekorierbarer Werkstoff für Sport- und Freizeitartikel, für Sportgeräte, Sportkleidung und Sportschuhe
• als wetterbeständiger, pflegefreundlicher und wassersparender Kunstrasen in Sportstätten und Privatanlagen

Kunststoffe haben auch eine verborgene Eigenschaft, die sich auf keinem Datenblatt findet und auf keinem Produkt vermerkt ist: Kunststoffe sind außergewöhnlich energieeffizient! Denn Kunststoffe sind der Schlüssel zu Ressourcen schonenden Technologien mit wenig Materialverbrauch. So bietet der Einsatz von Kunststoff z.B. große Vorteile in der Wärmedämmung von Gebäuden oder in der Mobilität durch Leichtbaukonstruktionen im Auto, im Bus, im Zug und im Flugzeug.

Eine aktuelle Studie von „Denkstatt“, einem österreichischen Beratungsunternehmen für nachhaltige Entwicklung, hat gezeigt, dass Kunststoffe bei Gebrauch und Verwertung 5 bis 9 Mal mehr CO2 einsparen, als während ihrer Produktion emittiert wurde. Die Analysten gehen davon aus, dass dieses Verhältnis bis 2020 noch auf Faktor 9 bis 15 verbessert werden kann, denn die Produktion und die Effizienz von Kunststoffprodukten würden immer besser.

Wie die Berater im Umfeld des Weltklimagipfels Ende 2009 in Kopenhagen erläuterten, spielt der Einsatz von Kunststoffen eine wichtige Rolle im Kampf gegen den Klimawandel. Denn: Würden – wo immer möglich – Kunststoffe durch traditionelle Materialien ersetzt, so entstünden mit 120 Millionen Tonnen pro Jahr in Europa 50 Prozent mehr Treibhausgase und der Energieverbrauch stiege um 46 Prozent auf 2.300 Terajoule (TJ). Allein die aktuellen Einsparungen aufgrund des Einsatzes von Kunststoffen anstelle traditioneller Materialien entsprechen dem gesamten CO2-Ausstoß Belgiens. Die europäische Emission von Treibhausgasen wird also bereits jetzt erheblich reduziert durch die Verwendung moderner Kunststoffe. Sie allein tragen 38 Prozent zum Erreichen der ursprünglichen Kyoto-Ziele der EU-15 bzw. 15 Prozent zum Erreichen der EU-27-Ziele für 2020 bei, nämlich eine Einsparung von 780 Mio. Tonnen CO2. Ohne Kunststoff wären die Kyoto-Ziele schlicht nicht erreichbar.

Zukunftsweisende Technologien nicht ohne Kunststoffe

In Nordamerika, Europa und Japan sind auch High-Tech-Anwendungen von Kunststoffen weit verbreitet, jedoch in vielen Schwellenländern und erst recht in Entwicklungsländern sind selbst Standardlösungen z.B. für Verpackungen, am Bau und in der Medizintechnik noch längst nicht für jedermann verfügbar. Allein in der weiteren Verbreitung heute bekannter Industrieprodukte und Konsumwaren liegt großes Potenzial für das Mengenwachstum der globalen Kunststoffindustrie. Auch hinsichtlich der Werkstoffeigenschaften, der Verarbeitungsmöglichkeiten und der Anwendungsentwicklung ist das Potenzial von Kunststoffen noch lange nicht erschöpft: Viele der modernsten und zukunftsweisenden Technologien – gerade jene, die in besonderem Maße zum nachhaltigen Wirtschaften beitragen – funktionieren nicht ohne Kunststoff!

Beispiel: Kunststoffe für moderne LED-Lichttechnik
Leuchtdioden (LED) boomen, weil sie bei geringem Energieverbrauch eine hohe Lichtausbeute bieten. Sie etablieren sich zusehends in verschiedensten Anwendungen – von der Taschenlampe über die Arbeitsplatzbeleuchtung bis zum Autoscheinwerfer. Reflektoren um LED-Lichtquellen lenken und bündeln das Licht. Um diese frei gestalten und wirtschaftlich herstellen zu können, werden temperaturbeständige und wärmeleitfähige Kunststoffe entwickelt. Diese optimieren nicht nur Lichtquellen in technischen Anwendungen, sondern läuten auch den nächsten Generationswechsel von Energiesparlampen für den Haushalt ein. Neben Displays und Leuchten werden durch Funktionalisierung von Oberflächen inzwischen auch Schalter und andere Betätigungselemente voll in Bauteile aus Kunststoff integriert.

Beispiel: Polymerelektronik
Organische Leuchtdioden (OLED) sind ganz aus Kunststoff. Sie sind in Mobiltelefonen massenhaft im Einsatz, besitzen aber auch großes Potenzial als OLED-Fernseher. Sie erreichen in Bildqualität, Stromverbrauch und Platzbedarf neue Dimensionen: Ein OLED-TV von Sony ist beispielsweise nur drei Millimeter dünn.

Die Polymerelektronik bietet großes Potenzial für die Kunststoffe: Auf Folienbahnen wird moderne Elektronik mit flüssigen Kunststoffen – ohne klassische Halbleiter wie Silizium oder Leitermetalle wie Kupfer – aufgedruckt: So lassen sich z.B. Fotovoltaikelemente aus Kunststoff herstellen und in elektronische Komponenten integrieren, die sich dann selbst mit Strom versorgen.

Hohen Bedarf sehen Experten bei der alternativen Lichttechnik: Die Märkte zielen derzeit auf diffuse Beleuchtung, flache Lichtquellen, die in breite Flächen integriert werden können. Hier lassen flexible OLEDs mit besonderen Beschichtungen Leuchttapeten, Lichthimmel und interaktive Werbeplakate in greifbare Nähe rücken.

In der Medizintechnik werden bereits funktionelle Medikamentenverpackungen aus Kunststoff erprobt, die registrieren, ob ein Patient seine Arznei einnimmt, und ihn gegebenenfalls an die Einnahme erinnern.

Beispiel: Leichtbaustrukturen durch Faserverbundkunststoffe
Faser-Kunststoff-Verbundwerkstoffe, sogenannte Faserverbundkunststoffe, ermöglichen die Herstellung hoch belastbarer, aber sehr leichter Strukturbauteile: Die Produktion von Formteilen aus Glasfasern und duroplastischer Matrix oder mit Endlosfasern und thermoplastischer Matrix werden zunehmend großserientauglich. Weder Arm- oder Beinprothesen für amputierte Menschen noch Rotorblätter für Windkraftanlagen sind heute ohne diese Hochleistungswerkstoffe denkbar.

Beispiel: Nanotechnologie gibt Kunststoffen
ganz neue Eigenschaften
Nano-Füllstoffe und Additive auf Basis der Nanotechnologie können Kunststoffen neue Eigenschaftskombinationen verleihen, wenn z.B. die Ansprüche an Transparenz und Flexibilität, Brechungsindex und Härte, Oberflächenfunktionalität und Materialeigenschaften, Isolationswirkung und Leitfähigkeit schier unüberbrückbare Gegensätze darstellen.

Kurze Atempause nach Jahrzehnten des Wachstums
Die vorangegangenen Anwendungsbeispiele machen deutlich: Die Kunststoffindustrie der Welt – bestehend aus Kunststofferzeugung, Maschinenbau und Kunststoffverarbeitung – entwickelt sich in beachtlichem Tempo weiter. Sie gilt vollkommen zu Recht als Wachstumsbranche mit großer Zukunft. Auch der kurzfristige Stillstand wie in der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/2009 hat die Branche nicht nachhaltig geschädigt: Sie ist so schnell in die Krise gefallen wie andere Industrien, aber umso schneller wieder aus der Krise gekommen. Die aktuellen Branchenzahlen belegen eindrucksvoll den Wiederaufstieg der Kunststoffe und der ganzen Industrie rund um den Werkstoff des 21. Jahrhunderts.

Für das Jahr 2008 bezifferte der Erzeugerverband PlasticsEurope die weltweite Kunststoffproduktion mit 245 Millionen Tonnen. Dies entspricht einem Produktionsrückgang von 6 Prozent gegenüber dem Vorjahr, als noch 260 Millionen Tonnen ausgewiesen wurden. Der Einbruch 2008/2009 ändert jedoch nichts an der langfristigen Erfolgsstory der Kunststoffe. Hierfür ein Blick zurück: Die Gesamtmenge von 245 Millionen Tonnen im Jahr 2008 entspricht einem Zuwachs von durchschnittlich 9 Prozent pro Jahr seit 1950. Rund 215 der 245 Millionen Tonnen sind Kunststoff-Werkstoffe, das heißt Materialien, die zu Produkten aus Kunststoff verarbeitet werden. Die übrigen 30 Millionen Tonnen werden zur Herstellung von Beschichtungen, Klebern, Dispersionen, Lacken oder Farben verwendet.

Seit mehreren Jahren sind die Länder Asiens und Ozeaniens die größten Kunststoffproduzenten der Welt. Mit einem Anteil von 37 Prozent belegten sie 2008 Platz 1 auf der Rangliste der weltweiten Kunststoffproduktion, gefolgt von Europa mit 25 Prozent und den NAFTA-Staaten mit 23 Prozent. Die Produktionsmenge des Nahen und Mittleren Ostens sowie Afrikas stieg sogar im Jahr 2008 infolge des beträchtlichen Kapazitätsaufbaus auf 8 Prozent.

Deutschlands Kunststofferzeuger verzeichneten nach einem ersten leichten Dämpfer im Jahr 2008 für das Jahr 2009 einen Rückgang der Produktionsmenge von 15 Prozent auf rund 17 Millionen Tonnen, das sind dennoch 7,5 Prozent der weltweiten Erzeugung. Der Umsatz für das Gesamtjahr 2009 lag um 23 Prozent niedriger als im Vorjahr und damit bei 17,5 Milliarden EUR. Nach der Stabilisierung der Auftragslage im Jahresverlauf 2009 verzeichnen die Erzeuger im laufenden Jahr bei Produktion und Umsatz zweistellige Wachstumsraten.

Kunststoffverbrauch in Europa nach Rekordjahr leicht im Minus
Den Verbrauch an Kunststoff-Werkstoffen in Europa im Jahr 2008 schätzt PlasticsEurope auf ca. 48,5 Millionen Tonnen. Gegenüber dem Vorjahr bedeutet dies einen Rückgang von 7,5 Prozent. Das britische Marktforschungsunternehmen Applied Market Information (AMI) weist für Thermoplaste in einer Studie ein Minus von 8 Prozent für das Jahr 2008 gegenüber 2007 aus. Nur noch 38 Millionen Tonnen Thermoplaste seien in Europa nachgefragt worden. Von 2008 auf 2009 sei die Nachfrage nach Polymeren erneut rückläufig gewesen, so die Marktforscher. Die dynamische Aufwärtsentwicklung der Branche seit Ende 2009 wird für das Gesamtjahr 2010 aller Voraussicht nach die Rückkehr auf den gewohnte Wachstumspfad und respektable Verbrauchszuwächse bringen.

Die Verbrauchsstatistik 2008 von PlasticsEurope weist in Westeuropa Deutschland mit 11,6 Millionen Tonnen und Italien mit 7,6 Millionen Tonnen als Spitzenreiter aus. Die beiden Länder stehen zusammen für ca. 40 Prozent des europäischen Kunststoffverbrauchs, gefolgt von Frankreich, Spanien und dem Vereinigten Königreich.

Die Verpackungsbranche verbrauchte gemäß der Analyse von Plastics-Europe mit 38 Prozent den größten Anteil aller Anwenderindustrien für Produkte aus Kunststoff, gefolgt von der Baubranche mit 21 Prozent. Die Automobilbranche schlug mit einem Anteil von 8 Prozent zu Buche und die Elektronikindustrie mit 6 Prozent. Der Verbrauch der übrigen Abnehmer, wie die Möbelindustrie, die Medizinbranche, die Hausgeräteindustrie inkl. Sport- und Freizeitartikeln und die Landwirtschaft, summierte sich im Jahr 2008 auf 28 Prozent.

Die Verwertungsrate in Europa lag im Jahr 2008 bei 51,3 und damit um 1,3 Prozent höher als im Vorjahr. Dabei ist zu berücksichtigen, dass die Verwertungsquoten je Land sehr unterschiedlich sind. Im Durchschnitt betrug der Prozentsatz für die stoffliche Verwertung 21,3 Prozent und für die energetische Verwertung 30 Prozent. Mit der Schweiz, Dänemark, Deutschland, Schweden, Belgien, Österreich, den Niederlanden und Norwegen erreichen acht der EU27+2-Länder Verwertungsquoten von über 80 Prozent. Einige andere Staaten haben hier noch Nachholbedarf. An den Möglichkeiten scheitert es nicht: Die K 2010 zeigt, dass alle notwendigen Recyclingtechnologien ausgereift und verfügbar sind.

Der Kunststoff Pro-Kopf-Verbrauch in Westeuropa wurde zuletzt für das Jahr 2005 mit durchschnittlich 100 kg ermittelt. Nach Einschätzung von PlasticsEurope ist eine Steigerung auf 136 kg bis 2015 möglich. Das insgesamt größte Wachstumspotenzial, so PlasticsEurope, bestehe aber in den sich schnell entwickelnden und sehr bevölkerungsreichen asiatischen Ländern. Deren Pro-Kopf-Verbrauch von seinerzeit nur ca. 20 kg soll bis zum Jahr 2015 um 90 Prozent auf 36 kg steigen. Auch in Osteuropa hat die Kunststoffindustrie beste Perspektiven: Hier soll der Pro-Kopf-Verbrauch bis 2015 ebenfalls auf 36 kg steigen, was einer Verdopplung gegenüber 2005 entspricht.

Distributeure und Compoundeure von wachsender Bedeutung
Mit wachsendem Selbstbewusstsein treten seit einigen Jahren die Kunststoffdistributeure am Markt auf. Viele große Distributeure haben ihre Portfolios durch komplementäre Produkte anderer Rohstofferzeuger so erweitert, dass sie Kunststoffverarbeiter aus einer Hand nahezu komplett versorgen könnten. Neben dem klassischen Distributions- und Kleinmengengeschäft, das sie im Auftrag großer Kunststofferzeuger ausführen, haben viele ein eigenes Produktportfolio aus Compounds und Spezialprodukten aufgebaut, um die zunehmend standardisierten Typen ihrer großen Handelspartner zu ergänzen.

Auch die zahlreichen Compoundeure, die auf die Modifikation bestimmter Basispolymere, auf bestimmte Anwendungsgebiete oder auf eine bestimmte Ausstattung von Kunststoffen spezialisiert sind, bemühen sich durch anwendungsspezifisch modifizierte Materialtypen und durch produktbegleitende Dienstleistungen um eine deutlichere Differenzierung von ihren Wettbewerbern.

Holz und Kunststoff im Verbund als WPC
Kunststoffe sind nicht nur in Reinform einsetzbar, sondern tragen auch als Matrix dazu bei, andere Materialien einzubetten, verarbeitbar zu machen und damit zu attraktiven Produkten zu formen. Das beweisen beispielsweise Holz-Kunststoff-Verbundwerkstoffe, die als Wood Plastic Composites (WPC) bekannt geworden sind und deren Verbrauch in den letzten Jahren stark angewachsen ist.

WPC sind thermoplastisch verarbeitbare Verbundmaterialien aus Holzmehl oder Holzfasern und verschiedensten extrudierbaren Kunststofftypen wie PP, PVC u.a.. Obwohl der Holzanteil im Prinzip variabel ist, haben sich meist Anteile von mehr als 50 Prozent etabliert. Nach Angaben des deutschen Nova-Instituts werden weltweit bereits mehr als 1,5 Millionen Tonnen WPC hergestellt. Bis zum Jahr 2015 prognostiziert das Institut eine Verdreifachung des weltweiten WPC-Verbrauchs auf rund 5 Millionen Tonnen pro Jahr. Wichtigste Anwendungen von WPC in Europa sind Bodenbeläge für den Außenbereich, das Fahrzeug-Interieur, Konsumgüter und Einrichtungsgegenstände.

Biokunststoffe: Nischenwerkstoffe auf dem Vormarsch
Prinzipiell lassen sich viele Kunststoffe nicht nur aus petrochemisch gewonnenen Vorprodukten synthetisieren. Vielmehr sind auch aus Naturprodukten gewonnene, biologische Vorprodukte zur Herstellung von Kunststoffen einsetzbar. Die so gewonnenen, sogenannten Biokunststoffe haben sich eine Marktnische erschlossen und in einigen Verpackungsanwendungen und Konsumwaren fest etabliert. Immer mehr Kunststoffe lassen sich zumindest teilweise auf Basis nachwachsender Rohstoffe darstellen, inzwischen auch einige technische Kunststofftypen.

Weltverbrauch von Kautschuk zurück auf Wachstumskurs
Im Jahr 2009 wurden weltweit 21,7 Millionen Tonnen Kautschuk hergestellt, 4,5 Prozent weniger also noch 2008. Wie die International Rubber Study Group (IRSG) ermittelte, betrug die Produktion von Naturkautschuk (NR) 9,7 Millionen Tonnen, das sind 3,8 Prozent mehr als im Vorjahr, und die Produktion von Synthesekautschuk (SR) 12,1 Millionen Tonnen, das ist ein Minus von 5,2 Prozent gegenüber 2008.

Der weltweite Kautschukverbrauch lag laut IRSG im Jahr 2009 bei 21,2 Millionen Tonnen. Im Vergleich zum Vorjahr (22,8 Millionen Tonnen) errechnet sich hier ein Minus von 7 Prozent, nachdem der Verbrauch bereits von 2007 auf 2008 um knapp 3 Prozent nachgelassen hatte. Von den 21,2 Millionen Tonnen entfielen ca. 9,4 Millionen Tonnen auf Natur- und 11,8 Millionen Tonnen auf Synthesekautschuk. Während der Kautschukverbrauch 2009 in Nordamerika um rund 20 Prozent und in Europa um rund 25 Prozent zurückging, stieg er in Asien und Ozeanien weiter an – 2009 um fünf Prozent. Im ersten Halbjahr 2010 belegen zweistellige Steigerungsraten gegenüber den schwachen Vorjahreswerten auch in der Kautschukindustrie die weltweit eingetretene, konjunkturelle Erholung.

Kunststoffmaschinenbau nach Krise mit zweistelligem Plus
Die Weltproduktion von Kunststoff- und Gummimaschinen erreichte nach drei Jahren stetigen Wachstums im Jahr 2008 mit fast 22 Milliarden Euro einen neuen Rekordwert, bevor sie 2009 krisenbedingt um nahezu ein Viertel auf knapp 17 Milliarden Euro einbrach.

So heftig, wie sich vom dritten Quartal 2008 an extreme Rückgänge beim Auftragseingang einstellten und auf breiter Front und quer durch den Maschinenbau eine rasante Talfahrt der Geschäftstätigkeit einsetzte, so fulminant sind die Maschinenbauer Anfang 2010 mit überwiegend zweistelligen Wachstumsraten aus der tiefsten Krise ihrer Geschäftstätigkeit aufgestiegen.

Im Ranking der Herstellernationen löste 2009 China erstmals Deutschland ab. Das Reich der Mitte konnte seine Produktion in etwa stabil halten und damit seinen Anteil an der Weltproduktion von 19,1 auf 23,5 Prozent erhöhen. Von 11,4 Prozent im Jahr 2004 haben die chinesischen Maschinenbauer ihren Anteil an der Weltproduktion kontinuierlich steigern können. Deutschland fiel 2009 mit 22,6 Prozent Anteil (nach 25,3 Prozent in 2008) auf Position 2 zurück. Italien verteidigte mit 12,1 Prozent Platz 3, im Ranking folgten die USA mit 6,5 und Japan mit 4,1 Prozent Anteil.

Der Welthandel mit Kunststoff- und Gummimaschinen ging im Jahr 2009 noch stärker zurück als die Produktion und erreichte nur noch 10,8 Milliarden Euro nach 15 Milliarden Euro in 2008. Die deutschen Hersteller konnten ihre Spitzenposition erneut verteidigen – mit 25,3 Prozent. Platz 2 nahm Italien (11,6 Prozent) und Platz 3 Japan (11,1 Prozent) ein, gefolgt von China (9,3 Prozent) und den USA (7,7 Prozent).

In Deutschland endete das Rekordjahr 2008 mit dem höchsten Produktionswert aller Zeiten, der Fachverband Kunststoff- und Gummimaschinen wies ein Produktionsvolumen für den Kernmaschinenbau von 5,5 Milliarden Euro aus. Im Krisenjahr 2009 fiel dieser Wert um 31 Prozent auf 3,8 Milliarden Euro zurück. Die erfreulich gestiegenen Auftragseingänge im ersten Halbjahr 2010 lassen für das Gesamtjahr 2010 ein Plus um 11 Prozent erwarten. Auch für das Jahr 2011 rechnen die deutschen Hersteller von Kunststoff- und Gummimaschinen mit einem zweistelligen Plus. Trotz dieses Wachstumsschubes wird der Branchenumsatz 2010 noch um ein Viertel hinter dem des Rekordjahres 2008 zurückbleiben.

Die etablierten westeuropäischen und amerikanischen Märkte für Kunststoffmaschinen haben in den letzten Jahren an Aufnahmefähigkeit eingebüßt. Zudem sind die preisempfindlichen Mittelmeer-Anrainerstaaten inklusive der Maghreb-Staaten sowie Osteuropa, Russland, der Nahe und Mittlere Osten wichtige Zielmärkte asiatischer Maschinenimporteure geworden. Umso intensiver stellt sich der Wettbewerb für die Anbieter hochwertiger europäischer Maschinentechnik dar, die sich mit verstärkter vertrieblicher Präsenz besonders auf die boomenden asiatischen Märkte konzentrieren.

Erneut etwas beständiger als das Geschäft mit Verarbeitungsmaschinen zeigte sich die Nachfrage nach Automatisierungs- und Peripherietechnik. In Europa haben viele Hersteller von Peripheriegeräten trotz der einschneidenden Krise ihre Bemühungen fortgesetzt, ihr Produktprogramm zu komplettieren – im Hinblick auf Materialförderung, -trocknung und -dosierung, Automatisierungs- und Temperiertechnik, sowie Mühlen bis hin zu Förderbändern und Separatoren aus einer Hand.

Sehr differenziert präsentiert sich die Konjunktur bei den Herstellern von Werkzeugen und Formen. Zahlreiche Insolvenzen in allen großen Werkzeugbaunationen zeugen von den Schwierigkeiten bei schnelllebigen Produkten der Elektronik und dem technologisch wichtigen Automobilbau, der vielfach hochwertige Werkzeugtechnik entwickeln und nutzen lässt. Dennoch schwankte die Geschäftslage im Jahr 2009 je nach Unternehmensaufstellung, Kompetenzportfolio und bedienten Anwenderbranchen zwischen massivem Auftragsmangel und Vollauslastung.

Kunststoffverarbeitung deutlich erholt
Die angespannte Marktsituation im Kunststoffmaschinenbau lag in der stark reduzierten Nachfrage aus der Kunststoffverarbeitung begründet. Geringere Bestellmengen, ausgebliebene und stornierte Aufträge hatten seit Mitte 2008 für eine extreme Reduzierung der Lagerbestände bei den Verarbeitern und nicht zuletzt zu außergewöhnlicher Zurückhaltung bei Investitionen geführt. Die sprunghafte Wiederbelebung der Technologiemärkte hat bei vielen Zulieferern zu einem fast nahtlosen Übergang von der Unterauslastung mit Kurzarbeit in die Vollauslastung mit Kapazitätsdefiziten und gelegentlichen Überhitzungsanzeichen geführt.

Die global abgeschwächte Nachfrage nach Produkten aus Kunststoff hat die anhaltenden Verlagerungsbewegungen in der Kunststoffverarbeitung von Westeuropa nach Mittel- und Osteuropa sowie nach Asien ebenso wie von den USA nach Mexiko, China und Südostasien eher noch beschleunigt. Viele Kunststoffverarbeiter, vor allem in den Wertschöpfungsketten für Automobil und Telekommunikation, sind dabei in substanzielle wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten. Von 2008 auf 2009 sind nach Beobachtungen von AMI beispielsweise die Umsätze der europäischen Spritzgießbetriebe 23 Prozent eingebrochen. Zwischen 2005 und 2008 haben nach AMI-Angaben allein 12 Prozent der westeuropäischen Spritzgießunternehmen ihren Betrieb eingestellt.

Die deutschen Kunststoffverarbeiter hatten 2009 zweistellige Rückgänge zu beklagen: Die Produktion ging um 11 Prozent, der Umsatz um 14 Prozent zurück – auf 46 Milliarden Euro. Seit Ende 2009 zeigen sich aber deutliche Erholungstendenzen mit im Vorjahresvergleich zum Teil zweistelligen Pluszeichen.

China – wichtiger Motor der Branche
Das Reich der Mitte hat sich binnen weniger Jahre auch in der Kunststoffindustrie zu einer echten Weltmacht entwickelt. Die China Plastics Processing Industry Association (CPPIA) meldete für 2009 einen Produktionswert von umgerechnet etwa 115 Milliarden Euro und einem Zuwachs von 13,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. In der Volksrepublik sind damit die Folgen der Wirtschaftskrise bereits überstanden. Die Kunststoffverarbeiter verarbeiteten dem National Bureau of Statistics zufolge 2009 mit 44,8 Millionen Tonnen 21 Prozent mehr Kunststoffe als noch im Vorjahr.

Wie in anderen Volkswirtschaften, liegt die Wachstumsrate der Kunststoffindustrie auch in China über der des Bruttoinlandsprodukts. Sie ist über Jahre hinweg nahezu zweistellig ausgefallen. Zudem hat sich die Verlagerung ganzer Produktionszweige des Verarbeitenden Gewerbes wie der Produktion von Mobiltelefonen und Unterhaltungselektronik aus Europa und Nordamerika nach China fortgesetzt.

Die große Bedeutung des chinesischen Marktes für den exportorientierten europäischen Kunststoffmaschinenbau und für die nach China liefernden Kunststofferzeuger hat seit Herbst 2009 wie eine Lokomotive auch das Geschäft für Importeure beschleunigt, da chinesische Kunststoffverarbeiter weder alle benötigten Werkstoffe noch das gesamte erforderliche Equipment von lokalen Herstellern beziehen können. Im ersten Halbjahr 2010 standen bereits knapp 26 Millionen Tonnen Verarbeitungsmenge in den Büchern der chinesischen Kunststoffverarbeiter. Gingen ihre Exporte 2009 noch um mehr als 11 Prozent gegenüber 2008 zurück, sprangen sie in der ersten Jahreshälfte 2010 um 35 Prozent nach oben. Angesichts des gewaltigen absoluten Volumens und der großen volkswirtschaftlichen Dynamik werden die Aktivitäten der chinesischen Kunststoffindustrie mehr denn je Einfluss haben auf die weltweite Entwicklung von Kunststoff und Kautschuk.

K 2010: Das Top-Event für Innovationen
rund um Kunststoff und Kautschuk
Die Kunststoffmesse K in Düsseldorf ist seit 1952 zentraler Treffpunkt der internationalen Kunststoffindustrie und Premierenplattform für Innovationen und Trends. Nirgendwo auf der Welt ist die Bandbreite der Rohstoff-, Verarbeitungs- und Anwendungstechnik so vollständig zu erleben wie auf der K-Messe in Düsseldorf. Nirgendwo sonst sind Compoundierung, Extrusion und Blasformtechnik so umfassend in Aktion zu sehen wie auf der K, nirgendwo sonst sind mehr Produktionszellen mit Spritzgießmaschinen, nirgendwo sonst so anspruchsvolle Verfahrenskombinationen und eine so große Anwendungsvielfalt in Aktion zu sehen. Nirgendwo sonst präsentieren sich so viele Hersteller von Kunststoff- und Kautschuk-Rohstoffen, Farbmitteln und Pigmenten, Verstärkungs- und Füllstoffen, so viele Erzeuger, Compoundeure und Händler; nirgendwo sonst werden die Wertschöpfungsketten der Kunststoffindustrie vom Rohstoff zum einsatzfertigen Konsumentenprodukt so komplett, umfassend und beeindruckend präsentiert.

Die K 2010 in Düsseldorf findet vom 27. Oktober bis 3. November statt. Zwar sind noch immer nicht alle Exponatedetails bekannt, da die ausstellenden Unternehmen viel später als sonst ihre Geheimnisse lüften. Dennoch sind die Präsentationsschwerpunkte, die wichtigen Trends und einige Exponate-Highlights schon klar:

Roh- und Hilfsstoffe, Halbzeuge, technische Teile und
verstärkte Kunststofferzeugnisse
• Superleichte Schaumstoffe mit verbesserter Wirkung als Wärme- oder Schallisolator
• Nanoskalige Additivpartikel zur Verbesserung der Fließfähigkeit und Steigerung mechanischer Eigenschaften von Kunststoffen
• Kunststofftypen mit weiter erhöhter Wärmeformbeständigkeit für den Einsatz in Elektro- und Lichttechnik
• Großserientaugliche Kunststoffbauteile mit immer mehr integrierten, elektrischen und lichttechnischen Funktionen
• Kunststofftypen mit erhöhter Transparenz, höherer Doppelbrechung und verbesserten optischen Eigenschaften
• Neue Flammschutzformulierungen für besseren Brandschutz mit Kunststoffen
• Neue Typen von Standard- und technischen Kunststoffen auf Basis nachwachsender Rohstoffe
• Neue, biologisch abbaubare Kunststofftypen
• Holz-Kunststoff-Composites (WPC) in neuen Anwendungen
• Mechanisch hoch belastbare Automobil-Strukturbauteile aus Faserverbundkunststoffen zur Absorption von Aufprallkräften

Maschinen, Werkzeuge und Ausrüstungen
• Bessere Anlagenauslastung durch kürzere Produktionszeiten, mehr Flexibilität und kürzere Umrüstzeiten
• Kürzere Zykluszeiten, geringere Stückkosten und höhere Produktivität durch schnellere Maschinenbewegungen, optimierte Werkzeuge, effizientere Kühlung und noch bessere Synchronisierung mit Automatisierungstechnik
• Modifizierte Maschinenkonzepte für kostengünstigere Konstruktion und reduzierten Energieaufwand
• Konzepte für effiziente Werkzeugtemperierung zur wirtschaftlicheren Gestaltung von Prozessen, zur Steigerung der Produktqualität und zur Senkung des Energieeinsatzes
• Integrierte Überwachung der Produktqualität, Ausschleusung von Ausschuss direkt im Prozess und Dokumentation von Prozess- und Qualitätsdaten
• Verstärkter Einsatz energieeffizienter elektrischer Antriebe in Verarbeitungsmaschinen zur Steigerung der Präzision und zur Senkung von Energieverbrauch und Energiekosten
• Kombination verschiedenster Spritzgieß-Sonderverfahren wie z.B. Fluidinjektions- oder Mehrkomponententechnik, Dekorations- und Schäumverfahren in einen Zyklus zur Integration verschiedenster Funktionen in ein Kunststoff-Bauteil